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3 Tage in Quiberon

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In dem Biopic 3 Tage in Quiberon erleben wir Marie Bäumer als Romy Schneider, die während ihres Kuraufenthalts in Frankreich ein tiefblickendes Interview gibt.

Titel3 Tage in Quiberon
Jahr2018
ProduktionslandDeutschland, Österreich, Frankreich
RegieEmily Atef
DrehbuchEmily Atef
GenreDrama
DarstellerMarie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek, Christopher Buchholz
Länge110 Minuten
FSKab 0 Jahren freigegeben
VerleihProkino Filmverleih
Das offizielle Bluray-Cover zu 3 Tage in Quiberon © 2018 Prokino
Das offizielle Bluray-Cover zu 3 Tage in Quiberon © 2018 Prokino

Romy Schneider und ihre 3 Tage in Quiberon

Die deutsch-französische Schauspielerin Romy Schneider wird als junges Mädchen zum gefeierten und allseits geliebten Star. Mit der Rolle der Königin Elisabeth, kurz Sissi, schafft sie Mitte der 1950er-Jahre den Durchbruch. Von dem Image dieser Figur konnte sie sich in den Augen der deutschen Medienlandschaft nie wirklich lösen. Deshalb ging sie zeit ihres Lebens dagegen an, immer nur als Sissi gesehen zu werden. In Deutschland und in Frankreich, wo sie vor allem in den 70er Jahren als Charakterdarstellerin gefeiert wurde, rankt sich bis heute eine schwer greifbare Faszination um die Darstellerin aufgrund ihrer großartigen schauspielerischen Fähigkeiten und Schönheit sowie wegen ihrer privaten Tragödien und dem frühen Tod.

3 Tage in Quiberon zeigt Romy Schneider 1981 ein Jahr vor ihrem Tod in der französischen Hafenstadt. Dort hält sie in einem Hotel widerwillig strenge Diät, um sich zu erholen. Zudem steht der nächste Filmdreh in den Startlöchern. Besuch erhält sie zunächst von ihrer guten Freundin Hilde, der sie ihr Leid klagt. Wenig später treffen auch ihre alte Liebe und Fotograf Robert Lebeck sowie “Stern”-Redakteur Michael Jürgs ein. Während Robert unzählige Bilder von Romy schießt, gibt diese dem Journalisten Jürgs in den folgenden 3 Tagen ein überraschend ehrliches Interview.

Biopic und Kammerspiel

3 Tage in Quiberon ist mehr oder weniger ein Biopic über den Kuraufenthalt von Romy Schneider und das währenddessen stattfindende Interview mit dem “Stern”-Magazin. Allerdings ist Regisseurin und Autorin Emily Atef nicht darauf aus, diese Tage maximal authentisch abzubilden und haarklein nachzuerzählen. Zwar nutzt sie echte Zitate von Romy aus dieser Zeit und lässt zusätzlich Aussagen miteinfließen, die die Schauspielerin an anderer Stelle geäußert hat. Aber sie möchte dem Zuschauer mehr einen Zustand vermitteln. Einen Zustand und eine Stimmung, in der sich Romy Schneider in diesem Lebensabschnitt befand.

Damit der Zuschauer sich selbst auf eine kleine Zeitreise begibt und sich in die 80er Jahre sozusagen zurückversetzt fühlt, lässt Atif ihre Bilder von einem sepiaartigen Schwarz-Weiß-Filter einfärben. Ursprünglich stammt diese Idee auch daher, dass die Regisseurin sich in der Vorproduktion die über 500 Schwarz-Weiß-Fotografien ansah, die Robert Lebeck in den Tagen in Quiberon geschossen hatte. Aus diesen ergab sich schnell eine gewisse Atmosphäre. Diese versucht Atef auf ihren Film zu übertragen. Phasenweise erscheint 3 Tage in Quiberon sogar als eine Art Kammerspiel zweier Rivalen im Interview-Duell.

Im Interview mit dem "Stern" zeigt sich Romy Schneider überraschend redselig © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Im Interview mit dem “Stern” zeigt sich Romy Schneider überraschend redselig © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Mit 3 Tage in Quiberon nähert sich Emily Atef dem Mythos Romy Schneider also an, ohne die früh gestorbene Schauspielerin und ihr Leben in einem mehrstündigen Mammutwerk auf den Seziertisch zu legen. Die sehr intime und kleine Episode gibt aber dennoch einen verblüffend tiefgründigen und emotional packenden Einblick in das Seelenleben dieses mit verschiedenen Problemen kämpfenden Stars. Zu spüren ist gleichzeitig eine melancholische Schwere, eine Hilflosigkeit und Niedergeschlagenheit, die wieder durchbrochen wird von Lebensfreude, Leichtigkeit und Unbekümmertheit.

Das legendäre Stern-Interview

„Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider“

Während sowie vor und nach dem Interview wird immer wieder deutlich, dass Romy Schneider wohl von vielen Geistern gejagt wird. Ihr Mann erhängte sich, ihr Sohn beginnt gerade, sich von ihr zu entfremden und da wäre natürlich die ständige Auseinandersetzung mit der Presse und Öffentlichkeit. Dieser schleudert sie auch mit diesem Interview wieder mal entgegen: “Ich bin schon lange nicht mehr Sissi, und außerdem war ich es nie.” Darüber hinaus zeigt der Film eine Romy Schneider, die ihre vermutete Borderline-Persönlichkeitsstörung mit Alkohol, Tabletten und permanentem Nikotingenuss bekämpft.

Romy Schneider versinkt in tiefer Depression © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Romy Schneider versinkt in tiefer Depression © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

3 Tage in Quiberon vermittelt dem Zuschauer den Eindruck, dass Romy Schneider im Zwiegespräch mit dem Journalisten Michael Jürgs endlich einmal ihre ungeschönte Wahrheit über sich und ihr Leben mitteilen will. Sie lässt den Reporter dabei allerdings erschreckend nah an sich heran, was wiederum gefährlich für sie wird. Denn Emily Atef zeigt Jürgs als nassforschen Fragensteller, der über weite Strecken gnadenlos direkt agiert. Dass er sogar extra Champagner auf das Zimmer kommen lässt, weil er Romys Schwäche für Alkohol nutzen will, um sie redselig zu machen, ist von der Regisseurin Emily Atef etwas hinzugedichtet worden.

So forciert sie den “Stern”-Redakteur deutlich zum Antagonisten. Umso stärker tritt damit zutage, dass Romy Schneider anscheinend in ihrem Leben nie die richtige Distanz zur Presse und zu ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gefunden hat. Zusammen mit den persönlichen Schicksalsschlägen präsentiert uns 3 Tage in Quiberon einen gleichzeitig starken und schwachen, naiven und verständigen, kindlich und welterfahrenen Menschen, der einen berührt, vor den Kopf stößt, einen zum Kopfschütteln anregt, aber trotzdem nicht los lässt.

 

Robert Lebeck unterstützt das Interview mit Fotografien von Romy © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Robert Lebeck unterstützt das Interview mit Fotografien von Romy
© 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Fazit zu 3 Tage in Quiberon

Mit 3 Tage in Quiberon ist Emily Atef ein ungemein faszinierender, echt wirkender und emotional berührender Film gelungen. Dieser verzichtet in seiner Inszenierung fast völlig auf große Gesten und stellt das Ensemble um und mit der großartigen Marie Bäumer als Romy Schneider vollkommen in den Mittelpunkt. Auch weitestgehend uninformierte Zuschauer werden in diesem Film dem Mythos Romy Schneider näherkommen. Sie verlieren sich womöglich sogar über den Film hinaus darin. Allerdings nagt die üppige Spielzeit von fast zwei Stunden doch stark am Gesamteindruck und der Wirkmacht mancher Einzelszenen. 3 Tage in Quiberon stellt daher kein vollumfängliches Glanzstück dar und kann durch seine Schlichtheit sicherlich nicht jeden gut unterhalten.

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