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Paulus, der Apostel Christi

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Am 28. Juni erschien Paulus, der Apostel Christi auf Blu-ray und DVD. Er erzählt jedoch weniger eine biblische Erzählung, sondern thematisiert vielmehr die Entstehung der Apostelgeschichte und das Martyrium der jungen christlichen Gemeinde in Rom während der brutalen Verfolungen unter Kaiser Nero. Wir sagen euch in unserer Kritik, ob auch Atheisten den Film anschauen können.

TitelPaulus, der Apostel Christi
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieAndrew Hyatt
DrehbuchAndrew Hyatt
GenreBiografie, Historienfilm, Drama
DarstellerJames Faulkner, Jim Caviezel, Oliver Martinez, Joanne Whalley, John Lynch
Länge108 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihSony Pictures
"Paulus, der Apostel Christi" ab 28. Juni 2018 auf Blu-ray und DVD © Sony Pictures
“Paulus, der Apostel Christi” ab 28. Juni 2018 auf Blu-ray und DVD © Sony Pictures

Jim Caviezel hat erneut die Sandalen angezogen. Diesmal schlüpft er jedoch nicht in die Rolle Jesu Christi, mit der er in Mel Gibsons blutigem Bibelepos Die Passion Christi seinen Durchbruch erlangte. In Paulus, der Apostel Christi spielt er den griechischen Arzt Lukas, den Verfasser der Apostelgeschichte des Neuen Testaments. Und obwohl der Titel des Filmes etwas anderes vermuten ließe, stellt Lukas zweifelsohne die eigentliche Hauptrolle dar.

Was erzählt Paulus, der Apostel Christi?

Paulus (James Faulkner), der vom berüchtigten Christenverfolger zum einflussreichen Apostel Christi wird, verbringt seine letzten Tage im Mamertinischen Kerker in Rom und wartet auf seine Hinrichtung. Paulus steht unter dem wachsamen Auge vom ehrgeizigen Präfekten Mauritius (Oliver Martinez). Dieser möchte verstehen, wie der gebrechliche, alte Mann eine solche Bedrohung darstellen kann. Während Paulus’ Tage im Gefängnis gezählt sind, kommt sein Freund Lukas (Jim Caviezel) nach Rom, um gemeinsam mit Paulus die christliche Gemeinde in Briefen zu ermutigen, stark im Glauben zu bleiben und der Verfolgung durch die Römer mit Liebe zu begegnen.

Die Kraft des Glaubens in Zeiten der Krise

Es sollte nur wenig überraschen, dass die Botschaft Christi im Zentrum des Films und seiner Erzählung steht. Über dreißig Jahre sind mittlerweile seit seiner Kreuzigung vergangen, doch seine Anhänger haben den Missionsbefehl angenommen und Jesu Lehre in die Welt getragen. Von der Grenzprovinz Judäa aus haben sich in kürzester Zeit zahlreiche christliche Gemeinden im ganzen Römischen Reich gebildet und auch die Hauptstadt erreicht. Doch unter Kaiser Nero sieht sich die jüdische Sekte – wie das Christentum in dieser Zeit der Findungsphase noch gesehen wird – brutalen Verfolgungen ausgesetzt. Als im Jahr 64 n.Chr. ein großer Brand weite Teile Roms in Schutt und Asche legt, wird schnell ein Sündenbock gefunden. Die Christen werden der Brandstiftung beschuldigt.

Paulus (James Faulkner) und Lukas (Jim Caviezel) in "Paulus, der Apostel Christi" © Sony Pictures
Paulus (James Faulkner) und Lukas (Jim Caviezel) in “Paulus, der Apostel Christi” © Sony Pictures

Paulus, der Apostel Christi thematisiert nun, wie die kleine christliche Gemeinde angesichts der brutalen Drangsalierungen und der täglichen Konfrontation mit dem Tod versucht, Kraft in ihrem Glauben an Christus und seine Botschaft zu finden. Im Fokus steht hierbei der titelgebende Apostel, der eingekerkert auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartet. Sein Freund Lukas schleicht sich allabendlich in das Gefängnis. Er möchte aufbauende Worte des Apostels niederschreiben, die den verfolgten Christen Hoffnung geben sollen. Denn es nährt sich Zweifel innerhalb der kleinen Gruppe, die sich in einem römischen Hinterhof versammelt hat und versteckt hält.

Liebe und Hoffnung predigt dieser ihnen, ganz im Sinne der christlichen Lehre. Und natürlich Gewaltverzicht. Der Film verschweigt nämlich nicht, wie schwierig es für den Menschen ist, ein solches Schicksal kampflos anzunehmen und “die andere Wange hinzuhalten”, um die Worte aus der berühmten Bergpredigt zu zitieren. Teile der christlichen Gemeinde bewaffnen sich, töten römische Soldaten und versuchen Paulus zu befreien. Doch dieser beharrt darauf, dass einzig die bedinungslose Liebe die Menschheit retten kann.

Gott ist allgegenwärtig, aber nicht aktiv

Als gleichermaßen erfrischend wie unerwartet kann dabei die recht zurückhaltende Auseinandersetzung mit einer tatsächlichen Macht Gottes gesehen werden. Natürlich ist Gott und die Lehre Jesu auch in Paulus, der Apostel Christi allgegenwärtig. Doch eher im Glauben der Menschen, nicht durch aktives Eingreifen. Leider behält der Film diese rationale Auseinandersetzung nicht konsequent bei. An der ein- oder anderen Stelle kann er seine Religiösität nicht verstecken. Die Ausweitung der Zielgruppe auf überzeugte Atheisten wird dadurch sicherlicher erschwert. (Dabei ist sicher auch nicht hilfreich, dass die Curser im Blu-ray-Menü geradzu kitschig christliche Kreuze sind)

Nichtsdestotrotz ist die Botschaft von Liebe und Menschlichkeit eine Botschaft, die damals wie heute aktuell erscheint und sicherlich auch einer säkulären Gesellschaft gut zu Gesicht stünde. Es mag dabei eine allzu starke Interpretation meinerseits sein, doch bei der Flucht der Christen aus Rom musste ich unweigerlich an die Leute denken, die angesichts unsrer aktuellen weltpolitischen Lage einerseits lautstark von christlichen Werten sprechen, auf der anderen Seite jedoch geflüchteten Menschen keine sichere Zuflucht gewähren wollen, ja mitunter sogar davon sprechen, dass jene doch kämpfen sollten, anstatt zu fliehen.

Dramaturgie und Inszenierung

Visuell ist Paulus, der Apostel Christi in allen Belangen überzeugend. Die Bildsprache ist ästhetisch und fängt durch stark komponierte Einstellungen und Kamerafahrten das Rom des ersten nachchristlichen Jahrhunderts ein. Leider schafft es der Film jedoch nicht, seine Geschichte auf spannende Weise zu vermitteln. Trotz einer kurzen Laufzeit von 108 Minuten schleicht sich zwischendurch mehr als nur die ein oder andere Langatmigkeit ein. Der Film ist naturgemäß äußerst dialoglastig. Und wenn dann dann zum wiederholten Mal die gleiche Botschaft in neuem Gewand durchgekaut wird, kann das doch ermüdend wirken. Vor allem für einen Zuschauer, der ohnehin nur wenig mit dem religiösen Stoff anfangen kann, könnte dies zu viel Geduld abverlangen.

Der römische Präfekt Mauritius Gallas (Oliver Martinez) in "Paulus, der Apostel Christi" © Sony Pictures
Der römische Präfekt Mauritius Gallas (Oliver Martinez) in “Paulus, der Apostel Christi” © Sony Pictures

Des Weiteren ist die Darstellung der Protagonisten mitunter zu eindimensional. Natürlich werden hier und da Glaubenszweifel gestreut. Und Paulus ist aufgrund seiner eigenen Vergangenheit als Christenverfolger von Natur aus ein spannenderer Charakter. Doch wird das in der Regel nur angesprochen, um seine Reue zu thematisieren.

Zugegeben, viele gute Geschichten leben von der Schwarz-und-Weiß-Zeichnung ihrer Welten. Und auf kaum eine Erzählung trifft das vermutlich stärker zu als auf die größte Geschichte der Welt (nein, an dieser Stelle meine ich die Bibel, nicht Star Wars). Ein Schelm, wer außerdem Böses dabei denkt, und die Bibel ohnehin als Märchenbuch sieht, wo gleichermaßen Gutes gegen Böses klar voneinander abgegrenzt ist.

Dennoch hätte ich mir dahingehend einfach mehr erwünscht. Vor allem die Römer treten hier nahezu ausschließlich als sadistische Bösewichter auf, die Männer, Frauen, Kinder und sogar Babys mit einem Lächeln im Gesicht niedermetzeln und zu lebenden Fackeln machen. Der Versuch, dieser Darstellung den Präfekten Mauritius Gallas entgegenzusetzen, funktioniert nur teilweise, weil seine Charakterentwicklung und Läuterung schlicht von der ersten Minute an vorherzusehen ist.

Fazit

Paulus, Apostel Christi ist ein handwerklich überzeugender Film, der durch atmosphärische Kameraeinstellungen und -fahrten sowie einem beeindruckenden Spiel mit Licht und Schatten eine ästhetische Bilderwelt erschafft. Die Geschichte hingegen wird leider recht spannungsarm und vorhersehbar erzählt. Vor allem ein bibelunkundiges Publikum, das sich in der religiösen Botschaft nur wenig wiederzufinden weiß, dürfte die dialoglastige Dramaturgie mitunter allzu zäh empfinden.

Nichtsdestotrotz kann ein Zuschauer, der zumindest ein Interesse an der biblischen Geschichte mitbringt (und das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es sich um einen gläubigen Christen handeln muss), einen soliden “Historien”-Film erwarten. Dabei wird eine mögliche göttliche Kraft, die eben immer eine Frage des Glauben ist, auffallend dezent behandelt und keinesfalls reißerisch propagiert. Natürlich steht die Botschaft Jesu Christi im Mittelpunkt der Erzählung, der die bedingslose Liebe und den Gewaltverzicht als Grundnorm gesellschaftlichen Zusammenlebens predigte. Doch der Fokus liegt weniger auf einer tatäschlichen göttlichen Abkunft dieser Lehre, sondern vielmehr auf den Menschen und ihrer Überzeugung daran. Der Glaube und seine Kraft, jedoch auch die stets darin liegenden Zweifel, bilden das Kernmotiv des Films.

Sein volles Potenzial kann Paulus, Apostel Christi jedoch nicht ausschöpfen. Zu langatmig gestaltet sich das Narrativ. Und zu kitschig-religiös ist er dann doch an entscheidenden Stellen, um eine allgemeingültige, jedermann ansprechende Botschaft zu vermitteln. Dennoch gibt der Film zu verstehen – egal ob man gläubig ist oder nicht -, dass unsere Welt damals wie heute vor allem eines gebrauchen kann: Menschlichkeit.

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Mir gefällt die intellektuelle Selbstbezeichnung als Cineast eigentlich nicht, da in ihr, wie ich finde, immer ein gewisses Maß an Arroganz mitschwingt. Jemand nannte mich mal augenzwinkernd "cinephil", was ich eigentlich ganz nett und passend fand, doch an und für sich kann man auch einfach schlicht sagen, ich schaue gerne Filme. Darüber hinaus teile ich offenkundig anderen Menschen auch gerne meine Meinung über das Gesehene mit - ob sie nun wollen oder nicht. MovicFreakz.de bietet mir dabei die Möglichkeit, insbesondere Personen aus der Gruppe der Freiwilligen zu erreichen, die ebenso gerne Filme schauen wie ich und an meiner Meinung (und der Meinung der anderen Autoren) interessiert sind. Ein bevorzugtes Genre habe ich dabei nicht, obwohl ich natürlich das eine mehr, das andere wiederum etwas weniger präferiere, das ist doch ganz normal. So kann ich mit Komödien und reinen Actionfilmen in der Tat weniger anfangen, auch wenn Ausnahmen in diesen Gattungen die Regel bestätigen. Ich lege großen Wert auf Charaktere und deren glaubwürdige Zeichnung und möchte emotional berührt und zum Nachdenken angeregt werden. Zu meinen Lieblingsfilmen zählen Werke wie "Pans Labyrinth" und "The Prestige" ebenso sehr wie "2001" oder "Der schmale Grat".

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