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Interview mit Michael Bully Herbig über seinen DDR-Thriller Ballon

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In unserem Interview mit Michael Bully Herbig stand uns der Filmemacher (Bullyparade-Der Film) über seinen neuen Film Ballon Rede und Antwort.

Interview mit Michael Bully Herbig. Filmplakat zu "Ballon" © StudioCanal
Das Interview mit Michael Bully Herbig über seinen neuen Film “Ballon” © StudioCanal

Er ist der Puplikums-Magnet schlechthin. Mit Der Schuh des Manitu und (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 erschuf er wahre Kassenschlager. Außerdem weiß das Multitalent auch schauspielerisch zu überzeugen, wie z.B. in Die Geschichte vom Brandner Kaspar oder in dem sehr gelungenen Film Hotel Lux. Dass der vielschichtige Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Michael Bully Herbig mehr in Petto hat als Komödien, zeichnete sich schon mit seinem Film Buddy ab. Mit seinem herausragenden Thriller Ballon, Heimkino-Release 14. März, schenkt uns Herbig einen der besten und überzeugendsten deutschen Filme der letzten Jahre.

Interview mit Michael Bully Herbig

Guten Tag Herr Herbig, wir möchten uns recht herzlich bedanken, dass Sie sich die Zeit nehmen, um mit uns dieses Interview zu führen.

1. Als erstes gleich die wichtigste Frage: Warum sollten sich, Ihrer Meinung nach, unsere Leser Ihr Herzensprojekt „Ballon“ ansehen?

Damit ich weiß, ob ihnen der Film gefällt oder nicht.

2. In welchem Genre fühlen Sie sich als Regisseur besonders wohl?

In dem Genre, auf das ich gerade am meisten Lust habe. Im Moment treibt´s mich ganz stark in Richtung Thriller oder Drama. Das kann sich aber auch irgendwann wieder ändern. Hängt natürlich auch immer von der Idee ab.

3. So viel Herz, Gefühl und Spannung sieht man selten in einem deutschen Film. Was hat sie dazu inspiriert, den Film so zu drehen, wie sie es getan haben? Haben sie sich einen bestimmten Schwerpunkt gesetzt?

Naja, ich versuche die Filme so zu machen, wie ich sie selber sehen möchte. Ganz unabhängig vom Genre. Und dann geht es meiner Meinung nach hauptsächlich immer um´s Timing. Eine Komödie hat ein anderes Timing als ein Thriller. Bei „Ballon“ hatte ich immer die Hoffnung, dass sich der Puls von der Leinwand auf den Zuschauer überträgt.

4. So nun mal von Bayer zu Bayer. Warum dreht ein Bayer einen Film über die DDR? Und wie ist Ihr Bezug zur DDR?

„Ballon“ sollte nicht in erster Line ein Film über die DDR sein. Es ging mir immer um die unglaubliche Geschichte dieser zwei Familien. Und natürlich muss man diese Welt, in der die Geschichte spielt, authentisch zeigen. Es sollte alles bis ins kleinste Detail stimmen, damit die Leute am Ende nicht sagen: Jetzt kommt der Komiker aus Bayern und will uns was über die DDR erzählen.

5. Haben Sie damals, als Kind, von dieser verrückten Flucht etwas mitbekommen?

Klar. 1979 war ich 11 Jahre alt. Genauso alt, wie Fitscher, der jüngere Sohn der Familie Strelzyk. Ich konnte diese Flucht damals aber noch nicht so richtig zuordnen. Wir hatten weder Freunde noch Verwandte in der damaligen DDR. Als Teenager habe ich dann die erste Verfilmung dieses Stoffes im Fernsehen gesehen. Mich hat dieser Film nachhaltig beschäftigt. Herr Wetzel erzählte mir später allerdings, dass er diese Verfilmung überhaupt nicht mochte.

6. In „Ballon“ erzählen sie die Geschichte von zwei vierköpfigen Familien aus der DDR, die 1979 in einem selbstgebauten Heißluftballon in die Freiheit flüchten wollen. Die Geschichte ist echt passiert: Was hätten Sie an der Stelle der Familien gemacht, hätten Sie ebenso gehandelt?

Diese Frage kann ich nicht seriös beantworten, weil ich noch nie in so einer Situation war. Wenn ich aber davon ausgehe, dass ich damals die gleiche Haltung gehabt hätte, wie heute, hätte ich auch versucht, dem System zu entkommen. Ob ich dafür in einen Ballon gestiegen wäre, wage ich allerdings zu bezweifeln.

7. Inwieweit hatten Sie mit den realen Personen oder deren Nachkommen Kontakt?

Vor sechs Jahren habe ich Kontakt zu Doris und Peter Strelzyk und zur Familie Wetzel aufgenommen. Ohne ihre Zustimmung hätte ich den Film nicht gemacht. Leider ist Peter Strelzyk vor zwei Jahren verstorben. Ich konnte aber noch viel mit ihm sprechen. Ich bin auch Petra und Günter Wetzel sehr dankbar. Herr Wetzel stand uns während der gesamten Vorbereitung und Produktion als Berater zur Verfügung.

8. Sie sind ja auch Co-Autor von Ballon. Können Sie mir erläutern, wie sich die Zusammenarbeit der drei Autoren gestaltet hat? Gab es zum Beispiel verschiedene Aufgabenbereiche?

Wir hatten glücklicherweise genügend Zeit für die Drehbuchentwicklung. Die Drehbuch-autoren Kit Hopkins und Thilo Röscheisen waren auch bei den Gesprächen mit den Familien dabei. Thilo hat sich zum Beispiel durch sämtliche Stasiakten gewühlt und viel recherchiert. Der Film sollte authentisch sein, aber auch spannend und unterhaltsam. Für mich war das alles sehr inspirierend.

9. Die Figur des Oberstleutnant Seidel, den Thomas Kretschmann verkörpert, sehr gute Darstellerwahl übrigens, erinnert ein wenig an Tommy Lee Jones als Ermittler in Filmen wie „Doppelmord“ oder „Auf der Flucht“. Haben Sie diese Figur als eine Hommage an eine bestimmte Rolle aus einem anderen Film angelegt?

Beim Schreiben hilft es immer, wenn Du ein Gesicht vor Augen hast. Bestenfalls weiß man schon, für welchen Schauspieler man die Rolle schreibt. Thomas Kretschmann war einer, den ich schon früh im Kopf hatte. Thomas hat ja auch seine eigene Fluchtgeschichte, so etwas spielt unterschwellig auch eine Rolle.

10. In welchem Genre wollen Sie sich als nächstes ausprobieren? (Ich persönlich wünsche mir ja einen Western)

Ich liebe Western! Western ist das Kino-Genre überhaupt! Eines Tages mache ich mal einen, hab´ ja mit „Schuh des Manitu“ schon ein bisschen geübt. Aber der nächste Film, den ich inszeniere, wird höchstwahrscheinlich ein Drama. Davor darf ich aber noch einmal in der Fortsetzung von „Hui Buh“ mitspielen.

11. So nun zur letzten Frage: Ich persönlich finde, Ballon ist ein nahezu perfekter Film. Wie sehen Sie das? Hat der Film Ihre Erwartungen, die Sie an sich selbst haben, erfüllt?

Zuerst war ich sehr erleichtert. Der Film kommt ziemlich nah an das ran, was ich mir vorgestellt habe. So richtig glücklich haben mich dann aber die Reaktionen darauf gemacht. Die Kritik und das Feedback der Kinobesucher war wirklich überwältigend.

Interview mit Michael Bully Herbig. Foto - Rick Kavanian,Michael Bully Herbig und Christian Tramitz
Bully Herbig kann auch mehr als Klamauk!
Rick Kavanian,Michael Bully Herbig und Christian Tramitz (v.l.n.r.), ©HerbX

Danke für das offene und ehrliche Interview. Der Film Ballon gibt uns Mut, dass sich der deutsche Film weiter auf dem aufsteigenden Ast befindet.

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