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Parfum

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Mit Parfum versucht sich Regisseur Philipp Kadelbach an einer modernen Kriminalgeschichte nach den Motiven des gleichlautenden Romans von Patrick Süskind. Berauscht die sechsteilige Serie wie die Duft-Kompositionen von Jean-Baptiste Grenouille? Oder riecht es doch zu sehr nach abgestandener deutscher TV-Serie? Lest mehr dazu in unserer Rezension.

TitelParfum
Jahr2018
ProduktionslandDeutschland
RegiePhilipp Kadelbach
DrehbuchEva Kranenburg
GenreKrimi
DarstellerFriederike Becht, August Diehl, Wotan Wilke Möhring, Natalia Belitski, Ken Duken, Trystan Pütter, Christian Friedel, Juergen Maurer, Marc Hosemann, Susanne Wuest, Franziska Brandmeier, Valerie Stoll
Länge6 Folgen mit je ca. 55 Minuten (ca. 330 Minuten)
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihConstantin Film
Das Blu-ray-Cover zu Parfum von © Constantin Film
Das Blu-ray-Cover zu Parfum von © Constantin Film

Worum geht’s in Parfum?

Zu Beginn der ersten Folge von Parfum wird die Leiche einer Frau gefunden. Völlig nackt in ihrem eigenen Pool schwimmend, weist sie erhebliche Misshandlungsspuren auf. Sowohl in ihren Achseln als auch in ihrem Schambereich wurden großflächig Hautstücke mitsamt den Haaren herausgeschnitten. Zudem wurde ihr Kopf kahlgeschoren.

Um den mysteriösen Tod der Frau aufzuklären, nimmt das Ermittlerduo Nadja Simon (Friederike Brecht) und Matthias Köhler (Juergen Maurer) die Arbeit auf. Unter der Aufsicht von Staatsanwalt Joachim Grünberg (Wotan Wilke Möhring) erfahren die zwei Polizisten, dass die Tote im früheren Leben Teil einer eingeschworenen Gruppe von Internatsschülern war, die eine perfide Vorliebe für den Roman Das Parfüm von Patrick Süskind entwickelt hatte. Fortan schlittern die Ermittler und auch der Staatsanwalt in ein dichtes Netz aus Lügen, Leidenschaften und Mord.

Die Leiche wird gefunden in Parfum © Constantin Film
Die Leiche wird gefunden in Parfum © Constantin Film

Remake, Remix, Rip-off?

Nicht erst die Beschreibung des Plots sondern bereits der Serienname wirft die Frage auf, was die auf ZDF neo erstausgestrahlte Serie mit dem berühmten Werk von Patrick Süskind zu tun hat. Um die Antwort direkt vorweg zu nehmen: So gut wie nichts! Es handelt sich weder um ein Remake, Sequel oder Prequel zur Verfilmung von Tom Tykwer aus dem Jahr 2006. Noch erzählt die Serie eine Geschichte aus dem Roman oder führt ihn gar fort. Vielmehr dienen die grausamen Taten von Jean-Baptiste Grenouille aus dem Original dem Antagonisten der Serie als Vorlage für seine eigenen Morde. Es ist also überhaupt nicht von Nöten, den Roman gelesen oder den Film gesehen zu haben, um der Handlung der Serie folgen zu können.

Rückblende zur Jugendzeit der Protagonisten in Parfum © Constantin Film
Rückblende zur Jugendzeit der Protagonisten in Parfum © Constantin Film

Licht und Schatten beim erfolgversprechenden Personal

Die Besetzungsliste von Parfum zeigt eine schöne Balance aus etablierten Theater- und Filmschauspielern sowie noch eher unbekannten Namen. Von den bereits genannten Hauptdarstellern überzeugt vor allem Juergen Maurer durch sein stets präsentes aber auch angenehm zurückhaltendes Spiel. Im Dickicht aus Liebe, Leidenschaft und Mord bildet er den Fels in der Brandung und dient auch dem Zuschauer als eine Art moralischer Anker. Während Friederike Brecht ihre Sache noch durchgehend ordentlich macht, enttäuscht Wotan Wilke Möhring in seiner Rolle als Staatsanwalt leider durch eine recht ausdruckslose und manchmal gar lustlos wirkende Performance.

Ein ähnliches Bild von Licht und Schatten bieten die Leistungen von August Diehl und Ken Duken. Ersteren werden viele wohl noch als SS-Sturmbannführer Dieter Hellstrom aus Quentin Tarantinos Welthit Inglourious Basterds kennen. In Parfum spielt er die Rolle des Moritz de Vries, ebenfalls ehemaliger Internatsschüler und wohl derjenige mit der größten Leidenschaft für die Herstellung obskurer Düfte. Er ist auch derjenige, der die Ideen der Gruppe als Parfumeur in die Tat umsetzt. Und diese Rolle spielt Diehl großartig aus. Jede Szene mit ihm macht Spaß und jagt einem gleichzeitig einen wohligen Schauer über den Rücken. Man rätselt gerne mit, ob er hinter dem Mord steckt oder nicht.

Auf der anderen Seite der schauspielerischen Leistung steht dann leider Ken Duken. Obwohl dieser nicht viel weniger Erfahrung aufzuweisen hat, aktuellstes Beispiel der sehr gute Thriller Berlin Falling, bei dem er auch Regie und Drehbuch übernahm, läuft für ihn in Parfum nicht viel zusammen. Auch wenn seine Rolle eine sehr emotionale Entwicklung durchlebt, gelingt es Duken leider nicht, diese Emotionen auf den Zuschauer zu übertragen.

Ermittlerin Nadja Simon und Staatsanwalt Joachim Grünberg in Parfum © Constantin Film
Ermittlerin Nadja Simon und Staatsanwalt Joachim Grünberg in Parfum © Constantin Film

Interessante Struktur und erste Schwächen

Die Geschichte von Parfum wird in zwei Zeitebenen erzählt. Im Jetzt erlebt der Zuschauer die Ermittlungen rund um den angesprochenen Mordfall. In Rückblenden wird immer mehr Licht in das mysteriöse Dunkel der eingeschworenen Internatstruppe gebracht. Und genau hier ist die Serie mit Abstand am stärksten. Wenn die Clique zusammen ist, man gespannt den teils sehr guten Dialogen lauscht und auf die nächsten, teils auch sehr überraschenden, Entwicklungen wartet, dann funktioniert die Dynamik von Parfum nahezu perfekt.

Leider kann man das für den Plot um die Aufklärung des Mordes nicht behaupten. Hier gibt es leider Charaktere und sogar ganze Szenen, die die Grenze zur Fremdscham sprengen. Beispielsweise lernen wir einen Polizisten kennen, der mit seiner grenzdebilen, sexistischen und leicht blöden Art vermutlich eine Persiflage auf einen einfach gestrickten Vorstadtpolizisten sein soll (Pornobalken unter der Nase inklusive). Dieser Charakter wirkt in dem ernsten und düsteren Plot aber dermaßen fehl am Platz, dass man sich nur wünscht, dass jede Szene mit ihm schnell vorbei sein möge. Zwar erlebt man bei einem Serienensemble oft Charaktere, die man als unsympathisch wahrnimmt, hier wird die Grenze des guten Geschmacks aber deutlich überschritten.

Moritz de Vries in seiner Duftwerkstatt in Parfum © Constantin Film
Moritz de Vries in seiner Duftwerkstatt in Parfum © Constantin Film

Stereotype zum Vergessen

Generell erzeugt Parfum sehr diskutable und teils auch schlicht abstoßende Männer- beziehungsweise Frauenbilder. Mann übt eine despotische Macht aus und schlägt und betrügt nach Lust und Laune. Frau ordnet sich devot unter, vertritt keinen eigenen Standpunkt und fügt sich ihrem Schicksal. Unbenommen, in der großen literarischen Vorlage tötet Grenouille ausschließlich Frauen und lässt die leblosen Körper nackt zurück. Doch steht dort nur die Extraktion des Duftes an erster Stelle, jegliche Geschlechtsstereotypen und auch die Sexualität selbst bleiben komplett außen vor.

Neben diesen Ärgernissen gibt es noch einige tiefer greifende Ungereimtheiten hinsichtlich der Story und derbe Logiklücken, auf die ich aus Spoilergründen natürlich nicht dediziert eingehen werde. Nur soviel sei gesagt: Um mit der Entwicklung der Geschichte zufrieden sein zu können, muss man teilweise schon beide Augen fest zudrücken.

Roman Seliger beim Verhör in Parfum © Constantin Film
Roman Seliger beim Verhör in Parfum © Constantin Film

Optik und Akustik

Optisch ist Parfum deutlich an den unterkühlten Look moderner US-Crime-Serien angelehnt. Grelle Farben sucht man vergebens, alles wirkt gedämpft, dunkel und clean. Dazu passend wird das Geschehen oft mit langen Einstellungen gefilmt, damit der Zuschauer jedes Detail bewusst wahrnehmen kann. Zugegeben, die ein oder andere ausufernde Landschaftsaufnahme, oft auch per Drohne gefilmt, hätte man sich schenken können. Trotzdem sammelt Parfum optisch ein paar Pluspunkte.

Leider werden diese Pluspunkte auf der akustischen Seite wieder mehr als verspielt. Beispielsweise sind manche Dialoge schlicht nicht zu verstehen. Man erwischt sich, wie man kurz die Rückspultaste betätigt nur um sicherzugehen, dass man nicht doch ein wichtiges Detail überhört hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Score, der zwar handwerklich kompetent anmutet, häufig aber den Emotionshammer ein wenig zu sehr schwingt. Hier wäre etwas weniger deutlich mehr gewesen.

Was geschah früher im Internat in Parfum © Constantin Film
Was geschah früher im Internat in Parfum © Constantin Film

Mein Fazit zu Parfum

Wie ein echtes Parfum besteht auch die Serienadaption von Philipp Kadelbach aus drei Noten. Als Kopfnote erfreut man sich an den modern-unterkühlten Bildern, die kompetent in Szene gesetzt sind. Bei der Herznote angekommen steigen einem die unausgegorene Geschichte und die teils ärgerlichen Charakterzeichnungen störend in die Nase. Lang im Gedächtnis, als Basisnote, bleibt damit ein gescheiterter Versuch, die Motive des Romans von Patrick Süskind in ein modernes Crime-Gewand zu packen. Schade.

1,5 von 5 modrig riechenden Flakons.

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