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Cloud Atlas – Der Wolkenatlas

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Mit wuchtigen Bildern will das ambitionierte Kinoabenteuer Cloud Atlas so viel mehr sein und versinkt dabei im selbstgestrickten philosophischen Pulli, der ihm viel zu groß ist.

TitelCloud Atlas
Jahr2012
ProduktionslandDeutschland, USA, China, Singapur
Regie und
Drehbuch
Tom Tykwer, Andrew Wachowski,
Lana Wachowski
MusikTom Tykwer, Johnny Klimek,
Reinhold Heil
GenreScience fiction, Drama
DarstellerTom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, David Gyasi, Susan Sarandon, Hugh Grant
Länge172 Minuten
FSKAb 12 Jahren freigegeben
VerleihX-Verleih / Warner Bros.

PLOT

Szenenbild Cloud Atlas 09
Am Strand in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih

Die Literaturverfilmung zeigt sechs Zeitabschnitte in denen sechs Geschichten in völlig unterschiedlichen Filmgenres präsentiert werden.
1849: Ein amerikanischer Anwalt auf hoher See, der die Schrecken des Sklavenhandels kennenlernt. 1936: Ein junger Komponist, mit dessen Hilfe ein alterndes Genie ewigen Ruhm erlangen könnte. 1973: Eine aufstrebende Journalistin, die eine Atom-Intrige enthüllt. 2012: Ein Verleger, der in einem Altersheim erkennt, was Freiheit bedeutet. 2144: Eine geklonte Kellnerin, die ihre Wirklichkeit verändert. 2321: Ein Sonderling, der sich in einer post-apokalyptischen Welt gegen übernatürliche Kräfte stellt.

FILM

1936: Ben Whishaw
1936: Ben Whishaw in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih

Ähnlich wie in der Romanvorlage, erzählt die Verfilmung ihre jeweilige Geschichte bis zu einem gewissen Punkt, um sie dann abzubrechen und zu nächsten Geschichte zu wechseln.  Ein einschneidener Unterschied Roman ist, die Vorlage hat das jeweils nur einmal gemacht. Die Handlungen wurden im Buch zur Hälfte erzählt, um Spannung aufzubauen und wechselten dann zur nächsten. Im Film Cloud Atlas wird andauernd zwischen den Erzählebenen hin und her geswitcht. Anfangs hat mich das irritiert und später genervt. Vermutlich sollte es einen dramaturgischen Effekt erzielen. ich habe das als nervig empfunden.

Susan Sarandon und Jim Broadbent in der Gegenwart in "Cloud Atlas"
Susan Sarandon und Jim Broadbent in der Gegenwart in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih

Die Inszenierungen selbst unterscheiden sich auch sehr. Das meine ich nicht nur stilistisch. Tom Tykwer inszenierte für den Zuschauer ein Drama (1936), einen Blaxploitation-Krimi (1973) und eine Seniorenkomödie (2012).  Diese sind von souverän bis sehenswert geworden. Tykwer spielt mit den Mitteln. Bei der Geschichte des Komponisten des titelgebenden Cloud Atlas,  lässt er die Kamera ziemlich distanziert walten. Im Krimi ist die Bildsprache forsch und dynamisch. Hingegen haben haben die Wachowski Geschwister ihre Arbeiten (1849 – Historienschinken; 2144 – SF-Movie; 2321 – Dystopie) sehr actionlastig und ohne Tiefe in Szene gesetzt. Während inhaltich die 2144 Episode so manchen an Soylent Green erinnern mag, sieht für mich Optik und Szenerie wie ein MashUp zwischen Matrix und Blade Runner aus. Auf das endzeitliche 2321 der Wachowskis mag ich nicht näher eingehen. Es ist einfach nur schlecht.

MEINUNG

Cloud Atlas will auf die große philosophische Nummer hinaus. Einerseits wird auf das Thema Reinkarnation und Seelenwanderung deutlich angespielt. Innerhalb der Geschichten gibt es lose Verbindungen zueinander (ein Buch, ein Muttermal, eine Symphonie etc), obwohl es eigenständige Storys sind. Anderereseits wird die Frage nach der Beeinflussung des Karma aufgeworfen und ob kleine Abweichungen im Laufe der Entwicklungen langfristig ein ganzes System unvorhersagbar verändern können (→Schmetterlingseffekt). Zwischendrin agieren Figuren indem eine vollenden muss, was die andere Verkörperung zu anderer Zeit begonnen hat oder deren begangene Fehler wiedergutmachen (→Karma).

Hugh Grant in endzeitlichen 2321 in "Cloud Atlas".
Hugh Grant in endzeitlichen 2321 in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih

Die Idee, die Darsteller in wechselnden Rollen auftauchen zu lassen ist sehr löblich. Allerdings funktioniert sie nicht immer. Bestes Beispiel → 2144: Westliche Darsteller als Asiaten schminken hat was von Vulkaniern einer uns allen bekannten SF-Serie. Umgekehrt dasselbe (siehe → 1849), wenn Bae Donna als Südstaaten-Schönheit verkauft wird und auf mich wie ein kränklicher Albino wirkt. Das wird nur von Hugo Weavings Auftritt als Krankenschwester getoppt, der mich schwer an Travestie-Theater erinnert. Make-Up kann nicht alles vertuschen! Immerhin bei den Darstellern glänzt der Film mit Jim Broadbent und Ben Whishaw.

2144: Doona Bae als Klon in "Cloud Atlas".
2144: Doona Bae als Klon in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih

Wenn es nicht so offensichtlich wäre, das Cloud Atlas so viel mehr sein will, könnte man noch sagen, das es ein ambitioniertes Kinoabenteuer ist. Schließlich wird mit wuchtigen Bildern und satten Farben sechs Filme in einem präsentiert.  Aber Cloud Atlas bleibt nicht bei einem interessanten und unterhaltsamen Erzählkonzept, sondern suggeriert mir als Zuschauer seine ganz persönliche Pseudo-Philosphie zum Thema. Ohne Hintergründigkeit löst das bei mir einen faden Beigeschmack aus.  Aus dem pompösen Ansatz wird ein wilder esoterischer Ritt, dessen Motive und Message sich von der Vorlage unterscheiden und im spektakulärem Budenzauber endet.

Der Film Cloud Atlas täuscht Komplexität und einen tieferen Sinn vor. Seine Metaphern entpuppen sich aber als Mogelpackung. Relativ unterhaltsam, wenn man sich an die Erzählweise gewöhnt hat und den plumpen New-Age Gedanken ignorieren kann.

 

Seoul im zukünftigen 2144 in "Cloud Atlas"
Seoul im zukünftigen 2144 in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih
Halle Berry und Keith David im Jahr 1973 in "Cloud Atlas".
Halle Berry und Keith David im Jahr 1973 in “Cloud Atlas”. ©X-Verleih

 

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

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Ausstattung/Schauplätze
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©X-Verleih/ Warner Bros.

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Oliver Hoppe ist als Autor bei movicfreakz.de tätig. Er wurde auf diesen Planeten gebeamt um seine Meinungen abzusondern und ist ein leidenschaftlicher Filmfreund. „Filme [...] bedeuten für mich zuerst und vor allem, eine Geschichte zu erzählen. Diese Geschichte darf unwahrscheinlich, aber sie darf nie banal sein.“ (Alfred Hitchcock). Er besucht regelmäßig die Lichtspielhäuser vor Ort, lässt das lineare Fernsehen links liegen und suhlt sich im Video On Demand Getümmel. Ganz im Sinne von Wundermax (The Princess Bride) meint er: "Bei einer nicht gelungenen Produktion besteht ein großer Unterschied zwischen 'Zum größten Teil kacke' und 'Ganz kacke'."

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