Pans Labyrinth

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„Pans Labyrinth“ ist das wohl ’schrecklichste‘ Märchen der Welt.

Titel Pans Labyrinth
Jahr 2006
Produktionsland MX/US/SP
Regie Guillermo del Toro
Drehbuch Guillermo del Toro
Genre Fantasy
Darsteller Ivana Baquero, Doug Jones, Sergi López, Maribel Verdú
Länge 119 Minuten
FSK 16
Verleih Senator

Das wohl schrecklichste Märchen der Welt, „Pans Labyrinth“, hat uns Guillermo der Toro 2006 in die Kinos gebracht. Sein Märchen ist ein Lied von tiefer Verdammnis und aufopferungsvoller Moral und Ethik. Um seiner Darstellung des Franco-Regimes genug Authentizität zu verleihen, konfrontiert uns Guillermo mit den schlimmsten, widerwärtigsten und schwersten Szenen, die es bisher je zu sehen gab. Gewiss, es gibt und hat schon schlimmeres gegeben, aber nicht in einer solchen Atmosphäre.

„Es heißt, dass vor langer, langer Zeit im unterirdischen Reich, da wo es weder Lüge noch Schmerz gibt, eine Prinzessin lebte, die von der Welt der Menschen träumte. Sie träumte vom blauem Himmel, sanften Brisen und strahlendem Sonnenschein. Eines Tages überlistete die Prinzessin ihre Bewacher und floh. In der Außenwelt angelangt, blendete sie das Licht der Sonne und löschte jede Erinnerung an ihre Vergangenheit aus. Die Prinzessin vergaß, wer sie war und woher sie kam. Ihr Körper litt unter Kälte, Krankheit und Schmerz. Nach einigen Jahren starb sie, doch ihr Vater der König wusste, dass die Seele der Prinzessin zurück kehren würde. Vielleicht in einem anderen Körper, einer anderen Zeit und an einem anderen Ort und er würde bis zu seinem letzten Atemzug auf sie warten, bis die Welt aufhört, sich zu drehen.“

Wahrheit und Magie verlieren sich Pans Labyrinth nicht. Er will uns die Realität zeigen, den Krieg und seine Eigenschaften, um im selben Moment diese Werte auf die Leinwand und in unser tiefstes Inneres zu bannen, die es braucht, um den Krieg zu beenden. Ein moralisches Manifest, dass mit Skurrilität und makabrer Darstellung zu fesseln weiß.

Im Vordergrund steht immer dieses kleine Mädchen, das auf den zauberhaften Pan trifft, der sie vor drei Prüfungen stellt, ehe sie als Prinzessin in ein magisches Reich aufsteigen darf. In ihren Prüfungen muss sie unter Beweis stellen, dass sie mit den Begriffen Verzicht, Aufopferung und Humanität etwas anfangen kann. Del Toro versucht indes nicht, die wunderbar magische Welt von Ofelia bunter und fröhlicher zu machen, als es die Geschichte ist, in der sie sich dennoch befindet. Denn sie muss zwischen Fantasie und Realität wechseln, während sie ihre Prüfungen ablegt. Und die Prüfungen stellt der Film Ofelia ebenfalls nicht einfach hin, sondern lässt sie zweifeln, hinterfragen und kläglich scheitern.

Bitter, düster und tragisch, wie das purpurrote Blut, dass beinahe als einzige beißende Farbe in Pans Labyrinth herhält. Die Welt, in die Ofelia flüchtet, bewahrheitet sich als ebenso schwer, wie die Welt um sie herum, aus der sie fliehen möchte. Den Feen, dem Pan, ihrer Mutter und ihrem Bruder, den diese noch im Leibe trägt, muss Ofelia Seelenfrieden und Heil bringen. Sie sehnt sich nach Schönheit und Befreiung, für alles, dass ihr wichtig ist. Sie flieht und opfert sich, um ihrem Bruder ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie flieht auch, um die Grausamkeit nicht Herr über ihre Welt werden zu lassen. Endgültig kann aber auch ich nicht analysieren und entschlüsseln, denn auch das Ende bleibt konsequent. Und das macht aus „Pans Labyrinth“ das wohl schrecklichste Märchen der Welt. Denn es war alles nur in ihrer Fantasie, wie wir am Ende erfahren dürfen und es erscheint ebenso grausam wie zweckmäßig, was uns Del Toro da erzählt hat.

Es ist eine Flucht vor ihrem falschen Vater, dem Krieg, dem Blut, und der Grausamkeit des wohl schlimmsten Tieres der Welt. Dem Menschen. Denn erst kurz vor Ankunft des ländlichen Lagers von Hauptmann Vidal, beginnt Ofelia die Reise in die Fantasie. Sie flüchtet in Pans Labyrinth, das wohl sinnbildlich für das Labyrinth der Schmerzen steht. Wege, noch mehr Wege, Sackgassen, Öffnungen, Windungen und Äste. Oder das Labyrinth der Flucht, der Befreiung und der Selbstfindung. Wie auch immer man es interpretieren mag: Pans Labyrinth ist dennoch ein Märchen, dass gerade wegen des konsequenten Endes an Magie und Botschaft gewinnt. Denn es lässt sich nicht nur fiktiv, sondern auch real verstehen und anwenden. Und trotzdem lässt Del Torro die bittere Pille in unserer Magensäure auflösen und lässt uns mit Tränen in den Augen zurück. Aber er lässt uns auch mit einer magischen Erkenntnis zurück. Und zwar das Flucht und Aufopferung weder eigenwillig noch egozentrisch ist.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:

Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:

Handlung/Dramaturgie
1
Figuren/Schauspieler
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Name: Robin Rojahn Alter: 22 Jahre Bei Movic Freaks seit: September 2017 Aufgabengebiete: Kritiken und Kommentare zu Filmen, bevorzugt im Bereich Drama Lieblingsfilme: 1. Raum 2. Short Term 12 3. Die Verurteilten 4. The Revenant 5. Black Swan 6. Die Schöne und das Biest (alt und Realfilm) 7. Listen to me Marlon 8. Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit 9. Jane Eyre 10. Sieben Minuten nach Mitternacht Lieblingsregisseure: Alejandro Gonzalez Inárritu, Christopher Nolan, Darren Aronofsky, Guillermo del Toro Über mich: Ich bin Rocket Man. Bevorzugt bin ich im Bereich Drama tätig. Tieftraurige Emotionen, Empfindungen und tiefgehende Charakterzeichnung, zählen zu meiner Faszination am Medium Film. Nichts ist für mich wichtiger, nichts ausschlaggebender, als das, was in mir und uns Zuschauern übrig bleibt, wenn der Abspann erscheint. Wenn es dann noch zu wochenlangen Nebenwirkungen oder Abwesenheit oder gar zu Tagträumen während dem üblichen Geschehen da draußen kommt, dann hat der Film dir etwas Tiefsinniges und ehrliches mitgegeben, das gehört und verinnerlicht werden will. Aber ja…zwischendurch gibt’s auch mal was lustiges. So nen paar Schmankerl als Belohnung..

4 KOMMENTARE

  1. Wunderbar zusammen gefaßt Robin! Mich hat der Film voll mitgenommen und nachhaltig beeindruckt. Über das kleine Mädchen und ihren Blick auf die Welt, versteht man die Grausamkeit der Zeit. Das ist mit ihren Phantasiebildern, wo sie einen mitnimmt, eindrucksvoll bebildert.

    • Hallo liebe Andrea! Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast um kurz etwas zu meiner Kritik zu sagen. Ich hatte insgeheim ein wenig Sorge, die Kritik könnte nen Tacken zu kurz sein, vor allem, weil ich gerne etwas weiter aushole. Ich hab versucht dieses Mal den Inhalt etwas zu komprimieren und das scheint ja recht gut geklappt zu haben.. Es gibt einfach so viel, dass man deuten und interpretieren kann. Das macht für mich aus Pan’s Labyrinth ein einzigartiges Erlebnis. Auch, dass der Film mit seiner Härte, die in einer speziellen Szene noch überspitzt dargestellt wird, den Bann anderer Verfilmungen bricht. Die meisten Märchen sind grausam oder haben zumindest grausame Anteile. Ist so ziemlich die Einzige Verfilmung eines Märchens, dass die Realität nicht außen vor, sondern mit in den Vordergrund nimmt. Polarisierend. Und trotzdem ist es so wunderschön und die Hauptmelodie ist so eindringlich. Danke für deine liebe Worte Andrea!

  2. Wie stark die Kraft der Phantasie und wie barmherzig die Erlösung durch den Tod ist, wenn man reinen herzens ist und im richtigen Moment selbstlos. Die Grausamkeiten des Krieges und die Brutalität eines Mannes werde gekonnt explizit in Szene gesetzt um die Notwendigkeit eines Zufluchstsortes aufzuzeigen. Je schlimmer es in der realen Welt zugeht, desto mehr Macht gewinnt die Märchenhafte Welt des Pan. Ein längst vergessenen Märchen als Leuchtfeuer, dem selbst ein Krieg, ja nicht mal der Tod etwas anhaben kann.

    • Hallo Florian,

      besser kann man es nicht sagen. Der Film ist unangenehm, sticht ins Herz, aber nur um im selben Moment auch wieder eine Geschichte von unendlicher Liebe und Erlösung zu erzählen und die Wunden zu heilen. Großartig, dass er so viele Menschen erreichen konnte. Ganz lieben Dank für deinen Kommentar!

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