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Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

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Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist ein visuelles Meisterwerk.

Titel Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Jahr 2007
Produktionsland USA
Regie Andrew Dominik
Drehbuch Andrew Dominik
Genre Western, Drama, Biografie
Darsteller Brad Pitt, Casey Affleck, Zoey Deschanel, Sam Shepard, Jeremy Renner, Sam Rockwell, Garret Dillahunt, Meredtih Henderson, Ted Levine
Länge 160 Minuten
FSK Freigegeben ab 12 Jahren
Verleih Warner Bros. GmbH

Wir schreiben das Jahr 1881. Jesse James ist ein berühmter Bandit und genießt so etwas wie einen Heldenstatus als moderner Robin Hood. Comics u.ä. wurden über ihn und die James – Bande verfasst. Einer seiner großen Verehrer ist der 19jährige Robert “Bob” Ford. Über seinen älteren Bruder Charley gelingt es Bob in der Bande aufgenommen zu werden. Nach und nach gewinnt er Jesses Gunst und dieser bemerkt vor lauter Misstrauen anderen Menschen gegenüber gar nicht, wie nah sein größter Feind tatsächlich ist.

Gebrochene Seelen wollen den harten Cowboy wahren.

Regisseur Andrew Dominik geht es in Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford weniger darum einen Western mit typischen stilistischen Mitteln zu schaffen. Es gibt keine Actionszenen und auch keine wilden Schießereien. Dafür gibt es einen stimmungsgeladenes Drama mit dichter Atmosphäre. Der Film besticht nicht nur durch seine ästhetisch eingefangenen Bilder. Auch die einzelnen Charaktere hätten kaum besser inszeniert werden können. Auf der einen Seite haben wir den in sich zerrissenen Jesse James (Brad Pitt), der sich als Bandit einen Heldenstatus erarbeitet hat. Auf der Gegenseite haben wir den durchtriebenen Robert Ford (Casey Affleck). Er fühlt sich sein ganzes Leben lang ausgegrenzt und ungerecht behandelt. Seine einzige Zuflucht waren seine Comics über die James – Bande. Dementsprechent groß ist sein Interesse und Wissen über die die James-Brüder. Da er weder stark noch furchteinflößend ist, muss er seine Konkurrenten auf andere Weise ausschalten. Mit seiner List gelingt es ihm stets andere gegeneinander auszuspielen und sich irgendwie durchzuschlängeln. Hollywoodgrößen wie Sam Shepard (u.a. Mud), Sam Rockwell oder Jeremy Renner sorgen dafür, dass Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford bis in die Nebenrollen überzeugt. Auch Garret Dillahunt, Zoey Deschanel und Ted Levine wirken in kleineren Rollen mit. Nach meinem Geschmack haben wir hier einen Cast, der nicht interessanter hätte zusammengestellt werden können. Der Film versucht gar nicht erst ein Gut und Böse zu vermitteln. Denn es gibt hier einfach keine guten Menschen. Sowohl Bandenmitglieder als auch Gesetzeshüter handeln aus Egoismus und gehen dafür über Leichen. Da der Titel ja kaum Spoilergefahr zulässt, kann ich hier wohl  auch nochmal kurz das Ende des Films beschreiben, das allerdings die Zeit nach dem Mord behandelt. Also Achtung: Mini-Spoiler! Nachdem Bob Jesse in seinem Haus erschossen hat, hofft dieser nun endlich die Anerkennung zu bekommen, nach der er sein ganzes Leben gesucht hat. Doch da Jesse ja beim breiten Volk anerkannt war und die Leute Bob schnell als hinterlistigen Feigling enttarnten, bekam er statt der Anerkennung Hass und Missgunst entgegengeworfen. Wie zuvor schon bei Jesse ist nun auch bei Charley und Bob der innere Zerfall zu beobachten und wird brilliant in Szene gesetzt. Zum Ende also nochmal eine Krönung des ganzen Films, welche das schauspielerische Vermögen der Darsteller nochmal in voller Gänze aufzeigt.

Der melancholische Film Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist wahre Filmkunst

Kommen wir aber auch nochmal zur Form, da diese für mich der Hauptgrund ist den Film so zu verehren. Er versteht sich, wie bereits erwähnt, nicht als typischer Western. Zwar hat er düstere Typen, tolle Landschaftsaufnahmen und Überfälle zu bieten. Aber insgesamt möchte er viel lieber ein Drama sein und als Psychoduell verstanden werden. Lange Gespräche, die an den Großmeister Quentin Tarantino erinnern, lassen die Spannung durch die tollen Charakterdarsteller teilweise unerträglich werden. Besonders hervorzuheben sind aber Ton und Bild. Die eingespielten, andächtig wirkenden, Sounds von Nick Cave reichen bereits aus um die ruhige Erzählweise perfekt zu untermalen. Jedoch steht die Optik der Musik in nichts nach. Wechsel in verschwommene Bilder, bombastisch eingefangene Lichteinfälle und triste Landschaften verschmelzen mit dem Sound zu einem absoluten Meisterwerk. Speziell die Szene des Zugüberfalls bereitet mir Gänsehaut am ganzen Körper. Alle von mir erwähnten Elemente sind in dieser Szene vereint. Ein komplett schwarzes Bild bekommt plötzlich Leben eingehaucht als der Lcihtstrahl des Zuges um die Kurve in die finstere Nacht hereinbricht. Untermalt mit entsprechender Melodie wird er ausgebremst und die maskierte Bande wartet geduldig während die angesterfüllten Fahrgäste in den dunklen Wald gucken. Ein wahrer Hochgenuss!

Der Film ist sicher keine leichte Filmkost und viele mögen dazu neigen ihn langweilig zu finden. Wer allerdings unvoreingenommen an den Film geht und sich voll darauf einlässt, wird merken, dass wir hier filmische Poesie serviert bekommen. Ein Film, der fern von allen cineastischen Geflogenheiten, auf eine komplett unkonventionelle Art und Weise mein Herz erobert hat.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

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© Warner Bros. GmbH

 

1 KOMMENTAR

  1. Meinen allergrößten Respekt und ein herzliches Dankeschön für diesen Beitrag und die Würdigung zu einem der allergrößten Filme unserer Zeit…. weiter unten hab ich selbst mal versucht, dem Film mit einem Text gerecht zu werden…

    – Über den Tod des Robert Ford, durch die Inkarnation zu Jesse James –

    Mit wem man nun wirklich die Inkarnation eingehen möchte, dass bleibt auch nach dem Abspann eine schwere Entscheidung. Ist es Jesse James (Brad Pitt), über den man keine endgültige Wahrheit erfährt oder den vermeintlichen Retter, Helden und Überlebenden Robert Ford (Casey Affleck)?

    Jesse James, ein berüchtigter Räuber und Anführer einer Gang, die Jahrzehnte lang Banken und Züge ausraubten und sich so ihren Lebensunterhalt verdient haben und Robert Ford, der Zeit seines Lebens zu Jesse James aufblickte, wie zu einem Robin Hood seiner Zeit, liegen im Kampf ihrer eigenen Identität und Taten. Die Suche nach Selbstverwirklichung und Akzeptanz und Veränderung bannt uns Andrew Dominik in beeindruckender Weise auf den Bildschirm.

    Andrew Dominik, der kaum bekannt ist, adaptierte das gleichnamige Buch und machte daraus einen Film, der nun für mich zu den größten Werken unserer Zeit gehört. Man darf ihn ruhig als Jesse James unter den Regisseuren halten.
    Durch den Einsatz von leicht verschwommenen und gezehrten Bildern, sowie einem einfachen, aber herausragenden Theme und einem liebevollen Soundtrack, erschuf Andrew Dominik vielleicht den besten Western aller Zeiten. Was mich angeht, so haben hier alle Figuren und Schauspieler ihr Bestes abgeliefert und die Intention hinter “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ gefühlvoll und authentisch zu uns Zuschauern transportiert.

    In den Zeitungen und den Nachrichten, die in den 70er und 80er Jahren noch überwiegend von Papier und Tinte bestimmt waren, wird Jesse James, der nicht nur einige Tote auf dem Gewissen hat, als Held, junger und später auch älterer Held, dem Robin Hood ihrer Zeit, gefeiert. Robert Ford verfolgt von klein auf die Abenteuer und Geschichten über den berüchtigten Jesse James, der vielleicht kein so großer Held ist, wie es Robert Ford sein ganzes Leben glauben wollte.

    Er sucht die Inkarnation, Verschmelzung mit Jesse’s Charakter. Er stellt sich vor, wie er mit ihm zusammen über die langen und windigen Weizenfelder reitet, die in “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ als metaphorisches Verlangen nach Frieden und Normalität herhalten. Schon gleich zu Anfang sind es die Halme eines Weizenfeldes, in denen wir Jesse James das erste Mal erblicken und die Erzählstimme das erste Mal über ihn und die Zeit berichtet. Auch die Zeit spielt in Andrew Dominiks Meisterwerk eine übergeordnete Rolle. Denn sie ist es, die die größte Veränderung im Denken aller Charaktere, und vor allem Jesse und Robert, herbeiführt.

    Jesse James sinnt nach Ruhestand, Veränderung und einem friedlicheren Leben in der Gesellschaft. Er hat eine Frau, zwei Kinder und ein schönes Haus, mit einer wunderschönen Umgebung für seine Kinder und seine sorgende Frau. Aber der Erfolg, der ihm zugeschrieben wird, ist nicht alles, dass ihm noch ewig hinterherjagen wird. Denn die Marschalls der Stadt sind auch hinter ihm her, Legende und Mythos hin- oder her. Es kursieren Gerüchte um ihn, Mitglieder seiner Gang könnten womöglich auf die Idee kommen, mit Verrat ein großes Vermögen zu verdienen. Und jeder könnte ein Verräter sein.

    Wir gehen also mit auf eine Reise mit Jesse James, durch kalte und warme Gefilde, in der wir ihn und seine Verzweiflung selbst sehen dürfen. Er verhört, gräbt in seinen alten Kameraden und Freunden und entdeckt zwiegespaltene Gemüter, die nicht mehr hinter der Legende Jesse James stehen, sondern an dem einfachen Menschen Jesse James zweifeln.

    Das von Nick Cave komponierte Stück, das zugleich auch die stärkste aller Szenen ausmacht, lässt aus “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ eine wunderschöne, aber ernste Ballade über Mythen, Veränderung, Verrat und Verzweiflung werden. Und dabei bleibt er ruhig, atmet die Charaktere, Metaphern in den Worten, Flüsse aus Weisheit und aufrüttelnde Windstöße von Gefühlen. Worte werden zu Sätzen, Sätze zu Geschichten, Taten zu Taten und Inkarnation zu Tod.
    Inzwischen lernt der junge und naive Robert Ford immer mehr, wie sehr sein Vorbild und die vielen Geschichten über ihn wirklich bedeuten. Wäre es nicht schön, würden die Geschichte, die wir lesen, die vielen Bücher und Reisen der Faszination in andere Welten, der Wahrheit entsprechen? Aber wie viel Wahrheit steckt in Geschichten, Erzählungen und Zeitungsartikeln. Wie Wahrheit steckt überhaupt in irgendetwas. Wie viel Wahrheit steckt überhaupt in irgendetwas?

    Robert Ford war der liebevolle Verehrer des Jesse James, der durch die Zeit Bekanntschaft mit diesem und seinem echten Wesen machen konnte und selbst als Verräter von Jesse geächtet wird. Bis Robert Ford selbst zu einem Jesse James wird und ihn feige erschießt.

    Und gemeinte Szene geht zu Herzen. Andrew Dominik baute diesen Moment über 2 Stunden auf, der Zuschauer selbst vergönnte Brad Pitt’s Jesse James den Abgang und dann urplötzlich, legt er seinen Waffengürtel ab, geht die letzten Schritte zu einem Bild über dem Kamin mit der Begründung, es sähe ziemlich staubig aus. Er ergab sich seinem Schicksal, erkannte seine verlogene Identität ab und sah ein, dass er niemals ein normales Leben führen könnte. Sein Schicksal hätte aus Flucht, Verzweiflung und Selbstzweifel bestanden. Es ist also diese kurze Szene, die in den wenigen Sekunden, die sie andauert, aus Jesse James doch noch einen Helden macht, der sich seinen Sünden und Taten ergibt und letztlich zu Boden fällt, laut, schnell, aber doch so unendlich friedlich.

    Und damit hört “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ nicht auf. Denn Robert Ford bezahlt nun für den feigen Mord an einer gesellschaftlich anerkannten Legende, die sich im letzten Moment tatsächlich als reumütig und stark erwiesen hat. Er ist kein Held, bekommt keinen Applaus, obwohl seine Entscheidung die menschlichste von allen gewesen ist. Hätte er Gnade walten lassen sollen? Wäre ihm ein ähnliches Schicksal erspart geblieben?

    Fragen, die bewusst offen bleiben und die Intention untermauern. Was hat Robert Ford um gebracht? Was hat Jesse James am Ende das Leben gekostet?
    Jesse James ist eine Legende geworden, aber auch ein gewissenloser Krimineller, der seinem Schicksal durch die Verfolgung der Justiz und den Verrrat durch die eigenen Reihen niemals hätte entfliehen können. Und Robert Ford kostete es das Leben, dass Jesse James sein Held war, der ihn letztlich nur enttäuscht und mit Angst erfüllt hatte.

    Ruhm ist nicht beständig. Ruhm macht keine Helden. Ruhm kann den Menschen zerfressen. Ihn kauen und wieder ausspucken.

    Und so kommt es, das “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ “Über den Tod des Robert Ford, durch die Inkarnation zu Jesse James“ berichtet, die Robert Ford das Leben kostete.

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