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Das finstere Tal

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Das finstere Tal ist ein Alpenwestern mit Sam Riley, Tobias Moretti und Clemens Schick. Wir finden, dass deutschsprachiges Genrekino selten so gut war. Lest hier unsere Rezension zum atmosphärisch beeindruckenden Western.

TitelDas finstere Tal
Jahr2014
ProduktionslandÖsterreich, Deutschland
RegieAndreas Prochaska
DrehbuchAndreas Prochaska, Martin Ambrosch
GenreWestern, Drama
DarstellerSam Riley, Paula Beer, Tobias Moretti, Helmuth Häusler, Martin Leutgeb, Carmen Grati, Thomas Schubert, Clemens Schick
Länge115 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihX Verleih AG
Plakat - Das finstere Tal © X Verleih AG
Plakat – Das finstere Tal © X Verleih AG

Zitat Luzie

“Es gibt Sachen, über die darf man ned reden. Sachen, die früher passiert sind. Vor langer Zeit. Aber dass man ned drüber reden darf, des heißt ned, dass man’s je vergessen kann. Es gibt nämlich Sachen, die lassen sich nie mehr vergessen.”

Handlung

Ende des 19. Jahrhunderts wird ein kleines, in den Alpen gelegenes Bergdorf von Angst und Unterdrückung beherrscht. Die sechs Söhne des patriarchalen Bauern namens Brenner kontrollieren das Dorf und gehen notfalls mit harter Hand vor. Doch reitet plötzlich ein Unbekannter im Dorf ein. Der junge Greider (Sam Riley) lebte in den USA und hat eine deutsche Mutter. Er ist auf der Suche nach einem Quartier für den Winter auf einem abgeschiedenen Hof, auf dem Luzi mit ihrer Mutter wohnt.

Sam Riley in Das finstere Tal © X Verleih AG
Sam Riley in Das finstere Tal © X Verleih AG

Aufgrund seiner geheimnisvollen Art wird er besonders von der Brennerfamilie kritisch beäugt. Scheinbar ist diese Skepsis nicht unbegründet, denn ihn umgibt ein gefährliches Geheimnis.

Deutschsprachiges Genrekino, das seinesgleichen sucht.

Das finstere Tal basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann und ist ein österreichisch-deutscher Neo-Western. Genau genommen handelt es sich um einen Genremix aus Western und Heimatfilm. Diese Mischung mag echt skurril klingen, entpuppt sich aber als ein geniales Rezept. Gedreht wurde im italienischen Schnalstal.

Bei Heimatfilmen, die in den Alpenregionen spielen, sehen jetzt wahrscheinlich viele von euch Heidi über eine Wiese springen. Doch damit liegt ihr vollkommen daneben. Schon nach wenigen Bildern wird klar, dass in Das finstere Tal ein Setting gewählt wurde, welches kaum zu toppen ist. Ein kleines hochgelegenes Dorf, umringt von noch höheren Bergen, tiefen Wäldern und dichtem Nebel, bietet eine perfekte Kulisse für dieses beklemmende Rachedrama. Dazu noch das triste Wetter, bestehend aus Regen, Schnee und Kälte, welches die volle bedrückende Härte des Lebens der Menschen perfekt widerspiegelt.

Greider (Sam-Riley) vor einem der vielen beeindruckenden Bergpanoramen © X Verleih AG
Greider (Sam-Riley) vor einem der vielen beeindruckenden Bergpanoramen © X Verleih AG

Das finstere Tal überzeugt durch unkonventionelle stilistische Mittel

Etwas gewöhnungsbedürftig hingegen ist der österreichische Dialekt, der hier gesprochen wird. Ich muss zugeben, dass ich den Film vor ein paar Jahren schon einmal nach fünf Minuten abgebrochen hatte, da ich kaum ein Wort verstand. Da ich aber immer wieder Empfehlungen zum Film bekommen habe, beschloss ich einen erneuten Versuch zu starten.

Ich weiß nicht genau, ob ich damals noch einen anderen Filmgeschmack in mir trug, aber, wie oben bereits angedeutet, wusste ich nach wenigen Szenen, dass mir der Film definitiv gefallen wird. Visuell wird sofort gezeigt, was man erwarten darf. Allein die Dorfbewohner sind durch die Maske so authentisch in Szene gesetzt worden, dass man sich komplett auf den Film einlassen und förmlich darin versinken kann.

Auch die Sprache störte mich nur bedingt. Zum einen würde ein klares Hochdeutsch dem Film jegliche Authentizität rauben und zum anderen muss man auch gar nicht jedes Wort im Film verstehen, um der Handlung folgen zu können. Wem das immer noch nicht reicht, der kann dann auch immer noch die Untertitel aktivieren. Mal ganz abgesehen davon, dass unsere bayrischen Freunde und natürlich auch die Österreicher keine Probleme damit haben sollten.

Sam Riley überzeugt mit vielschichtigem Spiel

Schauspielerisch bekommt der Zuschauer auch einiges geboten. Sam Riley liefert eine starke Vorstellung ab. Vom zurückhaltenden Bürschchen wandelt er sich vor unseren Augen in brillant gemächlichem Tempo zum brutalen Mörder und verkommt durch teils überzogene Gewalt für manche sicher sogar zum Antihelden.

Edi Brenner (Florian-Brueckner) und Hans Brenner (Tobias-Moretti) in Das finstere Tal © X Verleih AG
Edi Brenner (Florian-Brueckner) und Hans Brenner (Tobias-Moretti) in Das finstere Tal © X Verleih AG

Tobias Moretti als Hans Brenner zeigt sich von einer ungewohnt düsteren Seite, die ihm viele sicher nicht zugetraut hätten. Paula Beer als Luzi Gader beeindruckt ebenfalls. In kleineren Nebenrollen sehen wir u.a. Clemens Schick und Martin Leutgeb als bitterböse Brenner-Söhne.

Die Suche nach Kritikpunkten erweist sich als schwierig. So mancher wird sich, wie gesagt, etwas am Dialekt stören und man hätte den Plot Twist evtl. etwas mehr verzögern können. Aber das ist eben alles Geschmackssache.

Das Einzige, was ich wirklich zu bemängeln habe, ist die Darstellung der Brennerfamilie. Damit meine ich keinesfalls die Rollen oder die Schauspieler. Ganz im Gegenteil, das sind harte fiese Typen, die genial verkörpert werden. Aber leider widmet der Film der Familie etwas zu wenig Zeit. Daher wird an dieser Stelle etwas Potenzial verschenkt. Die Charakterzeichnungen der Familie hätten hervorragend weiter ausgeschmückt werden können. Schauspieler und Charaktere wären dafür allemal da gewesen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Fazit

Das finstere Tal ist ein Film, der durch seine unkonventionelle Art und Weise und vor allem auch audiovisuell überzeugt. Wer denkt, deutschsprachiges Genrekino sei schwach oder gar tot, der kann sich hier vom kompletten Gegenteil überzeugen. Ein hartes schonungsloses Meisterwerk mit düsterer und dichter Atmosphäre.

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© X Verleih AG

5 KOMMENTARE

  1. Vor allem hinten raus ein guter Film, wenn endlich klar wird, was genau hier gespielt wird. Zu Beginn ist der Film schon ziemlich langsam und braucht etwas Sitzfleisch.

  2. Der Film ist wirklich grandios. Zwar übertreibt er es an manchen Stellen etwas mit der Filmmusik; da wäre weniger manchmal mehr, aber ansonsten stechen vor allem die grandiosen Charakterköpfe hervor, vor allem Moretti ist wieder mal Oberklasse – aber auch sonst schaut das Teil aus wie ein Spaghettiwestern in Alaska. Nicht missverstehen, das Biest hier ist weit weg von einem solchen Italowestern, sondern ich meine wirklich Einstellungen bezüglich der Gesichter erinnern einen daran, markant, kantig, rauh, naturbelassen. Der Film ist eine sehr schwermütige Rachestory, langsam und völlig entschleunigt erzählt, was gerade die Geschichte an manchen Stellen schon mystisch-surreal erscheinen lässt. Wunderbar fotografiert und mit einem noch schwermütigeren Soundtrack. Es ist übrigens kein deutschersprachiger Western, sondern ein österreichischer. 😉 Das hört man in dem Film auch gut bzw. als Hochdeutscher schon eher schlecht!

  3. Vielen Dank Benny. Eine erstklassige Rezension, knackig geschrieben. Ohne deinen Text hätte ich diesen Film nicht auf dem Schirm gehabt. Jetzt hab ich richtig Bock drauf.

  4. Wollte mir diesen Streifen schon vor langer Zeit mal geben. Hatte ihn aber immer wieder aus dem Blickfeld verloren, da deutsche Filme leider keine große Beachtung zu bekommen scheinen. Vielleicht jetzt mal- hoffe der läuft auf Amazon Prime.

  5. Danke Benjamin, gut geschrieben! Wem dieser Film gefallen hat, sollte sich auch mal „Schwabenkinder“ oder „Schlafes Bruder“ ansehen.

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