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Altered Carbon

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Mit Altered Carbon bringt Netflix eine ihrer teuersten Produktionen an den Start. Die Serie wurde im Vorfeld als neues Blade Runner gehandelt. Doch was kann der Zuschauer erwarten?

TitelAltered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieNick Hurran, Uta Briesewitz, Miguel Sapochnik, Peter Hoar, Andy Goddard, Alex Graves
DrehbuchLaeta Kalogridis, Brian Nelson, Nevin Densham, u.a.
GenreScience-Fiction, Cyberpunk
DarstellerJoel Kinnaman, James Purefoy, Martha Higareda, Chris Conner, Leonardo Nam
Länge46-66 Minuten
FSKab 16 Jahren
VerleihNetflix

Geschürte Erwartungen

Altered Carbon ist eine Eigenproduktion von Netflix. Darüber hinaus ist es die Netflixserie, auf die ich mich bisher am meisten gefreut habe. Kurz nachdem ich Blade Runner 2049 im Kino genießen durfte, hörte ich zum ersten Mal von Altered Carbon. Nach ein wenig Recherche erfuhr ich, dass Altered Carbon auf Richard K. Morgans Buch Das Unsterblichkeitsprogramm basiert. Von dem 2002 erschienen Science-Fiction-Roman hatte mir mein Bruder schon einmal begeistert erzählt.

Wohin ich sah, überall wurde der Serienhit in spe mit dem Kultfilmklassiker Blade Runner verglichen. Auch mein eigener Cyberpunk-Nostalgiefaktor wurde von einem Trailer gekitzelt, in dem der Protagonist durch Neon erleuchtete Straßenzüge läuft. Kein Wunder, immerhin hat man die Romanvorlage mit dem Philip K. Dick Award für Science-Fiction ausgezeichnet.

Eine preisgekrönte Vorlage kombiniert mit einem gewaltigen Budget und einer Pilotfolge von Miguel Sapochnik (Battle of the Bastards – Game of Thrones), das alles schreit nach einem Sieg auf ganzer Linie. Doch so ganz warm geworden, bin ich mit Altered Carbon bisher nicht.

Altred Carbon - Das nächste Blade Runner? ©Netflix
Altered Carbon – Das nächste Blade Runner? ©Netflix

Reicher als Gott

Der Protagonist von Altered Carbon ist Takeshi Kovacs, der zum Beginn der Handlung von einer Spezialeinheit erschossen wird. Sein Tod ist dabei viel mehr eine Unannehmlichkeit, als eine Tragödie. Denn in der Welt von Altered Carbon wird der Geist bzw. Verstand eines Menschen, als eine Datei, auf einem Chip in dessen Nacken gespeichert. Die Datei kann problemlos von Körper zu Körper übertragen werden, welche damit zu austauschbaren Hüllen degradiert werden.

Damit eröffnet sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, wenn man das Geld dafür hat. Interstellares Reisen mit der Geschwindigkeit eines Fingerschnippens und Unsterblichkeit in optimierten Hüllen zählen zum “Must Have” der Reichen und Schönen. Ein derart Wohlhabender ist es auch, der Kovacs zurück ins Leben holt.

Eine der Hüllen von Laurens Bancroft wurde in seinem Arbeitszimmer getötet. Bancroft fehlen alle Erinnerungen an seinen Tod und nun braucht er jemand, der herausfindet, wer der Täter war und wer es auf ihn abgesehen hat. Da die Jahrhunderte Bancroft verwöhnt und exzentrisch gemacht haben, verpflichtet er den berüchtigten und vor 250 Jahren als Terroristen verurteilten Kovacs in der Sache zu ermitteln.

Takeshi Kovacs und Vernon Elliot auf dem Weg durch die überfüllten Straßen der Stadt. ©Netflix
Takeshi Kovacs und Vernon Elliot auf dem Weg durch die überfüllten Straßen der Stadt. ©Netflix

Das große Ganze

In ihrem Kern ist Altered Carbon also eine Detektivgeschichte. Doch diese wird durch Flashbacks aus Kovacs altem Leben immer wieder aufgebrochen. Vor seinem Tod war Kovacs an einem Aufstand gegen die interstellare Regierung, das Protektorat, beteiligt. Aber auch schon vor seiner Zeit als Rebell war er ein ausgebildeter Killer. Während des Fortschreitens der Handlung fügen sich der Fall, die Flashbacks und Kovacs Familiengeschichte zu einem größeren Bild zusammen.

Nebenfiguren wie die engagierte Polizistin Kristin Ortega, die Hotel-KI Poe und der Ex-Marine Elliot bringen zudem ihre eigenen Handlungsstränge mit. Da diese Handlungsstränge allerdings alle parallel stattfinden und Mosaiksteinchen für das große Finale sind, ist es teilweise etwas mühsam alles im Auge zu behalten.

Hier lag auch mein Hauptproblem mit Altered Carbon. Die Serie ist absolut nichts für zwischendurch. Wer nicht die Kraft aufbringt sich zu konzentrieren, dem geht schnell etwas im Wust der Erzählstränge verloren. In meinem Fall wusste ich bis zur Auflösung am Ende, lange überhaupt nichts mit dem Todesfall einer blonden Prostituierten anzufangen.

Kulissen und Kostüme

Visuell merkt man Altered Carbon sein hohes Budget durchgängig an. Die Kulissen wirken meist sehr futuristisch und transportieren eine Cyberpunk-Dystopie. Nur selten gab es Ausreißer. Die Welt der Normalbürger sieht dunkel aus, wirkt geradezu heruntergekommen. Die Bewohner tragen wetterfeste Kleidung, um sich vor ihrer Umwelt zu schützen. Hier durchstreift Kovacs von Elend geprägte Slums.

Laurens Bancrofts Welt ist das komplette Kontrastprogramm. Sein Anwesen erhebt sich über den Wolken und seine weißen Hallen haben tagsüber geradezu etwas Lichtdurchflutetes. Diese Welt ist dominiert von hellen Tönen, sowohl was das Invetar der Einrichtung angeht, als auch bei der edlen Kleidung ihrer Bewohner.

Das Handlungselement um den fortwährend möglichen Körpertausch sorgt dafür, dass manche der Rollen mit mehreren Schauspielern besetzt sind. So wird der Held Takeshi Kovacs in den Flashback-Szenen von Leonardo Nam (Westworld) gespielt, während er in der Gegenwart von Joel Kinneman (Narcos, Suicide Squad) verkörpert wird.

Die Rebellengruppe Envoy trainiert versteckt in den Wäldern von Kovacs Heimatwelt. ©Netflix
Die Rebellengruppe Envoy trainiert versteckt in den Wäldern von Kovacs Heimatwelt. ©Netflix

Ton und Bewegung

Die Klangkulisse ist passend gestaltet und nie aufdringlich. Manche Szenen warten mit Cover- und lizenzierten Songs auf. So gibt es im Staffelfinale The Future Starts Slow von The Kills auf die Ohren, einen meiner Lieblingssongs.

Actionsequenzen sind schnell geschnitten und warten hin und wieder mit Slow-Motion-Effekten auf. Auch wenn lange, in wenigen Einstellungen gedrehte Sequenzen Marke John Wick fehlen, merkt man den Kämpfen eine zugrunde liegende Choreographie an.

Gebrochene Erwartungshaltung

Dank der Previews habe ich Altered Carbon in der Erwartung geguckt, eine Art Blade Runner im Serienformat zu erleben. Diese Erwartung wurde enttäuscht – was allerdings nichts Schlechtes ist. Die Serie spielt zwar im selben Science-Fiction Genre und mit ähnlichen Themen, wie dem Wert des Lebens, Entmenschlichung und Entfremdung, wandelt aber auf anderen Pfaden.

Altered Carbon erforscht menschliche Abgründe, ja sogar Perversion, sehr viel stärker als das philosophischere und melancholischere Blade Runner. Interstellare Konflikte und Ränkespiele tragen große Rollen. Wenn ich Altered Carbon einordnen müsste, dann in der Mitte zwischen Blade Runner und The Expanse.

Der rote Faden der Serienhandlung verschwindet hin und wieder hinter der Handlungsfülle und in Kovacs Erinnerungen. Dadurch wirkt die Narrative manchmal ziellos bis überladen und erschwert es dem Zuschauer ihr zu folgen. Dennoch findet am Ende alles an seinen Platz.

Altered Carbon ist also eine starke SciFi Serie mit Macken. Obwohl sie mein Herz nicht im Sturm erobern konnte, so möchte ich mehr von Takeshi Kovacs Welt sehen. Ein zweites Durschauen der ersten Staffel ist also fest eingeplant.

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