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The Human Centipede II [Full Sequence] (2011)

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Mit THE HUMAN CENTIPEDE II [FULL SEQUENCE] entwickelt Regisseur Tom Six seine Idee des Erstlings in all ihrer brutalen Konsequenz fort.

Titel The Human Centipede II [Full Sequence]
Jahr 2011
Produktionsland USA
Regie Tom Six
Drehbuch Tom Six
Genre Horror
Darsteller Laurence R. Harvey, Ashlynn Yennie, Bill Hutchens
Länge 70:20 Minuten (cut) / 86:52 (uncut)
FSK SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich (cut) / ungeprüft (uncut)
Verleih marketing-Film (cut) / XT-Video (uncut)

Die letzte Minute aus THE HUMAN CENTIPEDE [FIRST SEQUENCE] läuft über den Bildschirm. Eine direkte Fortsetzung, ähnlich HATCHET könnte man somit denken. Doch weit gefehlt. Nach einem Kameraschnitt setzt der Abspann des ersten Teils ein und plötzlich sieht man diesen über den Bildschirm wandern. Jedoch nicht über den eigenen, sondern auf einem Laptop, noch dazu in schwarz-weiß. Da wird klar, dass Tom Six erneut wenig auf gängige Konventionen gibt.

Statt den Film also direkt fortzusetzen, wird gewissermaßen eine Metaebene eröffnet. [FIRST SEQUENCE] wird zu einer reinen Fiktion degradiert, welche wohl bekannt zu sein scheint, aber genauso polarisiert, wie der “richtige” Film zu seinem realen Release. Mit Martin Lomax findet der [FIRST SEQUENCE] innerhalb von HUMAN CENTIPEDE II [FULL SEQUENCE] einen glühenden Verehrer. Mehrmals täglich schaut sich Martin den Film während der Arbeitszeit an und hat eine regelrechte Obsession für diesen entwickelt. Sein heimliches Ziel ist es, Doktor Heiter nachzueifern und die fiktive Idee des menschlichen Tausendfüßlers in der Realität umzusetzen. Als Nachtwächter in einer Tiefgarage kann er sich, auf recht unentdeckte Weise, seine Versatzstücke zusammensammeln…

Die Grundidee der Fortsetzung bleibt dem Original also treu. Trotzdem ist ein gänzlich anderer Film entstanden. Während der Fokus im ersten Teil noch bei den Opfern lag und die Handlung aus deren Perspektive erzählt wurde (was jedoch von Lasers Präsenz überschattet wurde), befasst sich die Handlung nun mit Martin und seinem Vorhaben. Dabei ist Six wieder ein Kunstgriff geglückt, denn der Hauptdarsteller ist wie schon Dieter Laser das Aushängeschild des Films. Laurence R. Harvey ist so authentisch abstoßend, dass es verdammt schwer fällt, ihn nicht automatisch als Martin zu bezeichnen. Ein vielleicht etwas hochtrabender Vergleich, aber ähnlich geht es mir mit Spinell als Frank Zito. Beide performen erschreckend echt. Martin Lomax stellt den absoluten Prototypen des Verlierers und Nerds dar: dicke Brille, Glubschaugen, Asthmatiker, fett, bei der Mutter lebend und ein Nischenhobby betreibend. Zu den optischen Eigenheiten gesellen sich väterlicher Missbrauch und ein ebenso schmieriger wie selbstgerechter Psychologe. Man sollte nicht zu viel Interpretation betreiben, vor allem nicht, wenn es sich um einen augenscheinlichen Exploitationfilm handelt, aber man könnte Überlegungen anstellen, ob Tom Six sich mit Martin und dessen Lebensumständen nicht einen kleinen Spaß bezüglich Fans und Rezeption der [FIRST SEQUENCE] erlaubt hat. Sonderlich gut weg kommt bei dieser Betrachtung allerdings keine der Parteien.

Wo Laser neben der brodelnden physischen Präsenz zusätzlich mit seinem herrischen Befehlston den ehemaligen Chirurgen sehr überzeugend geben konnte, muss man Harvey fast schon distanziertes Spiel einräumen. Der Film kommt fast gänzlich ohne Dialoge aus, Harvey zumindest trägt in diesen nichts bei. Seine Person artikuliert sich durch Schnaufen, Wimmern, Husten und wütendes Gejammer. Das mag wenig anziehend klingen, passt aber perfekt zum verschrobenen Sonderling den er verkörpert. Neben der völlig anders beleuchteten Handlung geht der Film auch mit seinem Protagonisten einen völlig anderen Weg. Auch die Entscheidung inhaltlich keine direkte Fortsetzung zu drehen, sondern einen doch unvorhergesehenen Weg zu nehmen, empfinde ich schon fast als erfrischend innovativ.

Was bei beiden Filmen jedoch identisch ist: der Hype und die Aufnahme durch Medien und Fans noch lange vor abgeschlossenem Release. Während bei der [FIRST SEQUENCE] allein die Idee als Gesprächsstoff herhalten konnte, der eigentliche Film sich aber zahmer herausstellte als erwartet, konnten die Meldungen bei der [FULL SEQUENCE] aus den Vollen schöpfen: Verbot; Zensur; Freigabeverweigerung; schlussendlich Rücknahme des Verbotes, aber nur für eine gekürzte Fassung und schlussendlich für Deutschland die Beschlagnahme nach §131 StGB. Die dynamische Zensurgeschichte ließ vermuten, dass nun endlich all das, was der Vorgänger versprach, aber nicht zeigte, hier onscreen zu erleben sein würde. Und [FULL SEQUENCE] gibt dem Zuschauer das, was der Titel andeutet. Wo in Teil eins noch klinisch akkurat zu Werk geschritten wurde, schnippelt und näht hier ein Amateur an seiner Fantasie herum, was entsprechend grafische Resultate zu Tage fördert. Tatsächlich ist die Kameraarbeit deutlich zeigefreudiger und es werden einige schmerzhafte Szenen (Zähne, Patellasehne) und Geschmacklosigkeiten (Stacheldraht, Neugeborenes) präsentiert. Dabei kippt gegen Ende hin die durchweg düstere Stimmung kurzweilig in eine unfreiwillig komische pubertäre Phase, die nicht so recht in das schonungslose Gesamtbild passen möchte.

Von einem Kunstfilm ist THE HUMAN CENTIPEDE II [FULL SEQUENCE] mit Sicherheit weit entfernt, die in schwarz-weiß gehaltene Optik, verleiht einigen Bildern aber tatsächlich etwas künstlerisches und trägt maßgeblich zur trostlosen und brutalen Atmosphäre bei. Wem die Idee des ersten Filmes in ihrem wahnwitzigen Irrsinn zugesagt hat, aber die Umsetzung zu prüde fand, der sollte einen zweiten Anlauf mit dem Mittelteil der Trilogie versuchen. Schlussendlich erwartet hier eine völlig übersteigerte Kultidee, die gezielt aus dem Ruder läuft und das Publikum versucht mit Vorsatz zu entrüsten.

Ich jedenfalls freue mich auf den abschließenden dritten Teil, der wieder ziemlich kontrovers (weil angeblich langweilig) diskutiert wird und noch einmal ein gutes Stück anders sein soll.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

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