Sei ein Faber im Wind (Konzertreview)

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Sei ein Faber im Wind
Sei ein Faber im Wind

Junge schweizer Band rockt Magdeburg mit Ihrem Konzert Sei ein Faber im Wind.

Gekannt habe ich Faber schon länger, speziell durch diesen Song mit seinem einzigartigen Video:

Auf Empfehlung unseres Autors Tymothy, der Faber bereits in Hamburg gesehen hatte, habe ich mich breit schlagen lassen, mir eine Karte für das Konzert in Magdeburg zum Album „Sei ein Faber im Wind“ zu kaufen. Nicht dass ich Faber, mit bürgerlichem Namen Julian Pollina, und seine Jungs nicht mag, aber ich kannte lediglich 4 bis 5 Lieder. Außerdem hätte ich sie jetzt nicht unbedingt als Rampensäue eingeschätzt. Das sind sie von Natur aus auch nicht wirklich, was aber prinzipiell auch nicht wichtig war bei diesem Konzert. Aber jetzt erstmal ganz in Ruhe von vorn.

An einem Donnerstag Abend habe ich ein paar Leute mit dem Auto eingesammelt und mich mit dem Rest vor der „Factory“ in Magdeburg getroffen. Mit der Zeit kamen unerwartet immer mehr bekannte Gesichter dazu, sodass wir am Ende ein Trupp von fast 15 Leuten waren. Dies steigerte die Vorfreue nochmal um einiges und ließ auch die Zeit realtiv zügig vergehen.

 

Die Factory bei "Sei ein Faber im Wind"
Die Factory bei „Sei ein Faber im Wind“

Die Kulisse der „Factory“ passte super: sehr rustikal und genügend Platz und trotzdem mit gemütlicher Wirkung. Das Publikum war angenehm sympathisch. Kein Gedränge, viele spontane nette Gespräche und auch vor der Bühne lief alles sehr umsichtig. Die Musik steckte zwischendurch sogar einen Teile der Menge zum Pogen an. Aber ich rede jetzt nicht vom masochistischen Pogen, wo es möglichst hart zur Sache gehen soll, sondern einer vorsichtigen und umsichtigen, ich nenne es mal Hüpfeinlage, in der man sich mit den anderen Personen zwar Schulter an Schulter traf, sich dabei jedoch nur vorsichtig berührte. Klasse Nummer und absolut passend, wie ich fand.

Vorband bei "Sei ein Faber im Wind"
Vorband bei „Sei ein Faber im Wind“

Nachdem eine schweizer Vorband mexikanische Töne trällerte, kam nun auch endlich Faber auf die Bühne und wurde gleich nett empfangen. Schon nach kurzer Zeit merkte man, warum man von den Konzerten so viel Gutes hört. Ein paar Bässe, ein paar Klänge, ein paar Gesänge und schon konnte man den eigenen Körper nicht mehr stillt halten. Die Mischung der vielen Instrumente, speziell die mit Bass unterlegte Posaune (erinnert teilweise an Marschmusik) lud einfach zum Tanzen ein, wie bspw. in diesem Song (das Video startet erst nach 60 Sekunden richtig):

Live "Sei ein Faber im Wind
Live „Sei ein Faber im Wind

Und nicht nur man selber konnte einfach nicht still stehen. Schnell konnte man auch beobachten wie sich die Musik auf das komplette Magdeburger Publikum übertragen hat, was sonst, vorsichtig ausgedrückt, sehr zurückhaltend ist. Aber nicht nur das fiel auf. Auch dass die Jungs alle mehrere Instrumente spielen konnten und teilweise sogar 2 gleichzeit spielten, beeindruckte uns stark. So wusste man eigentlich gar nicht was man zuerst machen sollte. Das Instrumentale beobachten und bestaunen, die Musik genießen und tanzen oder einfach nur auch die tiefgeschichteten, cleveren und teilweise auch provozierenden Texte achten, welche bemerkenswert sind, dafür dass sie der Feder eines 24jährigen (bei der Entstehung wohl eher 20) entstammen. Beeidruckend finde ich z.B. diesen Text hier:

Mit diesem und anderen Liedern folgte nun erstmal eine Phase der Erholung. Dank diverser Balladen konnte man sich mal kurz etwas erholen und das ganze Können der Jungs bestaunen. Klavier, Posaune, Schlagzeug, E-Gitarre, Bass und vieles mehr wurde von der individuell anmutenden Band in Perfektion benutzt um das Publikum zu begeistern. Dazu dann noch Faber mit seiner einmaligen Stimme, die nach einem 50jährigen verruchten Sänger klingt, aber nicht zwingend nach einem zurückhaltend wirkenden Anfang 20 – Jährigen. Auch schon die Art und Weise, wie er seine Gitarre hält. Relativ kurze Halterung und beim Spielen liegt sie daher in der Hand, wie ein Maschinengewehr. Das schindet optisch schon Eindruck.

Fabers Statement zum Thema Diskriminierung
Fabers Statement zum Thema Diskriminierung

Anfangs mögen alle etwas schüchtern wirken, u.a. auch weil sie teilweise anmuten wie eine Gruppe Informatikstudenten. Aber sie brauchen nicht lang um mit dem Publikum warm zu werden und können so sofort zeigen, dass sie eine Menge ordentlich in Wallung bringen können. Bekannt für gesellschaftskritische Texte, leben sie ihre Texte auch auf der Bühne aus. Mitten im Konzert stehen auf einmal 6 knutschende Männer vor dem Publikum und symbolisieren Fabers Meinung zu jeglicher Diskriminierung. Aber auch Beziehungsprobleme wurden musikalisch verarbeitet. Hört dazu den Titelsong zum Album Sei ein Faber im Wind und genießt vor allem den melodisch und textlich überragenden Refrain:

Und mitten in der „balladigen“ Phase schmetter Faber fast nebenbei auf einmal ein Liebeslied, was irgendwie niemand von uns kannte. Doch trotzdem war das ganze Publikum wie fasziniert. Mir wurde sogar berichtet (Namen werden nicht genannt), dass dabei Tränen geflossen sind. Wirklich alle standen regungslos da und haben dem jungen Mann mit der kratzigen Stimme gebannt zugehört.

Sei ein Faber im Wind
Sei ein Faber im Wind

Zum Schluss nun kamen nun noch die „Klassiker“, zumindest Klassiker für Faber-Fans, und brachten den Saal nochmal zum Beben. Mit Songs, wie das oben bereits erwähnte „Alles Gute“ oder „So soll es sein“ heizten sie uns ordentlich ein. Als Abschluss kam dann noch das lang erwartete „Tausendfrankenlang“ in dem eine Beziehung zu einer Prostituierten besungen wird. Dabei gibt es das dazugehörige Video als perfekte Zurschaustellung, wie provokant diese verschmitzten Jungspunde eigentlich sein können, dabei aber extrem sympathisch wirken. Hier singen sie es vor fantastischer Kulisse auf einem Weihnachtsmarkt:

Nachdem Konzert nahmen sich die Jungs noch Zeit für Fotos, Autogramme und ähnliches. Dabei plauderten sie sympathisch aus dem Nähkästchen und Sänger Faber, stets mit einer Flasche Sekt in der Hand, blieb bis auch der letzte Gast (ich kann das beurteilen, da er zu uns gehörte) verschwunden war. Alles in allem ein Erlebnis der ganz besonderen Art und für viele von uns das musikalisch vielleicht beste Konzert bis dato. Danke dafür!

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

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Hier könnt Ihr die Band nun bewerten:

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11 KOMMENTARE

  1. Die Band kenne ich noch gar nicht, da muss ich nachher mal reinhören.
    Ich liebe es ja auf Konzerte zu gehen, mal sehen was die Tage noch bei uns in der Nähe spielt. ich würde gerne mal wieder jemanden live sehen 🙂

    Liebe Grüße Anni von hydrogenperoxid.de

  2. Hey,

    toller Beitrag und es klingt wirklich nach einem guten Konzert. Leider habe ich große Angst vor Menschenmassen, daher freu ich mich immer über solche Artikel.

    Lg

    Steffi

  3. Hallo,
    der Name hat mir jetzt um ehrlich zu sein auch nichts gesagt – habe aber mal in die Songs reingehört. Klingt ja wirklich nicht schlecht 🙂 Und das Konzert scheint ja wirklich ein richtiger Erfolg gewesen zu sein! Toll geschrieben – und die Stimmung kommt beim Lesen richtig gut rüber!

    Beste Grüße, Lisa

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