Start Allgemein Westworld 2.1: Zeit der Vergeltung – Episodenreview

Westworld 2.1: Zeit der Vergeltung – Episodenreview

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Willkommen zurück in Westworld! Nach dem fulminanten Finale der ersten Staffel und anderthalb Jahren Wartezeit kehrt der HBO-Serienhit nun auf die Bildschirme zurück. Wir erzählen euch alles Wichtige zu Westworld Staffel 2 Zeit der Vergeltung.

OriginaltitelWestworld Season 2, Episode 1: Journey Into Night
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieRichard J. Lewis
DrehbuchLisa Joy & Roberto Patino, Gina Atwater
GenreSci-Fi, Drama, Western, Mystery
KameraDarran Tiernan
MusikRamin Djawadi
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihWarner Bros Pictures Germany

ACHTUNG: “So wilde Freude nimmt bekanntlich ein wildes Ende”, daher enthält diese Review sowohl Spoiler zum Staffelauftakt der zweiten als auch zur gesamten Handlung der ersten Staffel.

Schon bevor Westworld nach langwierigen Produktionsschwierigkeiten und Verschiebungen im Herbst 2016 endlich an den Start gehen konnte, wurde die Serie im Vorfeld als legitimer Nachfolger des bisherigen Platzhirsches Game of Thrones aus dem Hause HBO gehandelt. Und tatsächlich: Der Serienneuauflage des Sci-Fi Klassikers von 1973 gelang es mit im Schnitt 1,9 Mio. Zuschauern pro Folge das Staffeldebüt des Fantasyepos sogar noch zu übertreffen und ganz nebenbei entpuppte sich Westworld als eines der ambitioniertesten, tiefsinnigsten und vielschichtigsten Serien-Projekte der letzten Jahre.
Sowohl Erfolg als auch künstlerischer Wille dürften dabei wohl größtenteils auf das Konto der verantwortlichen Masterminds hinter dem Unterfangen gehen: Jonathan Nolan, der bislang immer etwas im Schatten des Rampenlichts seines großen Bruders Christopher Nolan stand und Erfolgsproduzent J.J. Abrams.
Dabei markiert Westworld jedoch keinesfalls die erste Zusammenarbeit zwischen dem “Lost”-Erfinder und der ewigen Nummer 2 mit Namen Nolan, denn zuvor werkelten beide bereits an der Sci-Fi Actionserie Person of Interest. Schon hier setzte man sich, wenn auch vor dem Hintergrund von totaler Überwachung und Vernetzung, mit dem Verhältnis Mensch/Maschine und dem Thema Künstlicher Intelligenz auseinander. Westworld ließ sich daher als konsequente Weiterführung wie auch Erweiterung des Spektrums verstehen und gleichzeitig als respektvolle Hommage und Weiterentwicklung der von Jurassic Park Autor Michael Crichton erdachten Grundidee.




Game-Changer

Den vorherrschenden Status Quo im futurischen Freizeitpark, in welchem die Gäste (Newcomer) nach Lust und Laune mit den menschenähnlichen Androiden (Hosts) umspringen konnten, brachte Westworld jedoch im Finale der ersten Staffel krachend zum Einsturz.
Parkdirektor Robert Ford (Anthony Hopkins) enthüllte nach 10 Episoden Vorbereitung seine neue Storyline und läutete mit seiner spektakulären Erschießung durch Dolores vor aller Augen eine neue Ära ein. Nun müssen die Gäste, die zuvor vollkommen unbescholten und mehr oder weniger unverwundbar durch den Park streifen konnten, tatsächlich um ihre Leben fürchten. Denn die Hosts können sich nun nicht nur wehren, sondern sind vollkommen außer Kontrolle und wurden praktisch offen zum Aufstand aufgerufen. Die Revolution hat begonnen…

Gedanken-Überflutung

Überraschenderweise setzt die Handlung aber zunächst nicht direkt nach den verheerenden Ereignissen des Staffelfinales an.
Stattdessen bildet der Auftakt, wie schon zu Beginn der Serie, eine Rückblende. Darin befindet sich Dolores (Evan Rachel Wood) im Gespräch mit Arnold (Jeffrey Wright), was mutmaßlich noch vor der Eröffnung des Parks stattfindet. Einmal mehr sinnieren beide munter bedeutungsschwanger über Sein und Nichtsein, über Traum und Realität. Ungewohnt ist jedoch, dass Arnold erstmals Bedenken über die unscheinbare, naiv lächelnde Farmerstochter äußert und sich dabei sogar etwas vor ihr zu fürchten scheint. Oder besser gesagt vor dem, was aus ihr werden könnte.

Up-to-date

Diese Vorahnung bestätigt sich aber in der Jetztzeit zumindest (noch) nicht, denn von diesem kurzen Vergangenheitseinschub richtet Zeit der Vergeltung den Fokus zunächst auf Bernard (auch Jeffrey Wright), der bewusstlos mit einem Sektglas von der Premierenfeier in den Wellen liegt und keine Ahnung hat, wie er dorthin gelangt ist.
Dass seit Fords spektakulärem Ableben und Dolores’ Massaker unter den Delos-Vorstandsmitgliedern wohl aber doch mehr als bloß paar Stunden ins Land gezogen sein müssen, wird deutlich, als um ihn herum ein Sondereinsatzkommando von Delos Stellung bezieht. Bernard allerdings bleibt vorerst verschont, denn Kollege Ashley Stubbs (hat seinen Zusammenstoß mit Ghost Nation Indianer-Hosts überlebt: Luke Hemsworth) erkennt ihn als Fords Partner und hält ihn dadurch wider besseres Wissen wohl immer noch für einen Menschen.

Während der Einsatztrupp im Hintergrund mit einigen Hosts kurzen Prozess macht, bringt Sicherheitschef Karl Strand (neu dabei: “Vikings”-Star Gustaf Skarsgård) uns und Bernard auf den neuesten Stand. So scheint bereits seit zwei Wochen jegliche Kommunikation auf der Insel zusammengebrochen zu sein, auf der sich der Park befindet  (Jurassic Park lässt grüßen). Außerdem scheint es wohl auch in den umliegenden Anlagen zu Funktionsstörungen und Aufständen gekommen zu sein.

Strand bittet Bernard um Hilfe und lässt einen seiner Getreuen zur Informationsbeschaffung eine der toten Hosts skalpieren und dessen Gehirn öffnen, was Regisseur Richard J. Lewis nicht mit expliziten Ekeldetails geizen lässt. In den Videoaufzeichnungen aus dem Speicher bekommen wir dann schon einen kurzen POV-Vorgeschmack auf die neue, schießwütige Dolores, die merkwürdigerweise einen ihrer eigenen “Artgenossen” niedergestreckt hat. Mit dem Mord an Ford scheint die einst bieder-brave Farmerstochter sich nunmehr zur Revolutionärin aufgeschwungen zu haben.

Bernard²

Wer bis hierhin dachte, dass sich die Episode für Westworld-Verhältnisse erstaunlich geradlining gibt, der wird spätestens mit Bernards Verwirrtheit eines Besseren belehrt. Kurzerhand bekommen wir nämlich einen Flashback-Handlungsstrang zu jenem verhängnisvollen Premierenabend, der für den eigens angereisten Delos-Vorstand in einem wahren Blutbad endet.
Bernard und Managerin Charlotte Hale (Tessa Thompson) und zwei weiteren Vorstandsmitgliedern gelingt es jedoch, sich in Sicherheit zu bringen.
Doch auf der Suche nach einem Service-Point im Park als sichere Zuflucht geraten sie in einen Hinterhalt von aufständischen Hosts, die Angela (Talulah Riley) anführt. Schon während der Flucht wird allerdings klar, dass Bernard nicht mehr ganz rund zu laufen scheint. Kurz zur Erinnerung: Gegen Ende der ersten Staffel zwang der allmächtige Ford seinen Host-Partner, sich selbst in den Kopf zu schießen.

Wenig später flickte ihn die aufständische Gruppe um Maeve zwar wieder zusammen, doch scheint sein Androiden-Gehirn dadurch offenbar bleibenden Schaden genommen zu haben. Wie bei einem Alkoholsüchtigen löst das bei Bernard Zittern und auffälliges Verhalten aus, was er jedoch bemüht ist, vor Charlotte ebenso zu verbergen wie sein Hostsein.
Tessa Thompsons Figur, die es nun namentlich bis in den Vorspann geschafft hat und die daher in dieser Staffel wohl eine wesentlich zentralere Rolle einnehmen wird, erweist sich unterdessen als ziemlich taffe Mitstreiterin. Schnurstracks tauscht sie Abendgarderobe und High Heels gegen Reiterstiefel und Westernoutfit und scheint auch so gar nicht überrascht, im unterirdischen Service-Point eine gesichtslose Host-Drohne anzutreffen. Selbst dem sonst so gut unterrichteten Bernard sind diese unregistrierten Arbeitsdrohnen unheimlich, die offenbar schon länger unbemerkt im Park die Erlebnisse der Gäste aufzeichnen und sogar DNA-Proben zu sichern scheinen.

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https://www.youtube.com/watch?v=JIWVEuC_Z2M

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Name: Dominik König Alter: 26 Bei Movic Freakz seit: Juni 2017 Aufgabengebiete: Film- und Serienkritik, Filmmusikrezeption Bevorzugte Genres: Science Fiction (Cyberpunk), Fantasy, (Psycho-)Thriller, (schwarze) Komödie, Satire Lieblingsfilme: Memento, Arsen und Spitzenhäubchen, The Dark Knight, Das Schweigen der Lämmer, There Will Be Blood, Die Truman Show, Zodiac – Die Spur des Killers, Der große Diktator, Die 12 Geschworenen, Prinzessin Mononoke Über mich: Abspannsitzenbleiber, Originaltongucker wie Synchronverfechter. Fantasy- und Science Fiction Geek mit einer Vorliebe für verschachtelte Psychokisten, grelle Satire und bittersüße Ironie. Wannabe-Kritiker und Journalismusstudent. Als Kind der 90er träume ich von einer Zeit, als Trailer noch nicht den halben Film verrieten, visuelle Effekte nur ein Hilfsmittel waren und Hollywood wirklich mal die (Alb-)traumfabrik war. Dennoch sehe ich mich keineswegs als einer dieser "früher war alles besser" Pessimisten und kann mich am zeitgenössischen Kino ebenso erfreuen wie an als unumstößlich verklärten Klassikern. So bin ich ein Liebhaber von Filmen jeden Alters, unterschiedlichster Herkunft und Genres, ausgenommen die der Heimatfilmwelle der Nachkriegszeit und deren Reinkarnation in Form von Til Schweiger. Als Befürworter intelligenten Mainstreams glaube ich felsenfest an eine sinnstiftende Verschmelzung von Unterhaltung und Kunst im Medium Film und dabei an die fortwährende Auseinandersetzung mit sich selbst, Gott und der Welt. Und natürlich, dass Spaß und Anspruch sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Also: Why So Serious?

1 KOMMENTAR

  1. Aufgrund der Spoilerwarnung habe ich dein Review nicht gelesen, aber ich freue mich auch schon sehr auf die neue Staffel. Leider habe ich seit März kein Sky mehr, deswegen muss ich noch auf den Bluray-Release warten. Das werden laaaange Monate 🙂

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