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Interview mit Eleni Haupt zum Film “Finsteres Glück”

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Movic Freakz im Interview mit Hauptdarstellerin Eleni Haupt zum Film Finsteres Glück.

TitelFinsteres Glück
Jahr2016
ProduktionslandSchweiz
RegieStefan Haupt
DrehbuchStefan Haupt
GenreDrama
DarstellerEleni Haupt, Noé Ricklin, Elisa Plüss, Chiara Carla Bär, Martin Hug
Länge114 Minuten
FSKab 12 Jahren
VerleihW-film Distribution
Finsteres Glück Plakat
Finsteres Glück Plakat

Worum geht es in Finsteres Glück?

In dem Film Finsteres Glück geht es um ein Familienschicksal, dass einen kleinen Jungen trifft und in seinen Grundfesten erschüttert. Zur Hilfe wird eine Psychologin gerufen, die alleinerziehende Mutter ist und von diesem Knaben besonders berührt wird.

Mit viel Gefühl und Einsatz nimmt sich die Psychologin Elaine Hess des achtjährigen Jungen Yves an, steht für ihn ein und lässt berufliche und private Grenzen verschwimmen.

Regisseur Stefan Haupt hat sich an das sehr beliebte Werk des Autors Lukas Hauptmann gewagt.

»Täglich werden wir mit Schreckensmeldungen bombardiert. Als Gegenpol suchen die meisten Zerstreuung. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch ich selber finde es beglückender, mich in Stoffe vertiefen zu können, aus denen man gestärkt hervorgeht. Finsteres Glück erzählt eine starke Geschichte von der Kraft und dem Mut, sich dem eigenen Schicksal zu stellen.« Regisseur Stefan Haupt, Kirchenbote (CH)

Interview mit Eleni Haupt über Finsteres Glück

I: Hallo Frau Haupt, schön, dass Sie Zeit für mich haben. Ich habe gehört Sie fahren bald in den Urlaub?

EH: Ja, ich muss Arbeiten gehen, ich muss noch fertig putzen und die Wäsche ist aufgesetzt.

I: Also die ganz normalen Dinge…Wohin geht’s denn in den Urlaub?

EH: Es geht nach Griechenland, da ich Griechin bin. Ich bin hier in der Schweiz aufgewachsen, aber wir fahren jedes Jahr, weil ich dort noch Familie habe. Tanten und Cousins und Cousinen.

I: Ich möchte gern mit Ihnen über den Film „Finsteres Glück“ sprechen, in dem Sie eine Hauptrolle spielen und dann noch gern ein bisschen über Sie. Sie spielen die Psychologin, die sich in einem wirklich herausfordernden Fall befindet. Wie empfanden Sie die Rolle? War diese für Sie auch eine Herausforderung?

EH: Ja, die Arbeit ist immer eine Herausforderung. Man geht ja an jede Rolle neu ran. Eine literarische Vorlage zu haben ist ein spezieller Fall. Ich arbeite viel im Theater, wo wir die Stücke zum Teil selbst entwickeln. Das ist eine andere Art der Arbeit.

Aber eine literarische Vorgabe zu haben ist etwas Besonderes. Das Buch wird mehr gelesen, als ein Skript, das meist nur Regisseure lesen. Lukas Hauptmann ist ein bekannter Autor, vor allem hier in der Schweiz. Ich glaube bei den Leser- und Leserinnen hat ein Großteil der Fantasieentwicklung schon stattgefunden.

“Inhaltlich war die Herausforderung sorgfältig damit umzugehen.”

Dieser Erwartung gerecht zu werden war eine Herausforderung. Inhaltlich war die Herausforderung sorgfältig damit umzugehen. Das Schicksal das hier drin steckt, verdient eine Hochachtung. Ich habe vom persönlichen Background eine kleine Ahnung davon, wie sich so etwas anfühlt. Ich habe einen Bruder, der bei einem Autounfall plötzlich aus dem Leben gerissen wurde und wie das spezifisch auf unsere Familie gewirkt hat. Dadurch gab es einen Zugang zum Thema.

Aber natürlich haben wir auch recherchiert. Ich hatte ein Gespräch mit einer Trauma-Psychologin aus Zürich, die viel mit Kindern arbeitet. Das war sehr spannend.

Eleni Haupt als Eliane Hess und Noé Ricklin als Yves Zanini
(v.l.n.r.) Eleni Haupt als Eliane Hess und Noé Ricklin als Yves Zanini
© W-film / Tobias Dengler

I: Das tut mir leid, von ihrem Bruder zu hören. So etwas erschüttert einen in den Grundfesten. Sie sind selbst Mutter von 4 Kindern. Haben Sie als Mutter eine besondere Sichtweise auf diese Thematik plus ihren Background dazu?

EH: Ich denke schon, ja, wie sie sagen, es erschüttert einen. Ich war 14 als es passierte. Es war ein älterer Bruder und ich befand mich noch in der Entwicklungsphase. Als Mutter wiederum versucht man instinktiv ideale Bedingungen für das Kind zu schaffen und es zu beschützen. Natürlich leidet man auch mit, mit einem Kind.

Bei mir spielt dann sicher noch eine Akzeptanz mit hinein, dass ich weiß, dass schlimme Dinge im Leben passieren, das ist einfach so.

“Es geht im Leben nicht darum, unbeschadet durchzukommen. Die Schäden gehören dazu.”

Natürlich wünsche ich das meinen Kindern nicht. Aber falls es doch passieren sollte, dann kann daraus auch eine Situation entstehen, die sehr viel Wachstum und einen besonderen Blick auf die Dinge ermöglicht. Das bringt dann wieder einen positiven Aspekt hinzu. – Es geht im Leben nicht darum, unbeschadet durchzukommen. Die Schäden gehören dazu.

I: Manchmal sind sie eben besonders schlimm.

EH: Ja, aber es gibt auch immer schlimmere Schicksale.

I: Haben Sie mit Ihren Kindern über eine „Was wäre, wenn…“ Situation gesprochen und haben Sie Vorkehrungen getroffen?

EH: Ja, es gibt eine mündliche Absprache mit einem befreundeten Paar, die auch Patin und Pate unserer Kinder sind. Wir würden uns wünschen, dass Sie dann einen großen Teil der Betreuung übernehmen, vor allem psychisch beistehen. Obwohl diese Abmachung ist schon 15 Jahre her, die müsste man mal wiederauffrischen.




I: Das ist ja nun kein leichtes Thema. Wie kommt man denn da beim Dreh in „Stimmung“?

EH: Durch die Vorarbeit kann man ganz gut einen Schalter umlegen. Und oft funktioniert eine Szene nicht nur oder gar nicht unbedingt über die Stimmung, sondern über Details. Zum Beispiel Blicke, wohin geht der Blick in so einer Situation.

Man kann dann auch mal ein bisschen ausprobieren, was gut funktioniert. Auch wenn beim Dreh da nicht so viel Zeit bleibt. Stefan (Stefan Haupt, Regisseur Anm.d.Red.) war es wichtig, dass es immer eine kurze Vorprobe gibt. Da ist die Kamera nicht das wichtigste, sie schaut zwar mit, aber ich habe die Vorproben dafür genutzt, bis zum letzten Moment etwas herauszufinden.

I: Und so funktioniert das auch für das Kind, dass in diesem Film ein wirklich schwieriges Thema bespielen musste?

EH: Ja, genauso. Und beim Dreh hat man dann auch die Möglichkeit zu helfen. Es ist nicht wie auf der Bühne. Es gibt Szenen, da sieht man nur meinen Hinterkopf und die Kamera zeigt auf das Kind. Da kann man natürlich dann rhythmisch helfen, animierend, damit eine Reaktion kommt.

I: Ich habe im Abspann gesehen, dass das Kind Yves, gespielt von Noé Ricklin, natürlich betreut wird. Wie war das denn für ihn, so etwas zu spielen?

EH: Er hatte wirklich einen ganz tollen Coach. Der Coach selbst ist Schauspieler, dass macht sehr viel aus. Er war also nicht nur Betreuer, sondern er hat viel mit Noé gearbeitet, auch mit dem Text und inhaltlich. Der Coach war auf jeden Fall super.

“Wir haben vorher viel darüber geredet, ob es zumutbar ist, ihn in so eine Geschichte reingehen zu lassen.”

Die Idee war dann aber tatsächlich, ihn das einfach spielen zu lassen. Wir haben vorher viel darüber geredet, ob es zumutbar ist, ihn in so eine Geschichte reingehen zu lassen. Dazu kam, dass er unbedingt wollte. Er wollte unbedingt in einem großen Film spielen, die Motivation war da. Auch wirkt er jünger, als er wirklich ist, dadurch, dass er klein und eher fein gebaut ist.

Ich habe mich dann daran erinnert, dass man als Kind ja gern einfach spielt. Ich habe als Kind z.B. häufig so getan als ob ich taub-stumm bin. Das hat mich fasziniert, ich fand das irgendwie spannend. Und ich denke, ein Kind spielt gern, dass es jemand anderes sei.

Dann hat Stefan noch etwas anderes, sehr interessantes gesagt. Er soll sich vorstellen, dass es nicht ihm passiert, sondern seinem besten Freund. So kann man es sich vom Leib halten und trotzdem fühlen.

I: Es war für Sie also nicht schwer mit einem Kind zu spielen?

EH: Nein. Und ich finde es macht auch keinen wahnsinnigen Unterschied. Natürlich fühlt man sich auf eine andere Art verantwortlich, als wenn man einen professionellen Kollegen hat. Man hat auch mehr Geduld. Im Spiel bleibt es das Gleiche. Man guckt jemand in die Augen und es entsteht etwas.

I: Also war auch die Stimmung am Set gut? Ich könnte mir vorstellen, dass der Dreh von einem schwarzen Schleier umgeben war.

EH: Nein, da hing kein Schleier drüber. Aber wir haben z.B. im Spital gedreht und hatten unsere Maskenräume im Keller, wo auch die Leichen liegen. Ansonsten haben wir auch manchmal sehr gelacht. Das geht ja oft Hand in Hand mit solchen Gefühlen. Und technische Stolpersteine bringen einen durchaus mal an den Rand. Wenn man zum Beispiel eine hochemotionale Szene 10-mal drehen muss, weil das Licht und sowas nicht stimmte. Da muss man irgendwann mal lachen.

I: Wie ist es mit dem eigenen Mann zusammen zu arbeiten? Gab es Schwierigkeiten?

EH: Natürlich verhält man sich anders und auch die Gefühle laufen anders, als mit jemanden, den man gar nicht oder nicht gut kennt. Aber es hat auch Vorteile, weil man weiß, wie der andere tickt und man auch keine Verständigungsarbeit machen muss. In diesem Fall fand ich, dass ich emotional viel mehr beteiligt war und dann auch mehr Diskussionen aufkamen. Nicht unbedingt beim Dreh selber, sondern eher im Vorfeld. Wir sind auch viel im Austausch, wenn ich beim Dreh selbst gar nicht dabei bin. Ich spiele ja nicht viel in Filmen von meinem Mann. Da ist es natürlich anders, wenn man weiß, dass man die Rolle dann gleich noch spielt. Es ist schon komplexer.

I: Und hat es insgesamt mehr Vorteile oder hält es sich die Waage?

EH: Ich habe das erste Mal in der Art mit meinem Mann gearbeitet, aber ich würde schon sagen, dass die Vorteile überwiegen. Obwohl, bloß weil man ein Paar ist, heißt das nicht, dass man immer zusammen funktioniert. Und gerade in der Feinarbeit scheiden sich oft die Geister.



I: Also können wir es als interessante Erfahrung verbuchen?

EH: Ja und auch als Arbeit für die Beziehung.

I: Und auch zu Hause muss man es dann mal liegen lassen.

EH: Na gut, beim Dreh gibt es erstmal keine Freizeit. Aber wir haben keine Nächte durchdiskutiert. So schlimm war es nicht.

I: Was war denn das Besondere für Sie an dem Dreh?

EH: Ich fand die Thematik des Films spannend, weil sie Alltag abbildet, wie man ihn kennt. Einkaufen, Beruf und zwei Töchter daneben. Diese Ebene der alleinerziehenden Mutter in der Geschichte hat mir gefallen, dieser Alltagsaspekt ist bei vielen Filmen nicht zu sehen. Es ist eine Frau um die 50, eine wirkliche Mutterfigur. Interessant ist auch der Zeitpunkt, ihre Kinder gehen aus dem Haus. Ich denke, diese Frau hätte den Buben 10 Jahre vorher nicht aufgenommen.

Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist, aber die Frage der Empathie und der Abgrenzung war sehr spannend. Sich abzugrenzen gilt als professionell, Dinge strukturell zu lösen, lösungsorientiert zu sein, der Faktor Zeit: Je kürzer, desto besser. Diese Dinge schwingen im Film als Thema unausgesprochen mit. Dinge brauchen Zeit, man kann nicht alles planen. In diesem Fall war das “sehr empathisch sein” ja doch der Schlüssel, der Zugang zu diesem Knaben. Das war alles nicht vorauszusehen und so hat alles auch mit dem Zusammenspiel zwischen zwei Menschen zu tun. Das war sehr spannend, das zu spielen.

I: Bei dem traurigen Thema des Verlustes, kommt mir eine Frage in den Sinn, die ich Ihnen gern stellen möchte. Für welche drei Dinge in Ihrem Leben sind sie dankbar?

EH: Ich bin im Moment am dankbarsten dafür, dass ich zwischen zwei Kulturen aufgewachsen bin. Das hat meine Bewertung oder Nichtbewertung beeinflusst. Ich kann anders auf Dinge gucken. Ich frage bei jedem Individuum: „Wie ist das bei dir?“. Deswegen finde ich nicht jede Antwort gut, aber prinzipiell finde ich es wichtig für jedes Individuum zu fragen und offen zu sein.

I: Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern dürften: Was wäre das?

EH: Ich kann eher sagen, was mir wichtig ist. Es ist wichtig, dass wir spüren wie sehr wir miteinander verbunden sind. Das ist viel mehr, das uns verbindet, als uns trennt. Ohne, dass das verpflichtend ist oder dass deswegen weniger Konflikte da sind. Aber ich denke, dieser Gedanke, würde einiges beruhigen. Daraus kann ein besseres Umgehen mit den Unterschieden entstehen.

Elisa Plüss als Helen Hess und Chiara Carla Bär als Alice Hess
(v.l.n.r.) Elisa Plüss als Helen Hess und Chiara Carla Bär als Alice Hess
© W-film / Tobias Dengler

I: Was ist denn Ihr nächstes Projekt oder stecken Sie schon mitten in einem?

EH: Ja, ich bin schon wieder mitten in einem Projekt. Diesmal aber kein Film, sondern wieder Theater. Ich bin ja eigentlich Theaterschauspielerin. Wir haben in Zürich 500 Jahre Reformation. In Deutschland ist es Luther, bei uns ist es Zwingli. Und das Jubiläum wird mit mehreren Projekten gefeiert. Der Lotteriefond hat bei uns Gelder ausgeschüttet, um das Jubiläum an verschiedenen Orten und Theatern auszurichten. Wir arbeiten als Theatergruppe mit einem Kulturhaus zusammen, das mit Arbeitslosen zusammenarbeitet. Es geht auch um das Thema Arbeit, was bedeutet Arbeit und wie sieht die Zukunft aus? Was ist mit der digitalen Entwicklung und Revolution? Was bedeutet Arbeit fernab von Existenzsicherung und so weiter. Da entwickeln wir ein Stück dazu. Mehr kann ich gerade noch nicht sagen. Im Oktober ist Premiere.

I: Das ist für Sie sicher sehr spannend, dabei selbst mitentwickeln zu dürfen?

EH: Auf jeden Fall, das ist sehr beglückend.

I: Schlägt Ihr Herz deswegen mehr für das Theater oder hat der Film ebenfalls einen hohen Stellenwert?

EH: Einfach vom Charakter her, mag ich es nicht so, wenn ich bedient werde. Das macht mich wahnsinnig. Deswegen fühle ich mich vom Wesen her im Theater wohler. Aber natürlich gibt es auch ganz spannende Filmarbeit, da ist das Thema der Kamera als Partner sehr spannend. Man muss mit der Größe eines Films umgehen, mit der Leinwand und mit der größeren Öffentlichkeit. Obwohl ich mich da gleich Frage, warum ein Film eine größere Öffentlichkeit als das Theater hat?

I: Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass die meisten Leute das „ins Kino gehen“ als einfach empfinden. Da kann man sich berieseln lassen. Theater hat oft auch etwas Schwereres.

EH: Ja, das stimmt. Man wird weniger bedient.

I: Man muss sich mehr auf etwas einlassen.

EH: Ja.

I: Und wird es denn weitere Projekte mit Ihrem Mann geben?

EH: Wir sind natürlich immer im Austausch, nicht nur beruflich, auch zu Hause. Ich kann mir das schon vorstellen. Vielleicht nicht gerade jetzt, aber irgendwann vielleicht. Vielleicht in 10 Jahren, so als Seniorenprojekt.

I: Vielen dank für das tolle Gespräch und ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub!

© W-film

 

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