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Justin Timberlake – Man Of The Woods

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Justin Timberlake – Man Of The Woods: Von allen Seiten schön.

InterpretJustin Timberlake
AlbumMan Of The Woods
Jahr2018
LabelRCA Records

Man Of The Woods ist weitaus mehr als ein weiterer Tonträger mit 16 Tracks

Typen wie Justin Timberlake könnten zwölf Songs in eine Blechdose singen und veröffentlichen, es wäre auf jeden Fall ein kommerzieller Erfolg. Die massive Fanbase, die Justin Timberlake hinter sich versammelt hat, macht es möglich. Würde nur ein Prozent seiner 48 Millionen Follower auf Instagram ein so dahin gehauenes Album kaufen, wäre das schon knapper Goldstatus. Doch Typen wie Justin Timberlake sind nicht dort, wo sie sind, weil sie so etwas tun. Sie erfinden sich neu, jedes Mal.

Mit Man Of The Woods hat Justin Timberlake ein Album vorgelegt, das weit aus mehr ist, als ein weiterer Tonträger mit 16 Tracks. Es geht über die Musik hinaus. Es ist eine Reminiszenz an seiner Herkunft Memphis, Tenessee, an die 90er Jahre und für alle, die es noch deutlicher brauchen: Justin Timberlakes Man Of The Woods ist großartig.

Zu allererst fällt das Hemd auf. Die Kamera fährt durch den Keller des Bradbury Buidlings, dort steht Timberlake an der Rhythmusmaschine in einem schwarz-weiß-karierten Flanellhemd, Jeans, Seemannsmütze. So ein Hemd sah man ich letzte Mal auf dem Schulhof eines Kleinstadtgymnasiums. Irgendwann in den 90ern. Schon steht Timberlake im Fahrstuhl und singt zusammen mit Chris Stapleton „Maybe I´m looking for something I can´t have“. Und da ist er, der Wow-Effekt. Die Kraft, die einen in diesem Moment hineinzieht. Ein Song, der einen beim ersten Hören nichts als Staunen lässt. Das hatte ich zum letzten Mal bei Lukas Grahams „7 Years“. Und genau wie dieses schiebe ich „Say something“ sofort in meine Alltagsplaylist und drücke auf Repeat, um mir das Video auf Youtube der dritten Singleauskopplung des Albums noch einmal anzusehen.

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https://www.youtube.com/watch?v=8MPbR6Cbwi4&feature=youtu.be

Ein Video als Kunstwerk

Es ist in einem Take aufgenommen. Und obwohl es Szenen gibt, die einen Schnitt erlauben würden, möchte ich glauben, dass es wirklich so war. Wer genau hinhört, stellt fest, dass sich Timberlakes Stimme im Fahrstuhl natürlicher und näher klingt. Weniger Hall als in der Studioaufnahme. Vermutlich wurden die Studioaufnahme und die Videotonspur geschickt ineinander verwoben.

Alles ist in Blau und Orange gegradet. Das One-Take-Video ist ein echtes Meisterwerk. So etwas zu drehen ist übrigens eine Herausforderung. Interessierte finden hier mehr dazu.

Zu den rund zwei Millionen Views des Videos am ersten Tag füge ich meine zehn hinzu und schwebe in Bewunderung. Wer in diesen Zeilen also eine distanzierte Auseinandersetzung mit Timberlakes neuem Wurf erwartet, muss leider enttäuscht werden. „Say Something“ hat mich nun völlig zum Fan gemacht.

Das Video ist Kunst und der Song „Say Something“ auch. Es ist ein toller Popsong, er hat eine herrliche Melodie und eine recht knifflige Rhythmusbegleitung, die sofort nach Aufmerksamkeit verlangt – trotz oder gerade wegen ihrer Komplexität. Der Song ist nicht typisch Timberlake, kein R´nB mit Tanzbefehl a la Sexy Back. Und eigentlich hätte „Say Something“ genauso gut in die 2000er gepasst wie auch in die 90er. „Say Something“ ist zeitlos. Was ihn gleich noch einmal etwas großartiger macht. Und zu dem Paradestück für das, was das Album zu dem macht, was es ist: ein Meilenstein.

Justin Timberlake ist erwachsen geworden

Nun könnte jedes Album im Leben eines Künstlers irgendwie ein Meilenstein sein, doch mit „Man Of The Woods“ hat Timberlake eine andere Richtung eingeschlagen. Nicht gegensätzlich, aber auch nicht mehr die alten Pfade. Manche Kritiker nennen es gereifter, er sei schlicht erwachsen geworden. So ist es zumindest für Timberlake selbst ein Meilenstein. Ob es für die Pophistorie eines wird, wird sich sicherlich zeigen. Das Zeug dazu hat es in jedem Fall.

Der Spagat zwischen dem, was man von Timberlake erwartet und neuem, gänzlich anderen Material ist gut gelungen. Obwohl die Tracks sehr unterschiedlich sind, widersprechen sie sich nicht. Es ist eine Nebeneinanderstellung von dem, was Timberlake zu leisten im Stande ist. Ein „Und“ anstelle eines „Anstatt“ oder „ausschließlich“. Ganz passend für einen Mann Mitte 30.

Inspiriert von Familie und Heimat Country neu erklingen lassen

Er sei bei diesem Album mehr von seiner Familie und seiner Heimat inspiriert worden als bei irgendeinem anderen Werk, sagt „JT“ über „Man Of The Woods“. Deswegen soll auch das Album so heißen. Nämlich nach seinem Sohn Silas, dessen Name übersetzt genau das heißt: Mann des Waldes.

Timberlakes Heimat ist Memphis, Tennessee. Nicht weit weg liegt Nashville. Dort ist Country-Musik zu Hause. Und Country-Musik ist in Amerika so etwas wie Schlager bei uns. Nicht gerade sexy (obwohl sich das mit Helene gerade ändert), aber unauslöschlich da. Mit „Man Of The Woods“ befindet sich auf dem gleichnamigem Album sogar ein nahezu klassischer Country-Song – natürlich modern aufgezogen.

Genau das sei auch seine Intention gewesen, sagt Timberlake. Country neu klingen lassen. Darin liegt natürlich auch eine Gefahr. Die Gefahr, den treuen Fans von Justin Timberlake nicht das zu liefern, was sie erwarten.

Doch wo Timberlake drauf steht, ist auch Timberlake drin. „Filthy“ und „Midnight Summer Jam“ eröffnen das Album in typischer Funk-Manier. Beim Hören kommen sofort Assoziationen zu verschwitzen Partypeople in überfüllten Clubs und Longdrinks. Alle DJs dürften aufatmen. Sie haben auch bei Timberlakes neuer Scheibe genug Futter für die tanzfreudige Crowd.

Aber es gibt eben auch sehr viel mehr. Mit „Morning Light“ hat die Platte einen tollen Easy-Listening-Song, der bald in keiner Sunday-Breakfast-Playlist fehlen dürfte. Abgerundet wird das Gute-Laune-Stück von der wunderbaren Alicia Keys, deren Stimme sich so warm und golden auf die Beats legt wie frisch geimkerter Honig auf einem perfekt gebräunten Toast.

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https://www.youtube.com/watch?v=baj6llvgpWA

Treu bleibt sich der Freund des Zwischenspiels mit der Nummer 10 des Albums. Das Interlude ist nun losgelöst und existiert als eigener Song. Und oft waren die Interludes besser als die Songs selbst. (Those flashing lights…)

Da war noch das Hemd. Wenige Tage nach dem Release von „Say Something“ postete Justin Timberlake dieses kleine Video. Darin zeigt er eine Reihe von Hemden auf Bügeln und kündigt die Eröffnung eines Pop-Up-Stores in New York an. Dort kann man die Hemden der Firma Levis zweit Tage lang kaufen. Jeder der sich ein bisschen mit Marketing beschäftig hat, wird im Zuge dieses genialen Zugs Gänsehaut bekommen haben. So geht crossmediales Marketing. Video, Instagram, Event und Sale. Und Song Nummer 11 heißt auch noch „Flannel“. Perfekt.

„Man Of The Woods“ von Justin Timberlake ist eben mehr als Musik. Es ist von allen Seiten schön.

Der „Prince of Pop“ ist dabei, sich einen Raum zu schaffen, den irgendwann niemand wird ausfüllen können. Genauso wie es vor ihm Prince und Michael Jackson getan haben. Und mit „Man Of The Woods“ ist ihm ein großer Hieb dazu gelungen.

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