Es (2017)

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Andrés Muschietti präsentiert die wohl gelungenste Neuverfilmung eines legendären Stephen King Romans.

Originaltitel It
Jahr 2017
Produktionsland USA
Regie Andrés Muschietti
Drehbuch Cary Fukunaga, Chase Palmer, Gary Dauberman
Genre Horror, Drama
Darsteller Bill Skarsgård, Javier Botet, Sophia Lillis, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard
Länge 135 Minuten
FSK ab 16 Jahren
Verleih Warner Bros. GmbH

Story

In dem keinen Städtchen Derry im US Bundesstaat Maine geschehen im Jahr 1988 unheimlich mysteriöse Dinge. Mehrere Kinder verschwinden plötzlich spurlos, so auch der kleine Georgie, der beim Spielen mit einem kleinen Papierboot an einem regnerischen Tag nie wieder gesehen wird. Monate vergehen, doch Georgie’s großer Bruder „Bill Denbrough“ ist noch immer voller Hoffnung, das sein Bruder irgendwo da draußen lebt und auf Hilfe wartet. Denn nach Bill‘s unbeirrbarer These, wurde Georgie damals vom stark fließenden Regenwasser erfasst und in das nahegelegene Abwassersystem von Derry gespült.
Gemeinsam mit seinen sechs Freunden, dem sogenannten „Club der Verlierer“, geht Bill dem Verschwinden seines Bruders nach und so stößt die Clique bei ihren Recherchen schon bald auf eine schaurige Geschichte über die Stadt Derry. Offensichtlich treibt „ES“, ein unheimliches Wesen aus einer anderen Dimension sein mörderisches Unwesen und erscheint etwa alle 27 Jahre in Derry. „Es“ ist ein Formwandler und in der Lage die jeweilige Gestalt der schlimmsten Albträume seiner Opfer anzunehmen. Um sich das Vertrauen seiner jungen Opfer erschleichen, erscheint „ES“ jedoch öfters in der Gestalt eines Clowns und hört auf den Namen „Pennywise“. Wird es dem Verlierer-Club gelingen, die eigenen Ängste zu überwinden und das wandelbare Böse zu stoppen?

Kritik

Im Jahr 1990 gab sich das ultimative Böse in Gestalt eines diabolischen Clowns das erste Mal die Ehre. Die zweiteilige TV-Adaption des berühmten Stephen King Romans genießt mittlerweile einen ähnlichen Horror-Kultstatus wie „A Nightmare on Elm Street“, „Freitag der 13.“ oder auch „Halloween“.
Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass im Laufe der Jahre unweigerlich der Zahn der Zeit an der ersten Verfilmung nagt, ganz besonders im Hinblick auf die schon damals recht günstig produzierten Effekte. Tim Currys grandiosem Auftritt als „Pennywise“ tut dies natürlich nach wie vor nicht den geringsten Abbruch und der Film dürfte unter Fans einen festen Platz im Horror-Himmel haben. Nun war es aber an der Zeit ein paar Altlasten zu entfernen, um sich auf eine neue Dimension des Schreckens vorzubereiten und dabei gab sich der argentinische „Mama“ – Regisseur „Andrés Muschietti“ erstaunlich viel Mühe. Um es gleich vorweg zu nehmen: wer hier den ultimativen Schocker erwartet, wird sicher enttäuscht sein. Muschiettis „ES“ ist ein ungeschliffener Rohdiamant, der sich langsam aber sicher im Laufe der Geschichte zum fast makellosen Brillanten entwickelt.
Das bedeutet im Klartext, das hier nicht auf Effekthascherei im Dauerfeuer gehofft werden darf. Kings Buch war vom Seitenumfang her schon ein wahres Prachtexemplar von einer literarischen Vorlage. Ähnlich detailverliebt geht auch die Kino-Adaption des Stoffes vor und lässt die jungen Charaktere sich behutsam entfalten. Davon lebt der Film dann letztlich auch. „Es“ mag damit fast schon eher wie ein Jugenddrama und weniger nach einem Horrorfilm klingen, aber tatsächlich steht hier die Entwicklung der jungen Charaktere und ihre Beziehung untereinander an oberster Stelle. Kein einziger Jungdarsteller wirkt hier fehl am Platz oder benachteiligt und jeder Charakter entwickelt seine individuellen Verhaltensmuster, was einen unglaublich starken Wiedererkennungswert vermittelt und darüber hinaus eine Intensität erzeugt, wie man sie seit „Stand my Me“ oder auch „Stranger Thrings“ wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Und wo wir gerade davon reden…
Finn Wolfhard, bekannt aus der Netflix Serie „Stranger Things“ gibt sich hier bravourös die Ehre. Insgesamt ein wahrlich fantastisches Schauspiel der jungen Stars, was einfach nur schön anzusehen ist. Selbstverständlich haben wir es hier trotz aller Charakter-Intensität immer noch mit einem Horrorfilm zu tun und dieser spielt seine wahrlich beeindruckenden visuellen Stärken auch voll aus, wenn diese gut dosiert über den ganzen Film verteilt zum Einsatz kommen. Das Grauen manifestiert sich hier mit dem tricktechnisch neuesten Stand der Effekteschmieden und geizt gewiss nicht mit makaber-originellen Einfällen. Für schaurig-schöne Momente ist also gewiss gesorgt und so dürfte dem einen oder anderen so mancher Schreckensmoment gut im Gedächtnis bleiben. Generell kann man sagen, dass die Visualisierung und Ästhetik des Stoffes hier das Original von 1990 um Längen schlägt, was alters,- und budgetbedingt aber auch von Haus aus zu erwarten war. Hier spielen Effekte und Settings in der absoluten Oberliga.
Zum Schluss noch ein paar Worte zum neuen „ES“ – Darsteller Bill Skarsgård. Der schwedische Schauspieler war sehr bemüht, dieser anspruchsvollen Rolle eine ausdrucksstarke Erscheinung zu geben. Tatsächlich ist ihm dieses diabolische Treiben auch gelungen. Die Gestalt des Clowns „Pennywise“ sollte aber nicht überbewertet werden, spielt diese doch eine weitaus weniger präsente Rolle, als es noch in der TV Adaption der Fall war. Ist er aber präsent, dann auch mit vollem Einsatz. Dabei lässt sich der neue „Pennywise“ charakterlich nicht mit der Darstellung von Tim Curry vergleichen. Bill Skarsgårds Darstellung des Clowns ist hier weitaus düsterer geraten und weit vom eher „schwarzhumorigen“  Treiben der Tim Curry – Darstellung entfernt. Optisch ist die die Gestaltung des Clowns eher an die altertümliche Darstellung eines mittelalterlichen „Hofnarren“, statt die eines modernen Clown-Kostüms angelehnt. Das heißt hier aber nichts Schlechtes, sondern macht bei genauerer Betrachtung sogar Sinn. Soll das Böse in der kleinen Stadt Derry doch nicht erst seit gestern, sondern schon bereits seit Jahrhunderten sein Unwesen treiben. Demnach passt hier auch die optische Anlehnung an längst vergangene Zeiten.

Fazit

„Es“ hat ohne Wenn und Aber das Zeug zum modernen Horrorklassiker. Die Inszenierung des Stoffes ist grandios, die Jungdarsteller suchen ihresgleichen und die Geschichte selbst wird einmal mehr der berühmten King-Vorlage gerecht. Selbstverständlich gibt es auch hier keine haargenaue 1:1 Umsetzung des Bestsellers, aber das kann man auch nicht erwarten. Zu sehen bekommt man dennoch eine sehr gute und weitaus detailfreudigere Verfilmung der Geschichte, die im Bezug auf ihre Intensität und visuelle Umsetzung herausragt und so ziemlich zu den besten King-Adaptionen aller Zeiten zählen dürfte. Besonders hervorzuheben ist hier auch der konsequent durchgezogene Bezug zu den Jungdarstellern ohne Zeitsprünge zum erwachsenen „Verlierer Club“. Dieser darf sich dann hoffentlich ebenso gut entfalten, wie es diese erste grandiose Hälfte über das undefinierbare Böse getan hat. Man darf gespannt sein.
Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:
Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:
Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:
Handlung/Dramaturgie
2
Figuren/Schauspieler
1
Ausstattung/Schauplätze
1
Form
2
Hintergrund
1
Vergleich im Genre
2
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4 KOMMENTARE

  1. Also eines der Fakten ist. Das Buch ist nun wirklich keine Erleuchtung. So sehr wir uns auch alle den guten Stephen King als Super-Autor wünschen, so unnötig sind mind. 500 der ca 1500 Seiten dieses Buches. Es ist eine Art „Wohlfühl“ Roman. Die Tiefe der Umschreibungen lädt uns alle dazu ein, sich in der Welt dieser Kinder, die diesen Pakt geschlossen habe, genüsslich nieder zu lassen. Und genau wie das Buch, ist auch die Verfilmung von 1990 eher eine perfide Symbiose von „die 3 Fragezeichen“ und „Stand by me“. Stephen King zeigt uns in erster Linie das Böse in uns selbst. Denn der Clown ist keineswegs zufällig in genau dieser Stadt. Voll von kleinkarierten Vorurteilen, Rassismus und Spießbürgertum, ist das sog. Böse nur eine logische Konsequenz und das Ergebnis dessen, was diese Kinder an Unschuld darstellen,. Die neue Verfilmung setzt dabei, wenn auch verständlich, auf das falsche Pferd. Wie viele der Romane dieses Autors, so ist auch „ES“ in erster LInie die Suche und die Erkenntnis des Bösen in uns selbst. Die aktuelle Version allerdings bricht das alles auf einen simplen Nenner herunter. Er ist weder besser noch schlechter als der Film der 90er. Dieses Buch ist es schlicht nie Wert gewesen, verfilmt zu werden.

  2. Eine akzeptable aber dennoch völlig andere Sichtweise. Kann das nur bedingt teilen. Die symbolic die letztlich vermittelt werden soll (das böse in und selbst) dürfte für den Mainstream des Films nur sehr bedingt eine Rolle spielen. Themen wie ein schlechtes Elternhaus, rassismus und dergleichen werden sicher von den wenigsten Kino Besuchern so durchleuchtet, das hierfür etwas ganz anderes Pate stand. Das Gesamtergebnis ist noch nicht fertig. Der Ansatz der ersten Hälfte die hier geboten wird übertrifft die alte TV Adaption aber um Längen. Es ist letztlich doch „nur“ Popcorn-Kino und keine großartig interpretierbare Independent Produktion die zum nachdenken anregen will. Stil und Machart des Films ist an den neuesten Stand des möglichen angepasst und darauf beschränkt sich letztlich auch das Publikum. Man hätte das ganze natürlich bis zur undenklichkeit auseinander pflücken können, nur denke ich das das kein Mensch lesen möchte. Das wichtigste auf den Punkt gebracht, nicht mehr und nicht weniger. Aber trotzdem danke für deine Meinung.

  3. Das war keineswegs eine Kritik an deinem Beitrag. Im Gegenteil. Du hast im Grunde rausgeholt was rauszuholen war. Ich bin auch kein Freund von zu tiefen Analysen in solchen Beiträgen, weil dann die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers schnell verfliegt. Mein Kommentar richtet sich mehr gegen den , mir unverständlichen, Hype um dieses Buch.

  4. Nein nein das hab ich auch nicht so aufgefasst alles gut 🙂 Der Hype ist allerdings in der Tat so langsam aber sicher nicht mehr zu ertragen. Auch mit Hinblick auf den Film. Eigentlich sehr schade, denn das versaut zu einigen einen Kino Besuch. Aber auf der anderen Seite natürlich nachvollziehbar, wenn so ein Riesen Wirbel darum gemacht wird, dass man dann entsprechend keine Lust mehr haben kann.

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