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Ein bedrückender Film über die Unruhen in Detroit 1967, der unter die Haut geht. Polizeibrutalität, Rassismus und sich Bahn brechende Gewalt. Alles wird hautnah gezeigt, ohne etwas zu beschönigen. Für mich der verstörendste Film seit Jahren.

TitelDetroit
Jahr2017
ProduktionslandUSA
RegieKathryn Bigelow
DrehbuchMark Boal
GenreDrama, Thriller
DarstellerJohn Boyega, Will Poulter, Algee Smith, Jason Mitchell, John Krasinski, Anthony Mackie, Kaitlyn Dever, Samira Wiley, Hannah Murray, Jack Reynor
Länge 144 Minuten
FSK Ab 12 Jahren freigegeben
Verleih Concorde Filmverleih
Filmplakat von "Detroit" by Concorde Filmverleih
Filmplakat von “Detroit” by ©Concorde Filmverleih

Story

USA, Sommer 1967 – die wachsenden politischen und sozialen Unruhen erreichen ihren Höhepunkt in den Großstädten, wo die afroamerikanische Gemeinschaft seit jeher mit systematischer Diskriminierung sowie hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Die Eskalation des Vietnamkriegs sowie jahrzehntelange Ungleichheit und Unterdrückung fordern ihren Tribut und entladen sich in den Bürgerrechtsaufständen in Detroit.

Als zwei Tage nach Beginn der Rebellion auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia. Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen – in Isolation sollen sie durch Einschüchterung zum Geständnis gedrängt werden. Das lebensbedrohliche Machtspiel eskaliert und bringt schwerwiegende Folgen mit sich…

Aufstand in "Detroit" by Concorde Filmverleih
Aufstand in “Detroit” by ©Concorde Filmverleih

Cast

“Melvin Dismukes” ist ein Afroamerikaner, der als Schweißer arbeitete. Er wurde Mitglied einer zugelassenen Gewerkschaft und jobbte nebenbei als Wachmann. Dismukes versuchte in jener Zeit deeskalierend zu wirken und brachte so die schwarze Community gegen sich auf und auch die Justiz hatte es auf ihn abgesehen. Er wird gespielt vom “Rising Star Award” (2016) Gewinner John Boyega, den die meisten wohl aus den neuen Star Wars Filmen kennen. Weiterhin sieht man ihn in “The Circle” oder in “Attack the Block”.

Den Polizisten “Philip Krauss” verkörpert Will Poulter. Auf dessen Kappe geht die “Todesspiel”-Befragung der Motelgäste. Er verunsichert seine Kollegen so sehr, dass diese bereitwillig mitmachen. “Krauss” basiert auf keiner realen Person, sondern steht vielmehr stellvertretend für das in Zeugenberichten belegte Verhalten der Polizisten, die damals in die Vorfälle verwickelt waren. Poulter gewann ebenfalls den “Rising Star Award” (2014) und auch einen MTV Award. Zu sehen ist er unter anderem in “The Revenant – Der Rückkehrer”, “Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth” und “Wir sind die Millers”.

“Du wirst niemals darüber sprechen.”

Algee Smith spielt “Larry Reed”, den damaligen Sänger der aufstrebenden R&B Gruppe “The Dramatics”. Dieser sucht zusammen mit seinem Freund Unterschlupf im Algiers Motel um dort den Unruhen aus dem Weg zu gehen. Smith ist Sänger, Rapper und Schauspieler. Kürzlich war er als Popstar in dem TV-Dreiteiler “The New Edition Story” (2017) zu sehen. Zu seinen weiteren Rollen gehören Auftritte in der Disney-Produktion “Earth to Echo – Ein Abenteuer so gross wie das Universum”. Als Sänger trat er bereits an legendären Orten wie dem Madison Square Garden oder der Cobo Arena auf.

Jason Mitchell steht als der 19-jährigen “Carl Cooper” vor der Kamera. Dieser ist aufbrausend, angetrunken und leichtsinnig. Er schießt mit einer Schreckschusswaffe aus dem Fenster, was die Polizei und Armee anrücken lässt. Diese vermuten einen Sniper im Hotel. Mitchell sorgte als “Eazy-E” in “Straight outta Compton” für weltweites Aufsehen. Für die Rolle wurde er u.a. von der African-American Film Critis Association als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Anschließend konnte man ihn in “Kong: Skull Island” sehen.

John Boyega als "Dismukes" in "Detroit" by Concorde Filmverleih
John Boyega als “Dismukes” in “Detroit” by ©Concorde Filmverleih

Schauplätze

Ursprünglich sollte alles in Detroit gedreht werden, doch als die Stadt die Steuervorteile für Filmproduktionen strich, wurde ein Dreh dort finanziell unhaltbar. Also musste Boston und Umgebung als Kulisse herhalten. Für eine Woche kehrte das Team dann doch nach Detroit zurück um Außenaufnahmen und weiteres Material zu filmen.

Will Poulter als "Krauss" in "Detroit" by Concorde Filmverleih
Will Poulter als “Krauss” in “Detroit” by ©Concorde Filmverleih

Form

Gedreht wurde im Stil einer Dokumentation. Einige Cinéma Vérité Ansätze sind zu erkennen. Die Kamera steht oft mitten im Geschehen und ist hautnah dabei. In “Detroit” erzeugt Kameramann Barry Ackroyd eine erschreckend realistische und beklemmende Atmosphäre.

Der Flur in dem verhört wurde, wurde so gleichmäßig ausgeleuchtet, dass es möglich war ständig mit mehreren Kameras zu filmen ohne den Dreh zu unterbrechen.

Um das Detroit des Sommers von 1967 wiederauferstehen zu lassen, suchte Bigelow die Hilfe von Produktionsdesigner Jeremy Hindle. Dieser durchforstete Archive der Fotoagentur “Magnum” und ähnlichen.

Die größte Herausforderung war der Nachbau des “Algier Motel” samt Nebengebäuden, welche zwischenzeitlich abgerissen wurden. Man fand zwar ein Motel an ähnlicher Stelle, musste jedoch jede Tür, jeden Griff und jedes Schild tauschen. Das Nebengebäude ist ein Pfarrhaus, welches eine erstaunliche Ähnlichkeit zum Original aufweist.

Für die Musik im Stile des “Motown-Sound” zeigt sich James Newton Howard verantwortlich.

Anthony Mackie als "Greene" in "Detroit" by Concorde Filmverleih
Anthony Mackie als “Greene” in “Detroit” by ©Concorde Filmverleih

Hintergrund

Um den Film so nah an der Realität zu halten, wie möglich, interviewten Boal und sein Recherche-Team Dutzende Beteiligte. Von schwarzen Anwohnern bis zu Polizisten und Armeeangehörigen.

Darüber hinaus fungierten Larry Reed, Melvin Dismukes und Julie Ann Hysell als beratende Zeitzeugen. Sie halfen dabei aus unterschiedlichen Perspektiven ein komplexes Bild der damaligen Ereignisse zu bekommen.

Will Poulter, der den brutalen, weißen Polizisten “Philip Krauss” spielt, brach während des Drehs in Tränen aus, weil er die Verhör-Szenen nicht länger ertragen konnte.

Auch die Schauspieler, welche die Befragten spielten, hielten es zeitweise kaum aus, dem Druck und den Schreien ausgesetzt zu sein.

Algee Smith als "Larry" in "Detroit" by Concorde Filmverleih
Algee Smith als “Larry” in “Detroit” by ©Concorde Filmverleih

Genre & Fazit

Mit “Detroit” schickt der “Concorde Filmverleih” kurz nach “Suburbicon” den zweiten Film ins Rennen, der das Thema Rassismus beinhaltet. Ich war sehr gespannt auf den Streifen und wie sie diese Tragödie in Szene setzen.

Alles beruht auf einer wahren Begebenheit und wurde so wahrheitsgemäß geschildert, wie nur möglich. Der Cast, der durch Improvisations-Castings ausgewählt wurde, spielt alle Szenen erschreckend eindrucksvoll und realistisch. Alle gingen hierbei an ihre Grenzen.

Auch das Setting ist dem Original so detailiert es geht nachempfunden. Man fühlt sich mitten drin, im Jahr 1967 auf den Straßen Detroits. Und auch mitten in einem der schlimmsten Verhöre dieser Zeit. Dazu trägt die brillante Kameraarbeit einen gehörigen Teil bei.

Es werden gnadenlos die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche aufgedeckt und welcher nicht nur unterschwellige, sondern auch offene Rassismus die damalige Gesellschaft durchzogen hat. Gerade jetzt, im Jahr 2017, ist dieser Film wichtiger denn je. Wir erleben in den USA eine erneute Welle von rassistisch motivierter Polizeigewalt und diverse Behörden, die ihre schützende Hand darüber halten.

Für mich ist “Detroit” der verstörendste Film seit Jahren und ich denke schon, dass ich einiges ab kann. Gegen Ende hatte ich Kopfschmerzen, mir war heiß, mein Puls raste, ich verspürte Wut, Machtlosigkeit und wollte eigentlich nur noch aus dem Kinosaal. Dennoch blieb ich fassungs- und wortlos im Sessel sitzen, bis der Abspann vorüber war. Als ich mich umsah, merkte ich, dass es mir alle anderen gleich getan hatten. Niemand sagte ein Wort. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt.

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