Batman v Superman – Dawn of Justice

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Dawn of Justice erhielt gemischte Kritiken. Viele Kinobesucher fanden ihn schlecht, doch ausgerechnet unter Comiclesern hat er seine Fans gefunden. Was gibt es über einen so polarisierenden Film zu wissen?

Titel Batman v Superman – Dawn of Justice
Jahr  2016
Produktionsland  USA
Regie  Zack Snyder
Drehbuch  David S. Goyer, Chris Terrio
Genre  Drama
Darsteller  Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot, Jeffrey Dean Morgan, Kevin Costner, Amy Adams, Jesse Eisenberg
Länge  Je nach Fassung 151 – 183 Minuten
FSK  12
Verleih  Warner Bros.

Es war einmal ein Mann aus Stahl

Mit Men of Steel bot man uns 2013 den wohl düstersten Supermanfilm, den es bis dahin gab. Als Regiesseur fungierte Zack Snyder, der mit 300 und Watchmen bereits andere Comics auf die Leinwand geholt hatte. Am Drehbuch schrieb Christopher Nolan mit, der sich kurz zuvor mit der Dark Knight Trilogie ein Denkmal gesetzt hatte.

Entsprechend wurde Men of Steel eine Mischung aus schwermütiger Charakterentwicklung, bodenständiger, nolanscher Ästhetik und kompromissloser Action. Men of Steel nahm sich und seinen Helden ernst und bot eine in den Grenzen des Machbaren realistische Annäherung an Superman. Finanziell wurde der Film ein Erfolg, die Kritiken blieben gemischt.

Men of Steel 2?

Nur wenig später wurde klar, dass Zack Snyder eine Fortsetzung zu Men of Steel drehen würde. Doch je näher das (dahin verschobene) Release im Jahr 2016 kam, umso stärker geriet der Held des ersten Films in den Hintergrund. Vollmundig verkündete man den Auftritt von Supermans DC Kollegen Batman. Der offizielle Titel des Films wurde Batman v Superman – Dawn of Justice. Ab da konzentrierte sich die Berichterstattung hauptsächlich auf den Dunklen Ritter. Als bekannt wurde, dass ausgerechnet Ben Affleck in die Rolle von Bruce Wayne schlüpfen würde, waren viele verdutzt. Ein Gefühl, das Zuschauer auch nach Ansehen des Films begleiten sollte.

Heilige Dreifaltigkeit

Dawn of Justice konzentriert sich auf mehrere Hauptfiguren. In den ersten Szenen muss Bruce Wayne die Zerstörung von Metropolis miterleben. Während Superman und General Zod ihren epischen Endkampf aus Men of Steel austragen. Bruce wird hautnah Zeuge, welche Kollateralschäden durch die Kräfte der Kryptonier entstehen. Parallel dazu wird Superman für einige Menschen zu einer Art Erlöserfigur, eine Rolle, mit der er sich nicht anfreunden kann. Ein Regierungsausschuss will Superman zur Verantwortung ziehen, oder zumindest einer gewissen staatlichen Kontrolle unterstellen. Währenddessen hat sich der Industriemagnat Lex Luthor in den Kopf gesetzt, Superman sei eine Bedrohung für die Menschheit und beginnt an dessen Vernichtung zu arbeiten. Eine Befürchtung, die auch Bruce Wayne hegt. Dabei ist es sein ruchloses und brutales Vorgehen als Batman, welches Superman anspornt, der Fledermaus Einhalt gebieten zu wollen.

Dadurch bietet die Handlung des Films eine Dreierkonstellation, die sich einem Wirbel gleich zum Höhepunkt der Geschichte dreht. Jede Tat eines der Drei trägt zur Eskalation bei. Allein eine Frau lockert das Spiel der Männer auf. Wonder Woman, gespielt vom israelischen Model Gal Gadot, wird in Dawn of Justice eingeführt und sorgt für einige der besten Momente des Films.

Motive und Symbolkraft

Der Film spielt mit religiösen Motiven und Symbolen. Nach seinem Sieg über General Zod errichteten die Menschen Superman eine Statue. Ein knieendes, kolossales Abbild des Men of Steel, die rechte Hand in einer Gäste, die an das Fresko Die Erschaffung Adams aus der Sixtinischen Kapelle erinnert. Hinter der Figur finden sich schwarze Tafeln mit den Namen der Opfer des Konflikts. Eines dieser Opfer, welches seine Beine verloren hat, sprüht später die Worte False God (Falscher Gott) an das Denkmal. Am Tag der Toten rettet Superman Menschen vor einer Flutkatastrophe, woraufhin sich die Menge um ihn versammelt, um ihren Erretter zu berühren. Woraufhin ihm auch in den Medien die Rolle eines Messias zugeschrieben wird.

Batman spiegelt dieses Motiv. Wann immer Clark sich dem Dunklen Ritter als Reporter nähert, oder die Medien über ihn berichten, gilt Batman als Bestie. Er wird dämonisiert, was zu seinem Auftreten passt. Offenbar ist Bruce Wayne dazu übergegangen von ihm ausgeschaltete Verbrecher zu brandmarken. Ein Zeichen, das manche schließlich im Knast das Leben kostet. Doch nicht nur Verbrecher fürchten Batman, auch Polizisten und die Zivilbevölkerung Gothams teilen diese Angst.

Ein Bild erfasst alles

Illustriert wird das sich aufbauende Verhältnis von Superman und Batman durch Gustav Dores The Fall Of The Rebel Angels, welches Lex Luthor als Gemälde und Erbstück seines gewalttätigen Vaters besitzt. Eigentlich handelt es sich bei diesem Bild um eine Illustration Dores für das Buch Paradise Lost. Die Szene in der Luthor es einer Senatorin zeigt, erfasst im Grunde maßgeblich jedes Motiv des Films: Engel, Dämonen, die Furcht vor Gott, dem Teufel oder wahlweise den Schlägen eines Vaters und eine auf den Kopf gestellte Welt.

Auf dem Bild ist unter anderem der Erzengel Michael mit seinem Speer zu sehen. Der Speer galt auch als Waffe des heiligen Drachentöters St. Georg. Batman ist es, der sich eine Lanze aus Kryptonit fertigt. Denn Batman nähert sich mit Fortschreiten des Films immer mehr dieser Drachentötergestalt an. Der Körperpanzer, den er bei seiner Konfrontation mit Superman trägt, erinnert nicht von ungefähr an eine Ritterrüstung. Die erwähnte Lanze ist dazu geeignet Superman niederzustrecken wie einen Drachen. Dabei könnte Superman genauso gut der Erzengel sein.

Martha, oh Martha

An dieser Stelle wird es Zeit einen Wendepunkt in der Handlung des Films zu besprechen. Wer Batman v Superman – Dawn of Justice nicht gesehen hat, sollte diesen Unterpunkt lieber überspringen. Spoiler Alert! Ihr wurdet gewarnt!

Der Moment in dem Batman zum finalen Todesstoß ansetzt, wird die meisten beim ersten Sehen vor den Kopf gestoßen haben. Superman nimmt sein Schicksal an, doch bittet Batman, seine Mutter Martha zu retten. Batman, dessen Mutter auch Martha hieß, lässt an dieser Stelle vom Töten des Kryptoniers ab. Stattdessen unterstützen sich beide von jenem Augenblick an.

Viele halten diese Stelle des Films schlicht für schlecht geschrieben. Sie glauben Folgendes hätte sich abgespielt: Unsere Mütter haben denselben Namen? Instant best buddies forever! Dem ist natürlich nicht so.

Über die ganze Handlung des Films und speziell während ihres Kampfes, wird deutlich gemacht, dass Batman Superman nicht als Menschen sieht. Bruce Wayne sieht seinen Gegner als übernatürliches Monster, als Alien, als der Erde entrücktes göttliches Wesen. Dafür findet Batman auch sehr klare Worte. Sein Drang Superman aufzuhalten, erschließt sich nicht nur durch die Gefahr, die Supermans Kräfte darstellen können, sondern auch aus der Idee, dass Menschen dem Men of Steel eigentlich nichts bedeuten. Auch weil der Kryptonier in seiner Vorstellung nie das Leid von Menschen teilen musste.

Als Superman aber um das Leben seiner Mutter fleht, wird er auch in Batmans Augen menschlich. Ein Effekt, der dadurch verstärkt wird, dass Martha auch der Name von Batmans eigener Mutter war. Der Verlust seiner Eltern traumatisierte Bruce Wayne nachhaltig und war nicht nur für seine Karriere als Batman verantwortlich, sondern verfolgt den Dunklen Ritter auch in seinen Träumen.

Der sich daraufhin vollziehende Seitenwechsel, vollzieht sich zwar abrupt, ist aber kein Ergebnis schlechter Schreibe, sondern logisch nachvollziehbar.

Die Vorlage

Dawn of Justice basiert zu großen Teilen auf dem legendären Frank Miller Comic The Dark Knight Returns. In diesem stellt der Kampf zwischen Batman und Superman ebenfalls den Höhepunkt dar. Doch gibt es entscheidende Unterschiede zwischen der Geschichte von Dawn of Justice und Frank Millers Comic. Im Comic kennen sich Clark Kent und Bruce Wayne seit langer Zeit persönlich. Batman war sozusagen im selbst gewählten Ruhestand, seine Rückkehr wird von extremen Verwerfungen begleitet, was dazu führt, dass der Präsident der USA Superman damit beauftragt Batman aus dem Verkehr zu ziehen. Superman ist bereits zuvor zum Instrument des staatlichen Gewaltmonopols geworden, als er die kommunistische Invasion einer lateinamerikanischen Insel verhinderte.

Aber Dawn of Justice bediente sich nicht nur bei The Dark Knight Returns, sondern auch bei zwei weiteren Comicvorlagen. Was ein entscheidender Fehler gewesen sein könnte.

Zuviel des Guten

Die Endzeitvision, welche Batman ereilt, entspricht lose der Handlung von Injustice. Dort errichtet Superman ein Regime auf der Erde. Als Menetekel einer düsteren Zukunft, hilft diese atemberaubende Sequenz Batman nachvollziehbarer auf den Kurs gegen Superman zu schicken, könnte aber einen faden Beigeschmack entwickeln, sollte sich der angeschnittene Plotpunkt in späteren Filmen nicht mehr auszahlen.

Absolut zu viel des Guten, war der Einsatz von Bösewicht Doomsday und das Aufgreifen des ikonischen Superman Storyarcs, für den der Schurke so berüchtigt war. Nicht nur, dass Doomsday einem recycelten Höhlentroll aus Herr der Ringe entsprach, man quetschte eine völlig andere Geschichte in das Ende von Dawn of Justice. Sollte der daraus resultierende Plotpunkt in noch anstehenden Filmen wie Justice League zufriedenstellend aufgelöst werden, könnte man Schaden wieder gut machen. Ansonsten hätte man mit Doomsday in Dawn of Justice, einen potenziellen eigenen Film verschenkt. Zack Snyder schlug mit Batman v Superman in eine ähnliche Kerbe wie bei seiner Verfilmung von Watchmen. Bei Watchmen war die Handlung allerdings ein ganzes Stück runder.

Batfleck und Baleman

Batman v Superman – Dawn of Justice mutet seinen Zuschauern einiges zu. Ben Afflecks Debüt in der Rolle des Batman spaltete die Kinogänger. Die überwältigende Mehrheit der Fans konnte Batfleck allerdings überzeugen. Sowohl Afflecks Art Bruce Wayne und Batman zu porträtieren, als auch seine reine physische Präsens in den Szenen, kommen gut an. Affleck selbst ist ein großer Batman Fan. Marvels Daredevil spielte er damals nur, weil kein neuer Batmanfilm in Produktion war und die Daredevil Comics maßgeblich von Frank Miller beeinflusst waren, dem Schöpfer von The Dark Knight Returns.

Nachdem das Publikum sich durch Nolans Dark Knight Trilogie an Christian Bales Version von Batman gewöhnt hatte, der sich speziell durch einen strengen Codex und Selbstaufopferung auszeichnete, war Batflecks Verhalten ein Schlag ins Gesicht. Denn der Dawn of Justice Batman entspricht einer jungen Version, der Figur aus Dark Knight Returns.
Frank Millers Batman, scherzhaft auch Crazy Steve genannt, war schon immer moralisch streitbarer, leicht bis schwer psychotisch und gewalttätig. Comicleser kamen wesentlich besser damit klar, einen Batman zu sehen der letale Gewalt anwendete, als Kinogänger die einen Nolan Batman erwarteten.

Der Film ist durchweg erstklassig besetzt und auch exotischere Personalentscheidungen, wie Jesse Eisenberg als Lex Luthor, funktionieren.

Stil und Kritik

Zudem wirkt ein derart symbolschwangerer Film wie Dawn of Justice schnell zu verkopft. Einstellungen in entsättigten, blassen Farben bei Tag und tiefschwarzen Nächten, lassen den Film durchgängig schwermütig erscheinen. Dazu unterstützt der Soundtrack von Junkie XL diese Stimmung, weiß aber in den Actionsequenzen die Szenarie anzufeuern. Speziell das Wonder Woman Theme ist über jeden Zweifel erhaben. Auch der Artstyle des Films ist großartig. Bruce Waynes Bathöhle wirkt so zweckmäßig wie sein neues Kostüm. Das neue, schnittigere Batmobil kommt einer Symbiose aus dem der alten Burton Filme und dem Nolan Tumbler gleich.

Schon das Marketing des Films ist eine Geschichte für sich. Den Streifen Batman v Superman zu nennen, mag marketingtechnisch Sinn machen, nimmt aber einen Höhepunkt der Handlung vorweg und schafft eine Erwartungshaltung beim Zuschauer. Aus ersten minimalistischen Bildern und Teasern, wurden schließlich ausufernde Trailer, die Überraschungen verrieten.

Bereits im Kino hatte der Film eine Laufzeit von 151 Minuten. Für das Heimkino kam schließlich eine Ultimate Edition mit 183 Minuten auf den Markt. Gut eine halbe Stunde mehr Filmmaterial, die nachhaltig dazu beiträgt, Plotpunkte schärfer herauszustellen und die Handlung zu vertiefen. Der Film wurde durch die neuen Szenen kein grundlegend anderer, aber einiges lässt sich durch sie besser erfassen und macht dadurch mehr Sinn.

Von der Kinoversion waren viele enttäuscht. Im Grunde wurde der Film zum Opfer seiner eigenen Ambitionen. Ein Umstand der sich in den gemischten Kritiken widerspiegelt. Allerdings hat Dawn of Justice unter Comiclesern und Fans eingeschworene Verteidiger gefunden.

Und jetzt?

Batman v Superman – Dawn of Justice ist ein langer, düsterer Film, aufgeladen mit mächtigen Symbolen und Bildern. In seinen besten Momenten erweckt er Szenen aus The Dark Knight Returns zum Leben, bietet atemberaubende Action und Stoff für Zitate. An anderer Stelle dümpelt die Handlung etwas vor sich hin und weiß nicht, was sie eigentlich sein will. Den Casualfan kann dieser Streifen ohne Weiteres überrumpeln, während der Comicleser noch in der kürzesten Einstellung Eastereggs und Hinweise entdeckt.

Dawn of Justice ist ein guter Film. Doch nach der Nolan Trilogie, mit dem unbestrittenen Meisterwerk The Dark Knight, konnte er den Erwartungen nicht gerecht werden. Am Ende ist Dawn of Justice ein kleines Epos für sich, ein Film, auf dessen Stimmung man Lust haben muss.

Ihn abschließend zu bewerten fällt schwer, da ich mit dem oben erwähnten verdutzten Gefühl aus dem Kino kam und nicht wusste, was ich vom Gesehenen halten sollte. Doch jedes Mal wenn ich mir Dawn of Justice ansehe, finde ich ihn ein Stück besser.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:
Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:
Handlung/Dramaturgie
6
Figuren/Schauspieler
6
Ausstattung/Schauplätze
6
Form
6
Hintergrund
6
Vergleich im Genre
6
Durchschnitt:
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8 KOMMENTARE

  1. Sehr schön geschrieben! Mit dieser Kritik kann ich ausnahmsweise mal leben, auch wenn ich bei „Form“ 4 – 4,5 Sterne vergeben hätte.

    • Die Sterne kannst du ja noch per Leserwertung vergeben ;). Ansonsten ist Dawn of Justice wirklich ein Film, über den man sich die Finger blutig tippen kann.

    • Nur weil es Ben Affleck ist? In dem Fall, wirst du auch mit vielen der kommenden DC Filme wahrscheinlich wenig Freude haben.
      Justice League, Batman, Batgirl, Gotham City Sirens, Nightwing…

  2. Für mich als NICHT COMIC FAN der nur den Film bewertet, leider ein Reinfall. Überfrachtet, dramaturgisch einfallslos und atmosphärisch den Nolan Verfilmungen einfach gnadenlos unterlegen. Wie gesagt. Ohne die Comics zu kennen.

    • Der Film ist total überfrachtet, da gibt es gar keine Diskussion, aber warum hältst du ihn für dramaturgisch und atmosphärisch für einfallslos?

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