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The Night Of The Virgin (2016)

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Der Spanier Roberto San Sebastián versucht mit seinem Spielfilmdebut NIGHT OF THE VIRGIN einen Balanceakt zwischen (Body)Horror, galliger Groteske und schleimig-blutigem Ekel.

TitelThe Night Of The Virgin
Jahr2016
ProduktionslandSpanien
RegieRoberto San Sebastián
DrehbuchGuillermo Guerrero
GenreHorror / Groteske
DarstellerJavier Bódalo, Miriam Martín, Víctor Amilibia
Länge118 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben (uncut)
VerleihPierrot Le Fou
Der Film stellt das 10. Release aus der beliebten Uncut-Mediabook-Reihe dar | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou
Der Film stellt das 10. Release aus der beliebten Uncut-Mediabook-Reihe dar | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou

Mit NIGHT OF THE VIRGIN steht im letzten, sich langsam dem Ende neigenden, Heimkinojahr einer dieser Filme in den Startlöchern. Dieser bezeichnet in diesem Falle Filme, denen, vor allem im Genrekino, ein gewisser Ruf und damit einhergehend eine gewisse Erwartungshaltung vorauseilt. Marketing (Veröffentlichung in Pierrot le fou’s Uncut Mediabook-Reihe, entsprechend verheißungsvoller Trailer) und PR (Kotztüten bei den Fantasy Film Festival-Screenings) geben sich aber auch beste Mühe, das Regiedebut von Roberto San Sebastián als den neuen tabulosen Horrorschocker auszuweisen.




Schwierige Klassifizierung von Night Of The Virgin

Und damit beginnen schon die Probleme: NIGHT OF THE VIRGIN ist mit Sicherheit einiges, aber ganz genau eben kein Horrorschocker. Eine genretypische Einordnung verbietet sich fast schon, weshalb sich stattdessen ein Vergleich mit den verrückten Werken eines Álex de la Iglesia aufdrängt. Hier wie da bekommt der Zuschauer eine wilde Mixtur aus verschiedenen filmischen Aspekten vorgesetzt, die sich in ihrem schrill überdrehten Wahnwitz nicht katalogisieren lassen. Dabei scheint sich der offensichtliche Plot der NIGHT OF THE VIRGIN an klassischen Teenagerkomödien zu orientieren: Nico (Javier Bódalo), der nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht, möchte in der Silvesternacht 2015/2016 endlich seine Jungfräulichkeit verlieren. Nach mehreren missglückten Versuchen kann er endlich die deutlich ältere Medea (Miriam Martín) nach Hause begleiten. In den nächsten Stunden wird sein Vorhaben mehr als nur in die Tat umgesetzt…

Die Nacht hält für Nico einige unschöne Überraschungen parat... | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou
Die Nacht hält für Nico einige unschöne Überraschungen parat… | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou

Teenieklamotte?

Ganz so klassisch wie formuliert beginnt der Film doch nicht. Stattdessen bekommt man eine äußerst peinlich moderierte Silvestersendung präsentiert. Wie dem Booklet des Mediabooks zu entnehmen ist, ist diese weitgehend unlustige Holzhammermoderation allerdings so gewollt und soll das reale Vorbild persiflieren. Als Nicht-Kenner des spanischen TV-Programms springt der Funke nur spärlich über, aber allemal wird ersichtlich, wie grauenvoll schlecht die alljährlichen Sketche sein müssen.

Neben inhaltlicher Irritation schafft es diese mehrminütige Sequenz außerdem mit ihrem schwer einzuordnenden Äußeren zu verwundern. Grieseliges Bild, Vollformat, Bildfehler. Während die Kamera nahezu unbemerkt immer näher an den Bildschirm zoomt, wird dieser mit einem Mal gestochen scharf, die Kamera setzt zurück und man findet sich in einer Großraumdisco wieder, in der die Fernsehübertragung auf eine Leinwand projiziert wird. Dabei poppt ekstatischer Synthwave aus den Boxen (die mich frappierend an einen Song aus THE GUEST erinnerte) und verbreitet Partylaune. Kurze Zeit später variiert der Sound jedoch zu düsteren, bedrohlichen Klängen, so dass der erst nach knapp fünfzehn Minuten eingeblendete Filmtitel mehr wie eine Warnung denn spaßiges Vergnügen wirkt.

Kommen Zuschauer und Nico in Medeas Wohnung an, verstärkt sich dieses unwohle Gefühl schlagartig. Die Wohnung und speziell das Badezimmer können sich nahtlos in die Kategorie der siffigsten Klos der Filmgeschichte (ganz weit vorn neben TRAINSPOTTING und DESPERADO) nominieren lassen und würden mit Sicherheit eine gute Platzierung einfahren.

Mit Körperflüssigkeiten jeglicher Art geizt der Film nicht... | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou
Mit Körperflüssigkeiten jeglicher Art geizt der Film nicht… | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou

Oder Horror?

Womit ich erneut die, in meinen Augen, Fehlplatzierung im Horrorgenre aufgreifen möchte. Überraschen, das kann NIGHT OF THE VIRGIN offenkundig ziemlich gut. Ekeln und verstören zählt noch offensichtlicher zu seinen Stärken. Aber wird er deswegen gleich zum Horrorfilm? Hier ist wenig gruselig, wenig schockierend und am allerwenigsten subtil schauerlich. Um dem Film ein Zielpublikum zuzuschreiben, erscheint das Horrorgenre in der Tat am plausibelsten. Trotzdem würden mich überschwängliche Reaktionen von Anhängern des Mainstreamhorrors eher überraschen. Eben weil der Film auf Grusel pfeift, sich eben nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt und es keine der modernen Jump Scares gibt. Auf der anderen Seite fährt dieser filmische Bastard kein reines Splatterspektakel auf.

Es fällt verdammt schwer, für NIGHT OF THE VIRGIN eine Zielgruppe zu definieren. Der Horrorfan wird sprach- und ratlos zurückgelassen und der Gorehound wird sich der fast forward-Funktion seiner Fernbedienung erinnern. Denn eines kann dieses Werk: sich Zeit nehmen. Und davon reichlich. Die erste Stunde ist, trotz des nur langsam in die Gänge kommenden Plots, ausgesprochen spannend und unterhaltsam, da die Figuren und Umgebungen erst vorgestellt und kennengelernt werden. Die zweite Hälfte, der Film läuft fast zwei Stunden, tritt mit repetitiven oder zumindest ähnlichen Handlungsmustern auf die Bremse, zieht und streckt NIGHT OF THE VIRGIN unnachgiebig in die Länge und nimmt ihm die Würze. Selbst in einem der zentralen Akte wird es bei all den dünnflüssig verspritzten Körperflüssigkeiten verdammt zähflüssig, man suhlt sich im schon Gesehenen und beginnt seinen unterhaltsamen Ekel zu unterwandern.

Die schummrige Beleuchtung trägt viel zur düsteren Atmosphäre bei | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou
Die schummrige Beleuchtung trägt viel zur düsteren Atmosphäre bei | NIGHT OF THE VIRGIN © Neue Pierrot le Fou

Oder Ekelkino?

NIGHT OF THE VIRGIN weiß als Groteske zu überzeugen. Schimpftiraden; Sex; abgefahrener, meist unterhalb der Gürtellinie, Humor und viele Liter Körperflüssigkeiten wissen als Gemisch zu unterhalten, aber leider steht sich der Film mit seiner gestreckten Laufzeit (vor allem!) im Finale im Weg. Dabei gibt es handwerklich nahezu keinen Grund zur Kritik. Der begrenzte Schauplatz wird immer wieder spannend in Szene gesetzt und der Schnitt ist stellenweise absolut fantastisch gelungen. Farblich ansprechend düster gestaltet, wird die ranzige Wohnung stimmungsvoll präsentiert und stellt, Ironie in Anbetracht der gestreckten Spieldauer, die im Film verstrichene Zeit als Ungewissheit dar. Schade auch, dass die Beweggründe hinter der Tat etwas nebulös bleiben, denn dort wurde verheißungsvoll geteasert. So bleibt alles etwas beliebig.

Stichwort Hintergründe: wenn man des Films, ob der gestreckten Laufzeit, nicht überdrüssig geworden ist, sollte man sich die kurzen Sequenzen nach dem Abspann betrachten. Dort wird netterweise ein fieser Twist in die Handlung gebracht.

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