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Zama

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Zama heißt die gleichnamige Verfilmung des Romans von Antonio di Benedetto, in der ein ambitionierter Beamter ins Hinterland Argentiniens versetzt wird und dort fernab seiner Familie dem Wahnsinn anheimfällt.

TitelZama
Jahr2017
ProduktionslandArgentinien
RegieLucrecia Martel
DrehbuchAntonio Di Benedetto, Lucrecia Martel
GenreDrama
DarstellerDaniel Giménez Cacho, Lola Dueñas, Matheus Nachtergaele, Juan Minujín
Länge115 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihGrandfilm

Was erwartet uns in Zama?

Don Diego de Zama (Daniel Giménez Cacho) ist ein Justizbeamter der Spanischen Krone, der schon seit vielen Jahren in einem abgelegenen Küstenort im Hinterland Argentiniens lebt und arbeitet. Sehnsüchtig wartet er auf einen Brief von seinem König, der seine Versetzung nach Lerma zurück in die Heimat bewilligt. Dort warten seine Frau Marta und seine Kinder, die, so erfährt Zama aus Briefen, bereits erwachsen sind. Doch immer wenn die Rückkehr kurz bevor zu stehen scheint, zerschlägt sich das Vorhaben ebenso schnell wieder…




Die Hoffnung stirbt zuletzt

Zu Beginn des Films trifft Diego de Zama auf einen seltsamen kleinen Jungen, der ihm sagt, dass Zama nicht sterben kann. Was nicht weiter erklärt wird, erschließt sich im Laufe des Films im übertragenen Sinne. Denn genau genommen ist es die Hoffnung des Beamten, die zu keinem Ende kommt. Dabei erleidet er immer derbere Nackenschläge. Beispielsweise als ihn ein unterstellter Offizier gewaltsam angeht, muss jener die Kolonie verlassen. Das Verrückte daran? Er darf sich kurioserweise aussuchen, wohin er ausreisen muss und wählt ausgerechnet Zamas Heimat Lerma. Der Bestrafte erhält die Erlösung, nach der sich sein Vorgesetzter so sehr sehnt. Außerdem wechseln die ranghöchsten Gouverneure regelmäßig, obwohl unser Protagonist nachweislich der dienstälteste Spanier der Kolonie ist.

Diego de Zama allein in einem fremden Land | ©Grandfilm
Diego de Zama allein in einem fremden Land | ©Grandfilm

Beckett? Kafka?

Dieses machtlose Ausgeliefertsein der Hauptfigur erinnert zum einen an viele Erzählungen Franz Kafkas. Zama bettelt, soweit das seine Würde zulässt, darum, dass ein Gouverneur einen Bittbrief an den König schreibt, damit er endlich seine Versetzung erhält. Nachdem dieser ihn erst einmal mit einer nichtigen Aufgabe vertröstet, gesteht er ihm schließlich, dass der König nie auf erste Bittbriefe antwortet und erst in zwei Jahren mit dem zweiten Brief eine Aussicht auf positive Rückmeldung besteht. Zama wird wieder vertröstet. Er bleibt gefangen in seinem Job in einem fremden Land. Er scheint das Opfer einer Bürokratie, die er nicht versteht, die willkürlich erscheint. Warum nur und ausgerechnet er so behandelt wird? Eine Antwort gibt es nicht.

Diego de Zamas Verzweiflung zeichnet sich immer mehr in seinem Gesicht ab | ©Grandfilm
Diego de Zamas Verzweiflung zeichnet sich immer mehr in seinem Gesicht ab | ©Grandfilm

Zum anderen wirkt Zama wie eine Hommage an das absurde Theater und Samuel Becketts Stück “Warten auf Godot”. Zwei Menschen warten vergeblich auf den titelgebenden Godot. Sie sind verdammt zum sinnlosen Warten, ohne dass eine Erlösung in Aussicht steht. Es ist sogar unklar, ob es diesen Godot überhaupt gibt. Alles, was sie währenddessen tun, alles, was Zama tut, ist nur belangloser Zeitvertreib und permanente Wiederholung. Zama zeigt uns diese quälende Belanglosigkeit ebenso zäh und schmucklos. Starre Kameraperspektiven fangen das dröge Geschehen ein. Ziellos scheint die Handlung sich in Episoden aus dem Alltag zu verlieren. Wahrlich sehr schwere Kost.

„Ich tue für euch, was niemand für mich tat. Ich zerstöre eure Hoffnungen“

Kolonisation? Setzen, 6!

Regisseurin und Drehbuchautorin Lucrecia Martel, die für ihren Film auf den Roman des Argentiniers Antonio di Benedetto aus den 1950er-Jahren zurückgreifen kann, lässt kein gutes Haar an der Kolonisation Argentiniens durch die Spanier. Das große Vorhaben, den Eingeborenen die Zivilisation zu bringen – in Zama ist davon nichts zu sehen oder gar zu spüren. Im Gegenteil: Die Eingeborenen werden wie Sklaven gehalten und für niedere Dienste missbraucht. Es ist eine erdrückende Herrschaft. Gleichzeitig siechen die Spanier selbst in diesem fremden Land. Die aufgesetzten Perücken hängen schief, entblößen mehr echtes Haar darunter, als sie es tun sollten und die Eroberer sind von Cholera und anderen Krankheiten geplagt. Bezeichnend in seiner Absurdität, wie weit Realität und Anspruch in dieser Sache auseinanderliegen, ist eine Dialogszene zwischen Zama und dem amtierenden Gouverneur, in der ein Lama durchs Haus stapft und schließlich auch ganz nah an die Figuren heranrückt.

Im späteren Verlauf trifft Zama Banditen auf Beutejagd | ©Grandfilm
Im späteren Verlauf trifft Zama Banditen auf Beutejagd | ©Grandfilm

Fazit

Achtung! Filmkunst! Zama von Lucrecia Martel ist ein quälend langsam erzählter und lange Zeit bieder inszenierter Film, der die Monotonie und Ausweglosigkeit im Leben seiner Hauptfigur auf den Zuschauer übertragt. Ob man diesen Film nun genießen kann oder nur verständnislos den Kopf schüttelt – er bleibt im Gedächtnis als verschrobenes Mahnmal für die Untaten der Spanier in Südamerika.

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Alter: 29 // Bei Movic Freakz seit: September 2017 // Aufgabengebiet : Filme & Musik, aber ich interessiere mich ebenso für Bücher und Games // Bevorzugtes Genre: Horror // Lieblingsfilme: Scream, Nightmare on Elm Street, Martyrs // Über mich: In der Regel versuche ich mir zwei Gedanken mehr über Filme zu machen als der normale Zuschauer. Was Horrorfilme angeht, bin ich ein wandelndes Lexikon und jederzeit für eine handfeste Diskussion über Slasher, die 80er Jahre oder Gruselfilme zu haben. Darüber hinaus gibt es aber auch nur wenige Genres, mit denen ich wirklich nichts anfangen kann.

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