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Blau ist eine warme Farbe

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Das französische Drama Blau ist eine warme Farbe (2013) um eine lesbische Liebesgeschichte begeisterte die Kritiker in Cannes, sorgte aber durch explizite Sexszenen für Kontroversen.

Titel Blau ist eine warme Farbe
Jahr 2013
Produktionsland Frankreich
Regie Abdellatif Kechiche
Drehbuch Abdellatif Kechiche, Ghalya Lacroix
Genre Drama, Romanze
Darsteller Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Aurélien Recoing
Länge 177 Minuten
FSK ab 16 Jahren freigegeben
Verleih Alamode Film
Filmplakat von Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film
Filmplakat von Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film

Handlung

Die 15-jährige Adèle ist auf der Suche nach ihrer Sexualität und Identität. Nach ein paar weniger nachhaltigen Begegnungen lernt sie die deutlich reifere und selbstbewusstere Kunststudentin Emma kennen, zu der sie sich sofort hingezogen fühlt.

Emma ist fortan nicht nur ihre Partnerin, sondern auch gewissermaßen eine Mentorin, die Adèle hilft, mit der Welt, aber auch mit sich selbst, zurechtzukommen.

Später zeigt der Film dann die erwachsene(re) Adèle, die ihre Identitätsfindung jedoch offensichtlich noch nicht abgeschlossen hat und ihre Beziehung mit Emma.

Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux lernen sich als Adèle und Emma kennen in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film
Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux lernen sich als Adèle und Emma kennen in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film

Hintergrund

Der Film basiert auf einem französischen Comic von Julie Maroh. Während der deutsche Titel den des Comics übernimmt, lautet der Originaltitel des Films “La vie d’Adèle, chapitres 1&2“. Da die Figur Adèle in der Vorlage jedoch Clémentine heißt, verschleiert der Originaltitel die Verbinung zum Comic ein wenig. Autorin Maroh kritisierte den Film wegen der diversen Sexszenen.




Blau ist eine warme Farbe als Überraschungshit der Festspiele von Cannes 2013

Das französische Drama begeisterte die Kritiker bei seiner Premiere in Cannes im Mai 2013 und gewann dort die Goldene Palme.

Der sowieso schon kontrovers aufgenommene Film um eine lesbische Liebesgeschichte inklusive ausführlicher Sexszenen erschien zudem zurzeit einer politisch sehr angespannten Debatte um die gleichgeschlechtliche Ehe und heizte die Demonstrationen zusätzlich an.

Für Aufruhr sorgten auch die Berichte der beiden Hauptdarstellerinnen, die sich über die harten Arbeitsbedingungen und den schwierigen Umgang mit Regisseur Kechiche beklagten. Beide gaben an, keinen weiteren Film mit Kechiche drehen zu wollen.

 

Kritik

Die dreistündige Laufzeit wird einem nicht als solche vorkommen. Während einige den Film wohl als ziemlich zäh beschreiben, vergeht für viele die Zeit bei diesem intensiven Werk wie im Flug.

Adèle Exarchopoulos als neugierige Adèle in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film
Adèle Exarchopoulos als neugierige Adèle in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film

Dabei spielt Kechiches Regie und gerade auch die exzellente Kameraarbeit die entscheidene Rolle. So ist die Kamera über quasi die gesamte Laufzeit extrem nah am Geschehen und an den Figuren. Dadurch wird eine unwahrscheinliche Nähe zu den beiden Hauptfiguren, gerade zur titelgebenden Adèle geschaffen. In Verbindung zu der zeitlich genau richtig abgeschätzten Ausreizung von einzelnen Einstellungen und Szenen entfaltet der Film eine tolle Intensität und Sogwirkung, sodass man sich für fast jede einzelne Sequenz begeistern kann.

Der Zuschauer begleitet in der ersten Hälfte in einer Coming-of-Age Geschichte die noch 15-jährige Adèle bei der Entdeckung der eigenen Sexualität(en) und der Suche nach der eigenen (sexuellen) Identität. Die wunderbare Hauptdarstellerin Adèle Exarchopoulos verleiht der gleichnamigen Hauptfigur dabei eine herrlich unschuldige Unsicherheit, aber auch eine aufgeweckte, nervöse Neugier. Der Zuschauer merkt schnell: Adèle ist anders als ihre Mitschüler, ohne dabei jedoch als Außenseiter deklariert zu werden.

Nach der ersten sexuellen Erfahrung mit einem Jungen von ihrer Schule stellt Adèle fest, dass dies in mehrerer Hinsicht wenig erfüllend war – so hat Adèle nicht nur andere Interessen und Sichtweisen als ihre gleichaltrigen Mitschüler, sondern träumt nachts von sexuellen Begegnungen mit einer unbekannten Frau mit blauen Haaren, welche ihr in einem Park aufgefallen ist.

Léa Seydoux als selbstbewusste Emma in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film
Léa Seydoux als selbstbewusste Emma in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film

Der kontroverse Höhepunkt in Blau ist eine warme Farbe

Wenn sie jene Frau, die selbstbewusste Emma (Léa Seydoux) kennenlernt, zeigt sich Adèles Wesen nochmals wunderbar spürbar. Dank der nahen Kamera, die teilweise am Rande des Voyeurismus und der Fetischisierung wandert – jedoch immer im Auftrag der Figurentiefe bleibt, spürt der Zuschauer in den vorsichtigen Blicken Adèles jederzeit den Kampf von Zurückhaltung und Begierde, von Unsicherheit und Neugier, von Unschuld und einer kessen, frechen Herausforderung und letzlich zeigen diese Blicke auch den Übergang eines jungen Mädchens zu einer jungen Frau.

Wenn es dann (zum ersten Mal) zum Sex zwischen Adèle und Emma kommt, inszeniert Kechiche dies zu Recht ausführlich und explizit, denn so kommt jener Moment, gerade im Vergleich zur anfänglichen Sexszene mit dem jungem Mann, die in der Länge, Inszenierung und Intensität nicht zu vergleichen ist, einer monumentalen Befreiung gleich. Nicht nur der Sexualität und tatsächlichen Erfahrung von wirklicher Lust, sondern auch der gesamten Identität. Somit ist die von vielen Seiten, gerade für die Länge und Explizität, kritisierte Sexszene nicht nur absolut legitim, sondern auch unerlässlich für die derartige Figurenentwicklung und -tiefe Adèles.

Adèle und Emma kommen sich näher in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film
Adèle und Emma kommen sich näher in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film

So bildet sie den Knackpunkt in der Entwicklung von Adèle und hält die beiden Kapitel unweigerlich zusammen. Wenn Adèle mit Emma Arm in Arm an Demonstrationen teilnimmt, zeigt sich erstmals wirklich eine richtige Selbstakzeptanz, während sie sich vorher oftmals ein wenig genierte und verloren vorkam.

Dem Film gelingt es allerdings auch, die gleichgeschlechtliche Beziehung nicht zu glorifizieren, sondern zeigt die Beziehung eben wie eine jede andere: mit Krisen und Scheiterungspotenzial.

 

Fazit

Regisseur Abdellatif Kechiche erzählt in Blau ist eine warme Farbe nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern erzählt auch mit äußerstem Feingefühl eine Geschichte vom Erwachsenwerden und der damit einhergehenden Frage und Suche nach der eigenen Identität. Dabei gelingt ihm ein berührendes Psychogramm Adèles, die von Darstellerin Adèle Exarchopoulos toll verkörpert wird.

Adèle blüht auf in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film
Adèle blüht auf in Blau ist eine warme Farbe ©Alamode Film

Das Ganze ist in wunderbaren Bildern verpackt, die das Publikum in Adèles Welt eintauchen lässt. Wenn man sich dabei zu sehr auf die Kontroversen fokussiert, wird man einiges verpassen.

 

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© Alamode Film

1 KOMMENTAR

  1. Fand ihn auch eher zäh, wie du ja zugestehst. Zudem waren die Zeitsprünge darin für mich nicht so schnell und gut als solche zu erkennen. Wirkte alles etwas sprunghaft, episodenhaft und dadurch zerfaserte für mich die Entwicklung etwas. Im Endeffekt wird eine typische Liebesgeschichte überlang erzählt. Dennoch fand ich den Film weitestgehend solide. Die Bilder und die Schauspielerinnen sind natürlich einfach herrlich.

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