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In Eldorado verarbeitet Regisseur Markus Imhoof seine Erinnerungen an die Flüchtlingswelle nach dem 2. Weltkrieg. Er erzählt von der Vergangenheit und begibt sich hautnah in den Flüchtlingsstrom der heutigen Zeit. Ein aufwühlendes Zeitdokument.

Titel Eldorado
Jahr 2018
Produktionsland Schweiz, Deutschland
Regie Markus Imhoof
Drehbuch Markus Imhoof
Genre Dokumentation
Darsteller Raffaele Falcone, Akhet Tewende
Länge 92 Minuten
FSK ab 6 Jahren freigegeben
Verleih Majestic-Filmverleih
Filmplakat von "Eldorado" ©Majestic Filmverleih
Filmplakat von “Eldorado” ©Majestic Filmverleih

Story

Regisseur erzählt von seiner Kindheit nach dem 2. Weltkrieg. Die kriegsverschonte Schweiz nimmt Flüchtlingskinder aus den zerstörten Gebieten auf. Die Imhoofs bekommen 1945 ein italienisches Mädchen namens “Giovanna”. 1980 drehte er den Film Das Boot ist voll, in dem er dokumentiert, wie die Schweiz 24.000 Gerettete zurück schickt. Oftmals in den Tod. Diese Dokumentation wurde daraufhin verboten.

Heute, 38 Jahre später, ist das Thema “Flüchtlinge” wieder vorherrschend in allen Medien. Jeder hat schon einmal einen gesehen oder kennt einen. Doch niemand scheint in der Lage, oder willens, die Problematik ernsthaft anzugehen. Niemand scheint ernsthaft daran interessiert, die Probleme vor Ort zu beseitigen, um die Ursachen zu bekämpfen.

Imhoof und sein Team begleiten in Eldorado ein Flüchtlingsboot, zeigen die Registrierung und die weiteren Verfahren. Sie sehen sich in Italien in den Camps, den Feldern und den Ghettos um. Sie decken eklatante Missstände auf, in die auch die berüchtigte italienische Mafia verwickelt ist. Zwei der Hauptfiguren des Films sind Raffaele Falcone und Akhet Tewende. Es wird gezeigt, wie die Schweiz mit der Thematik umgeht und welche Folgen die EU-Politik für die afrikanischen Staaten hat. Es ist alles ein undurchdringlich wirkender Teufelskreis.

ELDORADO von Markus Imhoof: Auf der Suche nach einem Ausweg ©Majestic Filmverleih
ELDORADO von Markus Imhoof: Auf der Suche nach einem Ausweg ©Majestic Filmverleih

Cast

Es werden verschiedene Akteure gezeigt und auch für kurze Interviews herangezogen, so zum Beispiel:

Marineärztin Tiziana Manisco (arbeitet auf der “San Giusto”)

Federico Riccio (arbeitet für das UNHCR am Hafen von Reggio Calabria)

Umberto Carofiglio (leitet das Lager “CARA Borgo Mezzanone in Foggia)

Raffaele Falcone (Jurist, arbeitet kostenlos für die Gewerkschaft CGIL)

Akhet Tewende (kam mit 16 Jahren nach Italien und machte dort sein Abitur. Aus politischem Interesse, ging er in das gezeigte Ghetto zur Tomatenernte. Gegenwärtig studiert er Wirtschaft und möchte nach dem Studium zurück nach Afrika gehen um dort Politiker zu werden.

Bewegende Bilder von der Rettungsaktion Mare Nostrum ©Majestic Filmverleih
Bewegende Bilder von der Rettungsaktion Mare Nostrum ©Majestic Filmverleih

Schauplätze in Eldorado

Die Orte des Geschehens sind vielfältig. Wir haben da die “San Giusto”, ein großes Schiff der italienischen Marine. Es wurde während einer Rettungsaktion in libyschen Gewässern begleitet, als es 1.800 Flüchtlinge an Bord nahm. Die mit Abstand größte Anzahl.

Im Hafen von Reggio Calabria werden die Flüchtlinge registriert. Anschließend kommen sie in das Erstaufnahmelager “Cooperativa Senis Hospes”, in welchem schlimme Zustände herrschen. Doch im Vergleich zum “Gran Ghetto di Rignano” ist es eine Oase des Glücks. Im Ghetto regiert das Chaos. Und die Mafia. Die Felder bekommen wir ebenfalls zu sehen.




Weiter geht es in der Schweiz. Am Bahnhof Chiasso, an der italienisch-schweizerischen Grenze wird intensiv nach Flüchtlingen Ausschau gehalten. Werden sie erwischt, müssen sie sich beim Staatssekretariat für Migration erklären und den Entscheid abwarten. Bis dahin hausen sie in Bunkern aus dem 2. Weltkrieg. Zum Beispiel in Riggisberg, Kanton Bern.

Im Empfangs- und Verfahrenszentrum können Rückreisewillige finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen, um sich in Afrika eine Existenz aufzubauen.

Seenotrettung bei Tag und bei Nacht ©Majestic Filmverleih
Seenotrettung bei Tag und bei Nacht ©Majestic Filmverleih

Form

Die Erzählstruktur besteht aus der persönlichen Erzählung von Markus Imhoof. Seine Familie aus der Schweiz nahm nach dem 2. Weltkrieg ein italienisches Mädchen auf. Diese Geschichte wird regelmäßig in kurzen Rückblenden erzählt.

Der Rest besteht aus aktuellen Aufnahmen der Geschehnisse rund um die Flüchtlingsproblematik. Dabei wird versucht alles lückenlos zu zeigen und das gelingt auch. Vom Schlauchboot bis in die jeweiligen Länder. Aufnahmen in Ghettos und Lagern. Garniert wird alles mit Interviews von Beteiligten.

Vom Gefühl her schwankt der Film zwischen nachdenklichen Tönen und kämpferischer Zuversicht. Unterstrichen wird das von der jeweils passenden musikalischen Untermalung.

Gefilmt wird mit Drohnen, Filmkameras oder Gopros. Man hat dabei jederzeit einen guten Überblick über die Gesamtsituation.

Eine verängstigte Frau findet Trost durch die Mitarbeiter der Mare Nostrum ©Majestic Filmverleih
Eine verängstigte Frau findet Trost durch die Mitarbeiter der Mare Nostrum ©Majestic Filmverleih

Hintergrund

Die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes war eine vom Januar 1942 bis 1956 dauernde Hilfsaktion zugunsten kriegsgeschädigter Kinder aus mehreren europäischen Ländern.

Kinder, die es gesundheitlich nötig hatten oder Familienangehörige verloren hatten, wurden für einen drei- bis sechsmonatigen Aufenthalt zur Erholung in die Schweiz geschickt und dort an Familien oder Pflegeeinrichtungen verteilt.

Das war die größte Hilfsaktion rund um den 2. Weltkrieg, mit der 181.000 Kindern geholfen werden konnte.

Heute stehen wir vor einer globalen Aufgabe, die sehr schwer zu lösen ist, da sie viele Gründe, Folgen und Wechselbeziehungen hat.

Markus Imhoof begibt sich auf Spurensuche, eine Reise in die eigene Vergangenheit ©Majestic Filmverleih
Markus Imhoof begibt sich auf Spurensuche, eine Reise in die eigene Vergangenheit ©Majestic Filmverleih

Genre & Fazit

Als ich mir im Rahmen der “Berlinale” Filme aussuchen konnte, die mich interessieren, stand ich etwas unter Zeitdruck. Und so überflog ich nur Titel und Bilder und entschied mich unter anderem für Eldorado. Alles was mit der begonnenen Flucht zu tun hat, interessiert mich sehr stark, weil diese Thematik unser Leben bestimmen wird, für die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte.

Was genau mich erwartet, wusste ich jedoch nicht und so ging ich sehr neugierig in den Film. Er packte mich von Minute 1 an. Die Aufnahmen waren so hautnah am Geschehen und es wurden so viele Dinge gezeigt, die man sonst niemals zu sehen bekommen würde, ich war absolut fasziniert.

Der Streifen versucht auch völlig nüchtern und objektiv an die Sache heran zu gehen, was mir sehr gefallen hat. Es wird kein Zeigefinger erhoben oder versucht ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Es wird einfach gezeigt, was passiert.

Viel mehr gibt es an dieser Stelle auch gar nicht zu sagen. Jedem, den diese Thematik nicht kalt lässt, kann ich Eldorado nur ans Herz legen. Alle AfD-Wähler und Leute, die sich sowieso schon ihre ablehnende Haltung gebildet haben, sollten wohl eher davon absehen und weiterhin in ihrer Social-Media-Bubble leben.

Markus Imhoof hat hier wieder einmal Großes geschaffen.

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